Testbericht

Transrotor Rondino

Transrotor-Direktor Jochen Räke brachte der AUDIO-Redaktion den neuen Rondino Plattenspieler, der das ganze Showprogramm draufhat: Spiegel-Illusionen aus Acryl und Alu, unsichtbare Antriebskräfte - und einen Klang, der hypnotisiert.

  1. Transrotor Rondino
  2. Datenblatt
Transrotor Rondino + SME 5009

© Herbert Härle

Transrotor Rondino + SME 5009
Transrotor Rondino

© Herbert Härle

KOMPLETT: Der Hauptteller besteht aus massivem Aluminium.

Jochen "Transrotor" Räke beglückt die Phonowelt schon seit 40 Jahren mit perfekten Analog-Maschinen, die er ganz zu Anfang noch aus England importierte, dann aber sehr bald selber konstruierte. Statt sich gemütlich zurückzulehnen, wird er dabei von Jahr zu Jahr kreativer und erzeugt einen Output an Laufwerkstypen, Sub- und Sondermodellen, dessen Katalogisierung schon jetzt ein eigenes Buch füllen würde. Was für ein Prachtband das wäre: Kein Laufwerksbauer bringt sein Material (bevorzugt Acrylglas, Edelstahl und Aluminium) kunst-, phantasie- und liebevoller zum Strahlen.

Transrotor Rondino

© Herbert Härle

CHASSIS: Der Innenteller dreht sich auf einem invertierten Lager; der Magnetantrieb wird einfach daruntergeschoben.

Es reicht nicht, einfach den Modellnamen aufzusagen. So gibt es zum Beispiel mehrere Rondinos, eine ganze Familie, und unser Großer Rondino ist nicht mal deren Oberhaupt. Immerhin jedoch stellt er eine besonders stimmige Kombination dar, in der Tonarm und Tonabnehmer perfekt zur immensen Qualität des Laufwerks passen. Womit wir bei dem Teil wären, das tatsächlich in Bergisch-Gladbach entsteht, und das den Kern jedes Transrotors ausmacht.

Transrotor Rondino

© Herbert Härle

MOTOREINHEIT: Im linken Teil des massiven Alublocks steckt ein extrem laufruhiger Synchronmotor, der den Magnet-Antriebsteller per Riemen in Rotation versetzt.

Das Herz des Transrotor Rondino ist ein Antriebskonzept namens "Free Magnetic Drive", kurz FMD, das eine berührungslose Magnetkupplung als zusätzliche Entkopplungsstufe zwischen einem seinerseits riemengetriebenen Antriebsteller und den eigentlichen Innenteller setzt. Zehn im Antriebsteller versenkte Neodym-Magnete ziehen dabei entsprechende Gegenstücke an der Unterseite des Innentellers an und übertragen auf diesem Weg etwas Drehmoment. Die Betonung liegt auf "etwas": Je größer der Abstand, der die Magnetpaare trennt, desto elastischer wird das unsichtbare Band zwischen ihnen, und desto zarter wirkt die Motorkraft. Der Luftspalt im Antriebsstrang des Rondino ist so breit, dass der Antriebsteller rund 10 Umdrehungen braucht, bis der Innenteller im Gleichschritt mitläuft.

Im laufenden Betrieb lässt sich der Effekt dieser sanften Magnetkupplung mit einem (praktisch kaum umsetzbaren) extrem langen, weichen Riemen vergleichen: Aus der magnetischen Federkraft und den beteiligten Massen resultiert eine Eigenresonanz von etwa 1 Hertz; höherfrequente Störungen kommen nicht durch. Sie können sich höchstens - gewissermaßen durch die kalte Küche - vom Motorgehäuse über die Stellfläche, die starren Spike-Füße und den langen Acryl-Armausleger bis zum Tonarm ausbreiten und auf diesem Umweg hörbar werden. Was in der Praxis aber nicht zu passieren scheint - die Rumpelmessung des Rondino (siehe Messlabor) ist blitzsauber.

Transrotor Rondino + SME 5009

© Herbert Härle

Perfektionismus: In jeder Funktion konsequent zu Ende gedacht und völlig kompromisslos gefertigt, ist ein SME-Arm eine Anschaffung fürs Leben. 2400 Euro Einzelpreis sind für den 5009 völlig gerechtfertigt - und im Vergleich zu den wenigen in Frage kommenden Konkurrenten fast schon günstig.

Während im 9500 Euro kostenden Basispaket ein schon sehr ordentlicher, von Jelco gebauter 12-Zöller enthalten ist, kommt erst der Große Rondino mit einem echten Erwachsenen-Tonarm: SME ist einer der wenigen Hersteller, die in Fertigungsqualität und Finish mit dem perfektionistischen Räke-Stil mithalten können. Für Transrotor bauen die Briten ein Sondermodell namens SME 5009, das mit seinem konischen Magnesium-Armrohr und den ultrapräzisen Kugellagern dem SME IV entspricht, sich von diesem aber durch das geklemmte Headshell unterscheidet. Die Klemmung ermöglicht ein Verdrehen des Headshell, und damit eine Azimuth-Feinjustage des eingebauten Tonabnehmers. Was durchaus stärkeren Klangeinfluss haben kann als den Steifigkeits-Zugewinn, den die feste Klebung des Model IV bewirkt.

Für 600 Euro Aufpreis gibt es den Arm auch als 5012 im königlichen 12-Zoll-Format, aber das ist eher eine Stil- als eine Qualitätsentscheidung. So oder so ist der Arm bis ins letzte Detail durchdacht und unglaublich präzise gefertigt. Die Kombination aus Leichtlauf, Steifigkeit und Spielfreiheit, die der 5009 ermöglicht, ist schwer zu beschreiben, aber leicht zu er-fassen: Lassen Sie den Arm an seinem Headshell-Griff zwischen Daumen und Zeigefinger tanzen, achten Sie auf das völlig reine "drrrrr"-Geräusch, mit dem er zur Ruhe kommt, wenn man ihn aus ein paar Millimetern Höhe in seine Parkposition auf dem Kunststoff-Ablageclip fallen lässt. Versuchen Sie das gleiche mit einem anderen Arm - Sie werden den Unterschied spüren, noch bevor Sie ihn hören: An so einem Arm, und nur da, gibt ein Tonabnehmer alles.

Wenn es sich bei dem Abtaster wie im Testgerät um einen Transrotor Merlo Reference handelt, ist "alles" ziemlich viel. Der Zufall wollte es, dass zum Abhören gerade die Martin Logan Ethos bereitstanden, die mit dem Transrotor eine fast magische Kombination bildeten: Riesig weit und dennoch gestochen scharf öffnete sich der Konzertsaal-Blick bei Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum-Ouvertüre auf der letzten Seite der "AUDIO Vinyl Masters Vol.1". Besonders aufschlussreich sind die ganz leisen Passagen, weil wir hier an die Grenzen der Vinyltechnik stoßen - oder besser gesagt feststellen, dass diese Grenzen sich mit einem wirklich perfekten Spieler fast aufzulösen scheinen: Die Reste von Rauschen durch Aufnahmetechnik (hier aus der DDR der 70er Jahre) und Restrauhigkeit der PVC-Oberfläche (bei dieser Pressung extrem gering) werden erst dann zum Problem, wenn ein nicht-perfektes Laufwerk sie moduliert und mit eigenen Zugaben ergänzt. Mit dem Rondino dagegen wird der Rauschgrund glatt und transparent, man scheint darübergleiten und durch ihn hindurchschauen zu können.

Transrotor Rondino

© AUDIO

Gleichlauf-Tonspektrum: Die Soll-Spitze bei 3150Hz ist sehr schmal, es sind weder nieder- noch höherfrequente Gleichlaufstörungen erkennbar.

Sein völlig ungestörter Arbeitsplatz erlaubt dem MC-System (das wie alle Transrotor-Pickups in England von Goldring gebaut wird) nicht nur phänomenale Feinauflösung, sondern auch heroische Grobdynamik: Her mit all den "unspielbaren" Platten, die in fast jeder Sammlung mit den Jahren an die schummrigen Ränder der Regalfächer verdrängt wurden! Mit hundertprozentiger Abspielkompetenz gewappnet, muss der Musikfreund sein

Transrotor Rondino

© AUDIO

Rumpelspektrum: Mit Koppler (blau) liegen die Störungen nochmals deutlich unter den mit Messplatte ermittelten Werten (rot).

Reich neu kartieren: Je nachdem, was er vorher zum Abspielen benutzte, öffnen sich neue Routen in bekanntem Terrain, mitunter aber harren auch ganze Kontinente der Entdeckung.

Messlabor

74dB Rumpelabstand mit Messplatte und hervorragende 84dB mit Messkoppler (der ohne Platte und deren Eigengeräusch misst) sprechen für das FMD-Antriebskonzept des Transrotor. Der Merlo Reference ist ein mittelleiser MC-Tonabnehmer, der im SME-Arm auch höchste Aussteuerungen (sauber bis 120µ) perfekt abtastet und dabei sehr klirrarm bleibt (im Mittel um 0,08%). Die unbedämpfte Elastizität des Magnetantriebs hat kaum Einfluss auf den Gleichlauf, der bei sehr guten, wenn auch nicht sensationellen 0,067% liegt.

Fazit

Einfach aufzubauen, wartungsarm und für die Ewigkeit gebaut, gehört der Rondino in der getesteten Ausstattung auch klanglich zu den rundesten, stimmigsten Analogspielern in der Transrotor-Historie. 

Transrotor Rondino / SME5009 / Merlo Ref

HerstellerTransrotor
Preis11000.00 €
Wertung115.0 Punkte
Testverfahren1.0

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