Testbericht

D/A-Wandler Musical Fidelity X-DAC V 8

Sie gehören zusammen: Der Player zapft die Stromversorgung des D/A-Kovertes an und revanchiert sich dafür mit sauberen Daten. Ist diese Lebensgemeinschaft in jeder Beziehnung harmonisch?

D/A-Wandler Musical Fidelity X-DAC V 8

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D/A-Wandler Musical Fidelity X-DAC V 8

CD-Laufwerke mit separatem Wandler sind leider selten geworden. Die britische Musical Fidelity baut solche highendigen Teile: den neuen CD-Spieler X-Ray V 8 (1200 Euro) plus den externen D/A-Wandler X-DAC V 8 (1500 Euro). Während der X-DAC autark arbeitet, also auch für Fremdgeräte, ist der X-Ray auf ihn angewiesen: Die Stromversorgung des Spielers übernimmt der Trafo im Wandler. Der X-Ray V 8 beinhaltet also "nur" ein exzellentes Philips-Laufwerk, 24-Bit-196-Kilohertz-Konverter und Operationsverstärker fürs Analogsignal.

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© Julian Bauer

Der Wandler X-DAC V 8 agiert (umschaltbar) mit Transistor- und Röhren-Ausgangsstufen. Er verarbeitet an seinen drei Cinch-Digital-Eingängen sogar das 192-kHz-Hochbit-Datenformat von DVD-Audio.

Schon mit seiner Wandlerbestückung beschreitet der X-DAC V 8 noch highendigere  Wege. Seine D/A-Konverter können beispielsweise auch DVD-Audios dechiffrieren und rauschen laut stereoplay-Messlabor noch weniger als die Wandler im Player.

Auch bei der Bestückung der analogen Ausgangsstufen setzt Musical Fidelity unterschiedliche Akzente. Im Player päppeln gängige Operationsverstärker das Signal auf und schotten das Spielerinnere gegen die Außenwelt ab. Im X-DAC V 8 nutzt Musical Fidelity seine Röhren-Erfahrung: Der 6/03 getestete Kombispieler für 2-Kanal-SACD und CD, Tri-Vista zauberte aus fingerdicken Glaskölbchen funkelnd-strahlende Höhenfeuerwerke. Früher noch, 1996, bewiesen die Briten mit einem Turbo-Nachbrenner, wie Röhren den Klang aufbereiten können: Der auch heute noch gefragte X 10 D verbesserte - zwischen CD-Player und Vorverstärker eingeschleift - den Klang nachhaltig in Richtung warm-räumlich.

Musical Fidelity CD-Spieler X-Ray V 8 und D/A-Wandler X-DAC V 8 in der Rückansicht

© Julian Bauer

Musical Fidelity CD-Spieler X-Ray V 8 und D/A-Wandler X-DAC V 8 in der Rückansicht

Diese Class-A-Verstärkerschaltung mit Trioden findet sich in modifizierter Form auch im X-Ray V 8. Statt der ursprünglichen Doppletrioden ECC 82 setzen die Briten jetzt fürs Militär spezifizierte Glaskolben von Philips ein: JAN 6922 (Joint Army Navy). Alternativ zu "Tube" bietet der Musical Fidelity auf Knopfdruck aber auch normalen Transistorklang.

Spieler und Wandler gemeinsam ist, dass Rechenchips die Datenraten um den Faktor vier erhöhen, um Nutz- und Störsignale besser auseinanderhalten zu können. Mit einer Ausnahme: Die Daten vom USB-Digitaleingang (Universal-Serial-Bus, ältere Version 1.1) des X-DAC V 8 (zur Wiedergabe auf dem Computer abgespeicherter Musik) werden wegen ihres anders gearteten Datenformats von einem separaten 48-Kilohertz-Stereokonverter empfangen, also nicht upgesampelt. Weshalb der X-DAC dem PC zwar seine Röhrenklang-Fertigkeiten zur Wiedergabe von Internetradio und MP3-Files anbietet, über USB aber keine High-Resolution-Downloads mit Samplingraten von 88,2 oder 96 Kilohertz wandeln kann.

Seinen drei Cinch-Digital-Eingängen bereitet dies hingegen keinerlei Probleme: Sie akzeptieren sogar mit 192 Kilohertz ultrahoch gesampelte Digitalsignale (von DVD-Audio).

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Bei Röhrenverstärkern ist die Sache längst klar: Sie klingen einfach schöner. Warum sollen nicht auch Digital/Analog-Wandler vom warmen Röhrenklang profitieren? Der X-DAC V 8 macht es vor und lässt dabei sogar die Wahl zwischen Röhre und Transistor. Was passiert dabei? Wie obenstehende Diagramme verdeutlichen, steigen die Amplituden der Klirroberwellen im Röhrenbetrieb viel stärker mit zunehmender Lautstärke an, was vom Gehör als sehr natürlich empfunden wird. Ideal wäre hier, wenn auch die Klirrkomponente k2 (schwarze Kurve) gleichmäßiger verlaufen würde. (Peter Schüller)

Wer Radioprogramme von DVB-S in feinster Qualität genießen will, obwohl sein Sat-Receiver nur einen optischen Digitalausgang besitzt, muss sich nach einem Signalkonverter von Licht auf Draht (Hama, etwa 30 Euro) umsehen: Der X-DAC V 8 hat keinen Licht-Digitaleingang.

Diese Investition lohnt sich für Digitalradio-Hörer. Attestierten die Tester dem HDTV-Empfänger Pace DS 810 KP (Test 2/06) schon über seine Analog-Ausgänge transparenten Radioklang, legte er über den Musical-Wandler in jeder Hinsicht zu. Der Sat-Tuner allein präsentierte präsentierte Symphonieorchester von Bayern 4 Klassik eher zweidimensional im Hörraum; erst der Musical Fidelity öffnete den Konzertsaal in die Tiefe. "Kraftvoll und doch sanft" notierten die Tester als Hauptunterschied zur Solo-Wiedergabe des Satelliten-Tuners. Dass der X-DAC V 8 selbst der DVB-Tuner-Reference Topfield TF 5500 (11/04) noch deutlich mehr Höhenglanz und Spielfreude abrang, beeindruckte die Prüfer noch mehr. Ist der X-DAC V 8 die bessere Alternative zum 4/06 getesteten X-DAC V 3?

Mit seinen Halbleiter-Ausgangsstufen noch nicht ganz, befand sich die Jury, auch wenn der V 8 die Interpreten ultrapräzise abbildete, sie ruhig und ohne Wackler auf die Bühne stellte. Der Bass war knackig und konturiert.

Standen aber empfindungsreiche Lieder auf dem Programm, hauchten die Röhren Stimmen nochmals deutlich mehr Atem ein. Fantastisch, wie der X-DAC V 8 die Höhen fein glänzend polierte, geradezu sensationell, wie er die Aufnahmeräume bis in die hintersten Winkel ausleuchtete. Dass dem gegenüber der Player solo deutlich lebloser klang, ist kein Beinbruch: In dieser Kombi gibt der Wandler den Ton - und zwar mit Röhre.

Musical Fidelity X-DAC V 8

HerstellerMusical Fidelity
Preis1500.00 €

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