Testbericht

DALI Rubicon 8 im Test

So wenig Wege und Weichenbauteile wie möglich, predigen Puristen. Doch DALI hat eine Standbox gebaut, die fünf verschiedene Frequenzgangkurven filtert. Und trotzdem klingt sie so homogen und spielfreudig wie ein Breitbänder.

Rubicon 8

© DALI

Rubicon 8

Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Beim Lautsprecherbau mit Sicherheit konsequentes, ja perfektionistisches Engineering, kombiniert mit einem Schuss Querdenken und Anderssein. Mit diesem Rezept war schon das Spitzenmodell der DALI-Epicon-Serie ein Riesenerfolg ihrer Klasse, und jetzt schicken sich die Dänen mit der Rubicon 8 an, auch den vierstelligen Preisbereich mit einem Speaker zu erobern, der den Namen Flaggschiff verdient hat.

Alleinstellungsmerkmale und ungewöhnliche technische Lösungen muss man bei der klassisch geformten, wahlweise edel echtholzfurnierten oder hochglanzlackierten Standbox mittlerer Größe nicht lange suchen: Sie besitzt das bei DALI klassische Hybrid-Hochtonsystem mit einer 29 Millimeter großen, bis 2500 Hz hinablaufenden Gewebekalotte, die nur oberhalb von 10 kHz von einem Bändchen-Superhochtöner unterstützt wird, um dem Frequenzbereich dort Auflösung, Schnelligkeit und Glanz zu verleihen, wo die Kalotte schon eine deutliche innere Dämpfung und Eigenbündelung zeigt.

Rubicon 8

© DALI

Der (durchbohrte) Polkern aus besonders wirbelstromresistentem SMC ist zusätzlich von einer mit Schlitzen versehenen Kupferkappe abgedeckt: So soll das Magnetfeld im Schwingspulenspalt noch homogener und die Wiedergabe verzerrungsärmer werden.

Weit ungewöhnlicher ist bei der Rubicon 8 das Frequenzweichenkonzept. Die Box entzieht sich der klassischen Einteilung in Zwei-, Drei- und Vier-Wege-Konstruktionen. Denn wie die Hochtöner, die im obersten Bereich gemeinsam spielen und bei denen nur das Bändchen früh ausgeblendet wird, spielen auch die drei technisch identischen Konustöner mit 17 Zentimetern Durchmesser und DALI-typischer gepresster Holzfasermembran nur im Bassbereich gemeinsam, wo Kraft und Verschiebevolumen dringend notwendig sind. Bei 500 Hz blendet dann der untere Bass ab, ab 800 Hz sukzessive auch der zweite, während nur der obere als Tiefmitteltöner hochläuft.

Die Idee dahinter: Im ortungsrelevanten Frequenzbereich soll die Abstrahlfläche möglichst klein und nicht von interferenzbedingten Bündelungseffekten betroffen sein. Im Grundton- und Bassbereich ist eine stärker werdende Bündelung sogar erwünscht, da hier die Töner aufgrund ihres Durchmessers horizontal breiter abstrahlen als oberhalb von 1 kHz.

Rubicon 8

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Die Schwingspule des Konustreibers ist vierlagig gewickelt und damit vom Magnetfeld her sehr kräftig, was eine Überhangkonstruktion mit langer Schwingspule in einem eher kurzen Magnetfeld erlaubt. Umso wichtiger ist die Homogenität des Feldes.

Auch die Gehäusekonstruktion trägt auf ungewöhnliche Weise der Beschaltung Rechnung: Der obere Tiefmitteltöner ist von den beiden reinen Bässen getrennt verbaut und verfügt auch über ein eigenes Reflexrohr.

Fortschritt im Kleinen

Doch auch beim Verbesserungsprozess in den Details der Chassis-Konstruktion konnte man Durchbrüche vermelden: So bestehen die Polkerne der Konus-Chassis, die den magnetischen Fluss der großen äußeren Ferritkerne innen herum zur Schwingspule umleiten sollen, aus dem DALI-exklusiven SMC-Material.

Rubicon 8

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Die beiden Tieftöner und der Tiefmitteltöner spielen auf getrennte Volumina mit eigenen Reflexrohren. Das verhindert eine ausgeprägte stehende Vertikalmode im Inneren der Box und gegenseitige Beeinflussung.

Die aus Pulver gepressten Kerne leiten das Magnetfeld quasi so gut wie Eisen, sind allerdings elektrische Nichtleiter und deshalb immun gegen Wirbelströme und eine Modulierung des Magnetfeldes bei Induktion von außen, wie es bei starken Bassimpulsen durch das dann extrem starke Magnetfeld der Schwingspulen auftreten kann und die Gefahr von Kompression und Verzerrungen birgt. Denn die Konen sind mit einer vierlagig gewickelten Überhangschwingspule ausgestattet, die entsprechend starke Felder mobilisiert.

Letztlich dienen alle diese Maßnahmen der Homogenisierung des Magnetfeldes und der Verringerung von Verzerrungen auch bei extremen Pegeln zwischen einem und 2,5 kHz.

Musikalisches Feuerwerk

Eventuelle Bedenken, eine Box mit fünf Chassis könne kaum so homogen klingen wie kleine Kompakte oder Breitbänder, zerstreute die Rubicon bereits nach wenigen Sekunden von John Williams' "Imperial March" (von der video-6/14-CD "Die schönste Filmmusik").

Die DALI ließ das Cincinnati Pops Orchestra trotz Vorwärtsdrang in den Höhen und des mächtigen Basses mit einer Spielfreude homogen und mit höchster Präzision zusammenhalten. Auch die Abbildung des Klangkörpers, obgleich nicht mit dem letzten Jota Raumausleuchtung und Ortungspräzision, machte einen extrem musikalischen und natürlichen Eindruck und fächerte die Instrumentengruppen sehr schön in Breite und sogar Höhe auf.

Rubicon 8

© DALI

Innenleben des Lautsprechers

Dabei klang die Rubicon bei REMs Hit "Everybody Hurts" in den Höhen sehr feingeistig und dennoch natürlich transparent. Die zum Vergleich herangezogene Revel Performa F-206 konnte zwar etwas mehr Farbenreichtum im Mittelton bieten, hatte dem Glanz der detailreichen und dynamisch bestens schattierten DALI-Präsentation aber wenig Spaßfaktor entgegenzusetzen.

Das galt ebenso für den Bass: nüchtern und präzise die Revel, üppig und mit federndem Nachdruck die DALI, die trotz ihres starken Basses immer im Takt blieb und schon bei geringen Pegeln den Hörern buchstäblich den Rhythmus in die Beine trieb.

Das konnte sie laut und ebenso gut bei Charly Antolinis "Arabian Desert Groove". Hier füllte sie den Raum mit abartig tiefen, harten und durchsetzungsfreudigen Basslinien und Bassdrum-Schlägen, ohne den Groove zu vernachlässigen oder den feinen Charme der Becken zu vernachlässigen.

Für Freunde von spielfreudigen Boxen und fundamentstarkem Klang ist die Rubicon 8 in ihrer Klasse die allererste Wahl.

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