Fahrbericht

Crocodile Rock: Porsche Cayman S mit Burmester-5.1-Surround-Sound

Dieses Auto ist hyperaktiv: Es ist ständig in Bewegung, giert nach Kurven und fordert den Fahrer. Dazu passt hervorragend, dass der Porsche Cayman S in der zweiten Generation mit einem knackigen Aktiv-System von Burmester an den Start geht.

Porsche prescht durch Tunnel

© Porsche

Der neue Cayman kommt mit maßgeschneiderter Burmester-Beschallung.

Geht das schon wieder los? Der neue Cayman lässt die alte Diskussion aufflammen, wer der bessere Elfer ist. Schlimmer noch: der bessere Porsche - der einzig wahre, ist klar. Selbst Testberichte sind - Schwarmintelligenz sei Dank - voll von solchen Überlegungen. Fest steht allerdings eines: Der Cayman hat jetzt auch eine Burmester-Anlage. Und wenigstens die lässt keinen Raum für Spekulationen und schwäbische Verschwörungstheorien. Mag der Elfer vielleicht deshalb mehr PS haben, um seinen markeninternen Status zu wahren, in Sachen 5.1-Surround-Sound herrscht Chancengleichheit: Sowohl der gerade neu aufgelegte junge Wilde als auch die über 50 Jahre gepflegte Ikone kommen auf 12 einzeln angesteuerte Lautsprecher und eine Gesamtleistung von exakt 821 Watt.

Elfer Syndrom

Und was folgt daraus? Man kann die beiden beliebten Baureihen zwar vergleichen, aber es bringt nichts. Zumindest für das Gros der Porsche-Fans, die sich damit im Alltag einfach nur für harte Arbeit belohnen, aber keine Pokale damit einfahren wollen. Viel näher liegt bei der neuen Generation der Vergleich zwischen dem Cayman und seinem offenen Halbbruder Boxster. Der früher gern herablassend als Frauenauto geschmähte Roadster hat nämlich in der neuen Generation mindestens so an Profil gewonnen wie Leonardo Di Caprio, der sich vom niedlichen Frauenschwarm zum ernstzunehmenden Charakterdarsteller wandelte. Und in der sport auto - auch Tester haben ihre Lieblingstester - war der Softtop-Schönling sogar schneller als der ganzstählerne Cayman. Zwar nur wenige Sekunden, aber immerhin. Früher hieß es immer, er sei ohne Dach nicht steif genug für eine perfekte Fahrwerksabstimmung.

Auch mir fällt es schwer, einen Vorteil für die hochgeschlossene Variante zu finden - außer vielleicht, dass es mit seinem festen Dach einen Tick leiser zugeht. Das macht den Cayman zur ersten Wahl als rasendes Hörstudio für das neuentwickelte Burmester-System, das zum Cayman-Debüt auch gleich in den Boxster einzog. Bisher waren die beiden Zweisitzer ein weißer Fleck auf der Landkarte von Dieter Burmester, der jetzt erstmals alle vier Baureihen von Porsche abdeckt.

Dieter Burmester am Steuer

© Porsche

Hohe Dieter-Leistung: Porsche will künftig nicht nur mit hoher Literleistung der Motoren verbunden werden. Dazu durfte Dieter Burmester sämtliche Baureihen mit seinen High-End-Audio-Systemen bestücken.

Und der Berliner feiert dieses Ereignis mit einem Paukenschlag: Der Bass knallt mir in die Magengrube - direkt, knallhart, ansatzlos ohne jegliche Vorwarnung -, dass ich glaube, ich hab gerade einen Tiefschlag von Klitschko kassiert. Ja, ohne Frage ist der Cayman der jüngere Porsche für jüngere Fahrer. Und das spiegelt sich auch in der besonders spaßbetonten Abstimmung wieder. Mensch, das Auto hat Musik drin.

Um sie da rein zu bekommen, mussten die beiden Partner aus Zuffenhausen und Berlin alle Register ziehen. Schließlich ist der Cayman kein Cayenne, sprich Platz ist kostbar und sein Body Mass Index entspricht dem eines Vorzeigeathleten. Und sparsam soll er auch noch sein. Also hieß es Effizienz rauf, Gewicht runter. Gleichzeitig kam wegen der Steifigkeit für die Körbe kein Kunststoff wie bei den preiswerteren Systemen in Frage. Das System soll im spontanen Antritt schließlich der von uns getesteten S-Version des Cayman entsprechen. Da darf sich bei brachialen Impulsen nichts verwinden, was durch den Einsatz von Aluminium Druckgußkörben sichergestellt wird. Immerhin verwendet Porsche die aus dem riesigen Panamera bekannten 22-cm-Bässe in den Vordertüren. Die machen den eigentlichen Bass. Der Subwoofer füllt nur den Bereich darüber auf, um einen gleichmäßigen Übergang zum Mittelhochtonbereich hinzubekommen. An ihm ließ sich richtig Gewicht sparen.

Statt einen mehrere Kilo schweren, sperrigen Subwoofer hinter den Sitzen einzubauen, funktionierten die schwäbischen Ingenieure den Windlaufrahmen - einen hohlen Querträger unter der Frontscheibe - durch aufwändige Abdichtungen als Resonanzgehäuse für einen 14-cm-Basstreiber mit starkem Magneten und besonders steifem Gußkorb um. Dieser von Porsche patentierte, nach dem Transmission-Linie-Prinzip funktionierende Rohbau-Subwoofer spart fast fünf Kilo Gewicht. Laut Entwicklungsleiter Mathias Renz der darin verbaute Treiber der teuerste, den Porsche je benutzt hat. Für die Montage des Chassis, die von Hand erfolgt, galt es eine Menge Hindernisse von Seiten der Karossiere-Entwickler und der Produktionsverantwortlichen auszuräumen.

Burmester geht für seine Ideale auf die Straße

Viel Abstimmungsarbeit floss auch in das Zusammenspiel der analogen und digitalen Filter. Für den Mittel-Hochtonbereich wollte Burmester auf keinen Fall auf eine reine Digital-Weiche zurückgreifen, denn er vertritt seine analog geprägten Klangideale auch auf der Straße. Wenn es dem Porschefan doch mal zu schrill werden sollte - schließlich reagiert das System wie in den anderen Baureihen üblich, empfindlich auf die Qualität der verabreichten Aufnahmen - kann er über das Preset "Smooth" etwas Dampf rausnehmen. Dabei passt genau jene ruppige, direkte Art perfekt zum Charakter des Wagens. Zwar würde ich keinesfalls so weit gehen, den Cayman wie ein Kollege von einem Männermagazin als puristisch zu bezeichnen.

Was ist puristisch an automatischem Zwischengas und Ganganzeige für ein knackiges mechanisches Sechsganggetriebe, das sich im Schlaf bedienen lässt? An einer elektrischen Parkbremse statt rallye-erprobter Handbremse? Und an einer Anlage, die viele nicht einmal in ihrem Wohnzimmer vorfinden? Aber gegenüber den beiden Fünftürern des Hauses und dem gesettleten 911er setzt sich der Cayman S ab wie Charlie Sheen von Günther Jauch. Der kleine Porsche ist ein richtiges Raubein. Er kann sogar inklusive seiner Anlage richtig den Rüpel geben. Doch das Tolle: Er macht genau deshalb seinen Fahrer nicht zum Rüpel.

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© Visarius

Tür-Sprecher: Porsche packt in die vorderen Türen nicht nur Mitteltöner, sondern auch stattliche 22-cm-Bässe. Den Rest erledigt ein Rohbau-Subwoofer.

Das klingt zunächst suspekt. Es wird auch immer wieder zornige junge Männer geben, denen damit wie mit jedem gewöhnlichen GTI die Gäule durchgehen. Doch das Fahrerlebnis mit dem Porsche Cayman ist so intensiv, dass man bereits bei reichlich zivilem Tempo die volle Packung bekommt: Die good Vibrations des elastischen 3,4-Liter-Sechszylinder-Boxermotors, den Sound der ganz auf Gänsehaut abgestimmten Ansaug- und Auspuffanlage, die Rückmeldung der Lenkung, unterstützt vom Popometer, das die heruntergekommenen Autobahnen in den alten Bundesländern so ungeschminkt wiedergibt wie ein Skandalreport. Und nicht zu vergessen den emotional mit einer Achterbahnfahrt oder der Disko deines Vertrauens vergleichbaren Sound der Anlage.

Welch ein Song würde hierzu besser passen, als "Life's a Rollercoaster" von Ronan Keating? Spektakulärer, weil mit gewaltigen Drums am Anfang, präsentiert sich allerdings der Klassiker "Africa" von Toto vom Live-Album "XX". So soll es eigentlich immer zur Sache gehen, nur spielen bei den meisten Musikfans Anlage und/oder Nachbarn nicht mit. Mit dieser Kombination aus Auto und Anlage lässt sich Spaß haben, ohne mit der Umwelt in Konflikt zu kommen. Man bleibt gespannt, aber fährt entspannt und rast nicht einmal.

Das System in Einzelnen

© Porsche

Elfer-Syndrom überwunden: 821 Watt, 12 Lautsprecher, AMT-Bänchenhochtöner, Rohbausubwoofer unter der Windschutzscheibe: Beim Sound-System herrscht anders als bei den Motoren Parität bei den Porsche Modellen Cayman und 911 Carrera.

Um die beruhigende Wirkung im Auge des Orkans zu veranschaulichen: Erste Ausfahrt, freie Landstraße, hübsche junge Beifahrerin, im CD/DVD-Player die neue Scheibe von Daft Punk. "Random Access Memories" ertönt glasklar, perfekt getimte und mit einer zwerchfellerschütternden Bassgewalt. Das ist der Rhythmus, der unter die Haut geht. Ich halte auf die Ausfahrt zu. Gewöhnlich bedeutet das bei mir: gaaaanz lange links, dann bei der letzten Barke rein und wenn in der Ausfahrt noch etwas zwischen mich und die Leitplanke passt, ist es ein Blatt Papier. Doch diesmal ist es eine besonders übermütige neue A-Klasse! Nicht mal AMG.

Kein Wunder, beim Blick auf den Tacho stelle ich fest, dass ich nicht mal die 120 km/h ausgenutzt habe, die hier erlaubt sind. Jetzt weiß ich, Porsche sei Dank, wie Spätbremser aus der anderen Perspektive rüberkommen. Kein Kommentar! Im Cayman kommen mir nicht mal die üblichen Verwünschungen über die Lippen - wie sonst, wenn mir was nicht passt: Ich grinse nur mitleidsvoll und tue so, als hätte ich ihn nicht gesehen und drehe die Anlage noch ein Stück weiter auf.

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© Visarius

Der rasende Konzertsaal: Die Burmester-Analge lässt sich intuitiv via Touch-Screen bedienen.

Klar, ich wäre nicht ich, hätte ich bei nächster Gelegenheit nicht auch mal den Wagen aufgedreht. Und die kam ganz unverhofft. Auf der Stuttgarter Flaniermeile Theodor-Heuss-Straße provoziert uns auf der Heimfahrt eine auf Sport gebürstete alte C-Klasse. Will sagen, er versucht es. Kraft meines Alters und meiner 325 PS lasse ich mich nicht provozieren. Schon gar nicht mit ökologisch angehauchter Beifahrerin. Ein davon  aufgescheuchter, übermotivierter Audi-S6-Pilot will auch mal überholen und knallt fast in uns rein, um uns seine Potenz zu beweisen. Es scheint, im gleichen Maße wie der Porsche seinen Fahrer beruhigt, kommen die Hormone der anderen Verkehrsteilnehmer seinetwegen in Wallung.

Fünf oder sechs Ampeln gönne ich dem Benz-Bändiger seinen Spaß. Er darf Kreise um uns fahren und glotzen. Aber dann kommt meine eine Lieblingskurve. Auf diesem zweispurigen Feld der Ehre habe ich bereits mit dem Cooper S einige Dickschiffe mit der dreifachen Leistung abgebügelt. Und hier werde ich auf meine alten Tage bestimmt nicht mit der doppelten Leistung im Mittelmotorsportwagen gegen einen Youngtimer verlieren. Dumm nur: Der Typ hat vielleicht nicht viel Verstand, aber er kann fahren!

Wenn schon denn, schon. Erst kann ich nicht glauben, was ich aus dem Augenwinkel sehe: Während ich mich automatisch als sicherer Sieger fühle, schiebt er sich außen vorbei. Dem Schock folgt der vom Killerinstinkt getriebene Reflex. Eingekeilt zwischen Benz und Bordstein trete ich das Gas bis fast zum Anschlag durch: Niemand überholt Speedy außen, noch dazu im Porsche! Jetzt zappelt das schwäbische Reptil wie ein Alligator, der einen Fang gemacht hat. Übersteuern, Untersteuern und so weiter - das ganze Programm der Querdynamik auf einmal, kontrollierbar mit dem kleinen Finger beziehungsweise dem kleinen Fußzeh. Für einen geübten Sportfahrer so instinktiv berechenbar wie ein iPod und unterhaltsam wie eine Folge von "The Fast & the Furious". (Vergiss bitte, was ich vorher noch über vernünftiges Fahren gesagt hab).

Wo in anderen Autos schon lange die Elektronik von ESP & Co. durch hektische Eingriffe den Fahrer zum Passagier degradiert, lässt der Cayman noch dem Menschen den Vortritt - ganz besonders, wenn der Fahrmodus auf Sport steht. Der Porsche gewinnt in diesen Sekunden, die über Abflug oder Abbügeln entscheiden, nicht nur das Rennen, sondern auch mein Herz und mein Vertrauen: So baut man Sportwagen. Trotz Komfort, trotz Sicherheitsdenken, trotz der unvermeidlichen elektronischen Regelsysteme. Und trotz einer Superanlage, die für 125 dB Schalldruck gut ist, mit Bässen, die durch den Magen gehen. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

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© Visarius

It's the law: Dieser Porsche hat wirklich das Gesetz der Kurve in den Genen. Die Legende klebt - am Boden. Auch mit abgeschaltetem PSM (Porsche Stability Management) gibt sich der Cayman S gutmütig. Der Grenzbereich ist breit wie der Übertragungsbereich des Burmester-Systems.

Diese Kameradschaft der Geschwindigkeit werde ich die kommenden Tage noch öfter testen. Aber weit draußen auf der einsamen Landstraße. Doch die vielen hundert Kilometer, die dabei zusammenkommen, verdichten alle nur den ersten Eindruck: Wenn es eng wird. Wenn kein Raum und keine Zeit für Fehler gegeben sind. Wenn es drauf ankommt, fast trägheitslos und neutral den Befehlen des Fahrers zu folgen, dann geht dieser erschwingliche Traumwagen mit dir durch Dick und Dünn. Und wenn du Musik mal nicht als Hintergrundbeschallung oder gepflegt wie in der Oper, sondern als Naturgewalt erleben willst, dann ist dieses Ausnahmeauto genau das Richtige.

It's all about soul

Sportliches Fahren hatte für mich schon immer etwas mit der passenden Muse, mit Rhythmus zu tun und erinnerte mich ans Tanzen. In diesem Porsche fühlt man sich sogar wie ein Dirigent oder passend zum Boogiefaktor des rockigen Sound-Systems eher als Bandleader. Du kannst den Cayman am schnellsten durch verwinkelte Kurven pfeffern, wenn du ihn mit Händen und Füßen lenkst. Durch das Gaspedal lässt sich das Einlenken positiv beeinflussen, die Mittelmotorflunder dreht unter Last leicht in die Kurve ein. Wer diese Zusammenspiel im Schlaf beherrscht, fühlt sich nicht nur ein wenig wie ein Pianist, sondern staunt über kurz oder lang, welche vorbildliche Beherrschbarkeit die Ingenieure dem Cayman anerzogen haben. Selbst bei abgeschaltetem PSM (Porsche-Sprech für ESP) lässt sich keine Affinität zu Pirouetten - bei dieser Bauart eigentlich so typisch wie der Klirr eines Röhrenverstärkers - feststellen.

Der Grenzbereich ist so breit und austariert, dass es nur eines gibt, das schwieriger sein dürfte, als Ausreden für einen Dreher zu finden: Driften. Es geht zwar, aber eher über alle Viere, sprich sauschnell aber keineswegs spektakulär, soll heißen quer. Klar, der Cayman gibt sich zwar jünger als der Carrera, aber er ist trotzdem ein Auto für Erwachsene. Frei von Lastern ist er deshalb nicht, doch genau das macht seinen hohen Unterhaltungswert aus. Dieser erfrischende Zappelphilipp nimmt sogar Autobahnfahrten ihre angestammte Monotonie. Sobald das Tempo deutlich über 200 geht, rockt die Hütte.

Get Lucky

Das Sound-System spielt "Get Lucky" von Daft Punk und der Cayman tanzt dazu durch die Kurven, dass sich früher oder später selbst abgeklärte Naturen wie ihr eigenes Rennfahreridol vorkommen. Das Auto ist die ganze Zeit um alle Drehachsen in Bewegung, besonders, wenn der Dämpfermodus auf "Sport" steht. Dann sind bei Querfugen schon mal harmlose, der Konzentration zuträgliche Flugeinlagen drin, wo andere mit einer Sportlimousine gelangweilt wie auf Schienen durch die Kurve rollen. Wie gesagt, an diesem Auto gibt es nichts Beiläufiges. Es zieht trotz Konzertbeschallung immer deine ganze Aufmerksamkeit auf sich und die Straße vor dir - so wie es eigentlich gerade bei sehr hohen Geschwindigkeiten auch sein sollte.

Allerdings gehört die extrem harte Dämpferabstimmung im Sport-Modus (sie lässt sich einzeln deaktivieren) auf verwinkelte Landstraßen mit gutem Belag oder auf ebene Rennstrecken. Auf der Autobahn bringt sie unnötig Unruhe, auch wenn es fast den Anschein erweckt, der Cayman würde zur Musik von Robbie Williams und Frank Sinatra steppen. Gegen diesen hyperaktiven Sportsfreund wirkt der gereifte 911 geradewegs, als hätte ihn Porsche einer Ritalin-Therapie unterzogen. Hier kommt der Cayman S dem Ur-Elfer wirklich näher als dessen eigene Nachfahren. Das kleine Krokodil (werksintern gerne "Schnappi" genannt) hat nicht nur ABS, wäre er ein Mensch, könntest du ihm sogar ADHS attestieren.

1,3 Quadratmeter Freiheit

So gesehen könntest du die unerschütterlich stabile, von einem Center-Lautsprecher in der Mitte des Armaturenbretts gestützte Klangabbildung fast als Kontrast zum Fahrwerk sehen. Doch die Attacke des 5.1-Systems mit seinen exklusiven AMT-Bändchenhochtönern - eine Burmester-Spezialität innerhalb der Automobilindustrie - und die ungestüme Dynamik von 821 Watt verteilt auf über 1,3 Quadratmeter Membranfläche in einer engen Kabine fordern ebenfalls heraus: Hier heißt es abermals, Farbe zu bekennen.

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© Visarius

Rückblickend betrachtet könnte sich der Autor kaum zwischen Cayman und Boxster entscheiden. Der Abstand ist geschrumpft, das Profil des von Frauen bevorzugten Roadsters wurde geschärft und darf das Prädikat "unisex" tragen. Und beide haben bis auf die hinteren Surround-Lautsprecher identische Burmester-Anlagen, was die Wahl nicht leichter macht.

Der neue Cayman S will es mit samt seiner Burmester-Anlage gar nicht allen recht machen. Er fordert von seinem Besitzer ein klares Bekenntnis und Nehmerqualitäten ein. Und genau deshalb bin ich so begeistert, auch wenn ich zugeben muss, dass ich lange Strecken eindeutig lieber mit einem 911er angehen würde. Aber Geschäftswagen gibt es nun wirklich genug.

Der Cayman S präsentiert sich besonders mit dieser Anlage als lupenreines Spaßauto mit hoher Alltagstauglichkeit. Es scheint fast, die Zuffenhausener hätten sich zum eigenen Vergnügen einen schwäbisch-soliden Lotus Elise für Erwachsene gebaut. In der Tat erinnern Fahrverhalten und Fahrerlebnis mehr an das britische Kunststoff-Kultauto als an den aktuellen Elfer, dessen Burmester-Sound-System passend zum Auto distinguierter, Langstrecken- und Klassik-tauglicher abgestimmt wurde. So würde bei mir also die Entscheidung zwischen beiden Porsche-Baureihen nicht von PS oder Rundenzeiten, sondern vom aktuellen Nutzungsschwerpunkt abhängen.

Diese Richtungsentscheidung würde mir schon verdammt schwer fallen, denn meine Nutzung ist so vielfältig wie mein Musikgeschmack. Doch völlig ins Schleudern brächte mich die unvermeidliche Detailfrage: Wenn schon mit Punch und Biss, dann besser den offenen Boxster oder den besonders charismatischen Cayman? Manchmal ist es ganz beruhigend, sich etwas aktuell nicht leisten zu können, denn diese Antwort ist mir derzeit unmöglich. Finde, um einen Tester mit einer solchen vollendeten Ratlosigkeit zu hinterlassen, müssen  Porsche und Dieter Burmester über die vergangenen Jahre schon ein sehr gutes Programm ausgearbeitet haben.

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