Testbericht

Dali Lektor 8

Zwar trägt die kantige, scheinbar aus den 1980er-Jahren stammende Lektor 8 im Detail Spuren eines dem Zeitgeist geschuldeten Liftings, doch wirkt sie schon allein wegen ihrer eher klotzigen Proportionen besonders in der Walnuss-Variante recht oldfashioned. Auch  die Konstruktion erinnert an die gute alte Zeit: Die Lektor 8 ist eine echte 3-Wege-Box mit Chassis in drei unterschiedlichen Konfektionsgrößen.

  1. Dali Lektor 8
  2. Datenblatt
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© Archiv

 Sie trägt zwar auflockernde Metall-Applikationen auf der mattschwarzen Front, ist aber ein richtiger Brummer mit doppelten 20er-Tieftönern und riesiger Reflexöffnung nach vorne, die schon vor der Inbetriebnahme selbst Laien auf einen vollen Bass einstimmt. Dabei kann man dem Nordlicht nicht einmal aufschneiderisches Muskelspiel vorwerfen, denn es gibt noch ein zweites Reflexrohr, das optisch unauffällig nach hinten mündet. Die Mündungen sollen durch Verrundung von Strömungsgeräuschen verschont bleiben. Die Konus-Mebranen der Mittel- und Tieftöner bestehen aus beschichteter Pappe mit Versteifung durch Holzfasern, einem Werkstoff mit hoher innerer Dämpfung. Dieser Materialmix bewährte sich bereits in der High-End-Baureihe Helicon (AUDIO 11/07). Im Hochtonbereich vertraut die Lektor 8 auf eine vergleichsweise große Gewebekalotte mit 28 Millimetern Durchmesser.

Andere Boxen mögen eleganter wirken was die Chancen steigen lässt, die Box an der besseren Hälfte vorbei im Haus anzusiedeln. Obwohl es dabei auch nur auf den richtigen Ton ankommt: Verbalakrobaten, die ihr Lektor-Pärchen mit den Worten ankündigen "Schatz, Du hast doch sicher nichts gegen einen echten Dali in der guten Stube, oder?", haben sicherlich größte Chancen, die erste Hürde ins Allerheiligste zu nehmen.

Der Auftritt der Dali begann zunächst mit einem leichten Dämpfer. Zufälligerweise enthüllte bereits der Anfang des zunächst abgespielten Eagles-Titels ihre einzige nennenswerte Schwäche: Ihr Bass trägt etwas auf, was sich später auch in den Messwerten in Form eines kräftigen 100-Hertz-Peaks spiegelte. Künstlerpech, denn gleich nachdem die Dänin durch einfühlsame, ausgewogene und äußerst realistische Gitarrenklänge gefiel, musste die Box einen anspruchsvollen Bassanteil im Programm verdauen - und der verlangte ihr in ihrem kritischen Bereich alles ab.

Die mächtige Bassdrum von "Hotel California" hat es in der Live-Version wirklich in sich, und die Lektor 8 schrammte mit ihrer Darbietung haarscharf an der Brummigkeit vorbei. Damit war schon nach kürzester Zeit zumindest klar, wie die Aufstellungsempfehlung lauten würde: nur für große Räume, möglichst freistehend. Immerhin reichte die Kontur im Bass, der sicherlich bei Heimkino und Vorführungen im Freundeskreis für manches Staunen sorgen dürfte, um nicht als dröhniger Haudrauf zu erscheinen. Und damit legte die Dali die Basis für ein Schauspiel, das man schon aus unzähligen Hollywood-Filmen kennt, die vorzugsweise mit Schauspielern wie Sylvester Stalone besetzt sind: Der Held muss erst mal einstecken und gewinnt nach einem leicht verpatzten Start souverän seinen Fight. Dabei hätte nach dem Auftakt niemand im Hörraum die Dali als echten Titelaspiranten gehandelt, doch leistete sie sich in der Folge keinen einzigen Patzer mehr - und gleichzeitig mit jedem weiteren Takt eine Menge Überzeugungsarbeit.

Die Bühne wuchs in den Dimensionen mit "My Flame Burns Blue" oder mit Richard Wagners "Lohengrin" (Abbado, EMI) ein ganzes Stück gegenüber den beiden Mitbewerbern. Doch das Beste an der Lektor 8 waren ihre für diese Klasse äußerst natürlichen Klangfarben, die nicht nur mit Stimmen, sondern auch besonders mit Gitarren, Streichern und Klavieren zum Tragen kamen. Hier passte einfach perfekt die Balance zwischen dem Anreißen und Ausklingen der Saiten und dem holzig wirkenden Körper. Auch die Feindynamik und Detailauflösung überzeugte restlos. Die Dänin ließ die Töne gleichmäßiger ausschwingen, während sie sonst eher wegbrachen.

Wo die beiden anderen Boxenpaare im Test dazu neigten, Stimmen und Raumhall-Anteile zu einer leicht artifiziellen Aura zu verbacken, erzeugte sie stärker das Gefühl, einer Sängerin in einem halligen Saal zu lauschen - so etwa mit "Comment qu'a moy lonteinne" ("The Medieval Romantics", Hyperion). Die Musik kam stets auf die Zuhörer zu und unterschlug keine noch so feinen Hintergrundinformationen, selbst wenn es sich um einen Rest von Bandrauschen oder andere Aufnahmefehler handelte.

Die Dali ging in ihrer Darbietung sogar so weit, scheinbare Gegensätze zu vereinen. Denn ihr äußerst voluminöser Bass ließ sie keineswegs langsam wirken. Sie verlieh jeder Art von Musik Punch und Spritzigkeit, die Töne schienen ansatzlos aus dem Nichts zu kommen. Mit perfektem Timing meisterte sie auch Elektro-Pop wie Depeche Mode ("Remixes 81 ... 04", Mute). Der Rhythmus der von DJs wie Kruder und Dorfmeister neugemischten Synthie-Klassiker ging direkt in die Füße, die schon das eine oder andere Mal mitwippten.

Damit stahl das Dali-Pärchen den starken Rivalen mit zunehmender Hördauer immer mehr die Show, obwohl sie in den Höhen nicht ganz an deren vornehmen Touch heran kam. Neben ihr wirkten die Lautsprecher von Heco und Mordaunt fast schon wie aalglatte Nachwuchsstars aus der Castingshow neben einem kantigen Hollywood-Veteranen vom Schlage Clint Eastwoods. Womit bewiesen wäre, dass die eingangs beschriebene markige Erscheinung mit der Klangabstimmung korrespondiert. Um alle Zweifel auszuräumen, welches Klangbild nicht nur packender sondern auch richtiger sei, bauten wir zum Vergleich die KEF iQ 90 (Test in Heft 5/09, 81 Punkte, Spitzenklasse) auf. Abgesehen davon, dass die zierliche Engländerin nicht ganz so viel Nachdruck, dafür aber mehr Präzision und Kontur im Bass machte, gingen beide tonal in die gleiche Richtung, was die Nachhaltigkeit der dänischen Abstimmung aufzeigte. Die KEF behielt wegen der höheren Präzision und Raumtiefe minimal die Nase vorn. Dennoch bietet die Dali eine attraktive Alternative für alle, die es etwas fülliger und deftiger wollen.

Dali Lektor 8

HerstellerDali
Preis1340.00 €
Wertung80.0 Punkte
Testverfahren1.0

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