Musikserver

DigiBit Aria im Test

Wer seine CD-Sammlung digitalisieren will, braucht Zeit, Geduld, Nerven - oder einfach den Musikserver Aria von DigiBit. Der rippt, speichert und taggt im Test insbesondere Klassikalben mit außergewöhnlicher Intelligenz.

DigiBit Aria

© DigiBit

DigiBit Aria

Selbst ist der Mann. Weil Klassikliebhaber und Highender Juan Jose Perez es satt hatte, beim Rippen seiner gigantischen Klassik-Sammlung ständig an die Metatag-Grenzen der CD-Datenbanken zu stoßen, erschuf er einfach selbst eine. Als Sonata DB wurde das umfangreiche Werk, das neben den gewöhnlichen fünf Standard-Informationen Genre, Albumname, Artist, Trackname und Erscheinungsjahr bis zu zwölf weitere Merkmale für eine einzelne CD liefert, schnell und besonders bei Klassik-Fans bekannt. Komponist, Dirigent, Solo-Künstler, Musik-Periode oder gar einzelne Instrumente gehören zu den so hilfreichen wie exotischen Tags, die beim Sortieren und Kennzeichen von Klassik-Alben helfen.

Digitalisierung für Klassik-Liebhaber

Weil Juan Jose Perez aber nicht nur Musikfan, sondern auch erfahrener Unternehmer ist, ersann er auch gleich gewinnbringende Möglichkeiten, das Rippen an sich einfacher zu gestalten. Im Sonata Musicserver bündelte er auf Basis des in Fachkreisen hochgeschätzten JRiver Media Center ein Paket an Dienstleistungen für das korrekte Einlesen, Taggen und Archivieren von Musik-CDs. Einziges Problem: Nach wie vor muss der Kunde selber am Computer sitzen sowie die frisch ausgelesenen Musikdaten irgendwie zur Wiedergabe an die Stereo-Anlage bekommen. Beides eine nie versiegende Quelle an möglichen Problemen.

Diese sollen nun mit Perez neuestem Streich, dem Musikserver Aria, endgültig vom Tisch sein. Der im klassischen Hifi-Gardemaß von 43 Zentimeter, aber dennoch mit außergewöhnlicher Design-Note (entworfen vom spanischen Designbüro Ochoa & Diaz-Llanos) auftretende Musikspeicher bietet dem anspruchsvollen Musikfreund - und insbesondere Klassikliebhaber - das Rundum-Sorglos-Paket.

Computer, Laufwerk und Anschlüsse

Er vereint den für das automatische Rippen perfekt abgestimmten Computer samt Laufwerk und Software, den wahlweise ein, zwei oder vier Terabyte großen Speicher für die Musikdaten, den Online-Zugang zur Metadatenbank und wahlweise eine Reihe an Digitalausgängen für den Anschluss an externe Wandler oder ein integriertes DAC-Board vom italienischen Wandler-Spezialisten Manunta (eher bekannt unter dem vormaligen Namen M2Tech).

Musikserver

© DigiBit

Wer das Audio-Board mitbestellt, kann via XLR oder Cinch an Vollverstärker oder direkt an der Endstufe andocken.

Lediglich die CD muss der stolze Besitzer noch selber einlegen, alles andere erledigt der Aria unsichtbar und angesichts der eingesetzten AccurateRip-Methode erstaunlich zügig selber. Kommentarlos spuckt der Server die CD nach erfolgreichem Auslesen wieder aus, dann kann es sofort mit der nächsten Scheibe weitergehen, während man staunend den Neuzugang im Medienarchiv über die kostenlose App "iaria" auf dem iPad begutachtet.

Steuerung per iPad-App

Pro

  • Spielfreude, Rhythmus, Auflösung, Bedienung - alles vom Feinsten

Contra

  • App bislang nur für iPad, keine Mute-Taste

Ja, Apple-Gegner und WLAN-Verweigerer müssen jetzt stark sein, momentan gibt es das Nutzerinterface für den Aria tatsächlich nur für das iOS-Tablet. An einer Android-Version wird aber bereits gearbeitet und wer unbedingt muss, kann sich über Remote Desktop oder andere Software-Tools direkt auf den als Betriebssystem eingesetzten Windows Home Server einloggen. Dann allerdings läuft man erstens Gefahr, die perfekt laufende Rip-Automatik durcheinander zu bringen und verpasst zweitens die beeindruckend souveräne und durchdachte Benutzeroberfläche der App.

Metadaten nachtragen oder ändern funktioniert ebenso leicht per Fingerstreich wie das Navigieren durch das wunderschön aufbereitete Medienarchiv mit frei skalierbaren Coverbildern. Neben den üblichen Merkmalen wie Albumname oder Künstler sortiert die App auch nach exotischeren Aspekten wie Instrument oder Dirigent, Abtastraten und was die Sonata Datenbank sonst noch hergibt.

Weitere Quellen fürs Medienarchiv

Zusätzlich lassen sich zu jedem getaggten Künstler Informationen des kostenlosen Online-Dienstes von last.fm abrufen. Das gilt übrigens nicht nur für selber gerippte CDs - auch Musik von anderen Netz-Laufwerken und USB-Speichern kann der Aria in sein Medienarchiv aufnehmen. Entweder indem er die gewünschten Daten komplett kopiert oder lediglich den Verweis auf den tatsächlichen Speicherplatz indiziert.

Durch letztere Variante herrschte der Aria in kürzester Zeit auch über die immerhin fast ein Terabyte großen Musikdaten der AUDIO-Netzwerkplatte - inklusive Metadaten und Albumart. Als reinrassiger Server übernimmt aber auch selbst die Rolle einer NAS und sogar Multi-Room-Funktionen wie das gleichzeitige Streamen an mehrere Clients im Netzwerk (Stichwort: Party Mode) gehören zu seinen Talenten.

Wiedergabedoktor

© DigiBit / Screenshot Audio

Der Wiedergabedoktor (rechts) erstellt passend zum gehörten Track eine Auswahl von weiteren Musikstücken - mit erstaunlich wunderbaren Ergebnissen. Nachträgliches Bearbeiten der Metadaten ist spielend einfach möglich (links).

Dynamische Wiedergabelisten

Die heimlichen Stars beim Musikhören mit dem Aria aber sind die dynamischen Wiedergabelisten. Zum einen finden sich hier so praktische und leider viel zu selten implementierte Sortierfunktionen wie "zuletzt hinzugefügt", zum anderen kann man dank dieser Smartlists auch wunderbar alte Musikschätze wiederentdecken.

Die Option "100 Titel" beispielsweise erstellt dynamisch eine Wiedergabeliste mit 100 zufällig ausgewählten Titeln aus allen Alben - eine pfiffige Idee, um den oftmals bei Streaming schmerzhaft vermissten Shuffle-Modus nachzubilden. Der "Wiedergabedoktor" indes findet aufgrund des gerade gehörten Liedes sogar eine Auswahl an passenden weiteren Tracks querbeet aus dem Medienarchiv - und fischt dabei mitunter fast vergessene Musikperlen hervor.

Wer schon mal unvermittelt nach einer gefühlten Ewigkeit einem alten Lieblingstrack begegnet ist und diesem breit grinsend lauschte, wird die Funktion sicherlich zu schätzen wissen.

Der Aria als Vorvertstärker

Der Aria lässt sich auch direkt als lautstärkeregelnder Vorverstärker einsetzen. Dann allerdings wäre eine Fernbedienung mit Volume-Regelung oder zumindest eine Mute-Taste auf dem Gerät vorteilhaft, sollte das iPad auf die Schnelle nicht auffindbar sein (oder gerade für nicht-audiophile Zwecke missbraucht werden). Dies bleibt aber der einzige Kritikpunkt, ansonsten gibt es an Bedienung und Funktion rein gar nichts zu meckern - und die G-Frage (kann er denn auch Gapless?) beantwortet der Musikserver mit einem dicken Ja.

Klang

Klanglich baute der Spanier große, tiefgehende Bühnen, ohne die Intensität, Konturenschärfe und Greifbarkeit der darauf befindlichen Instrumente irgendwie zu verdünnen. Tonhöhen und Rhythmen folgte er mit spürbarer Lust, packte den Hörer förmlich am Kragen und zog ihn in die Musik. Seine Mischung aus Spielfreude, Intelligenz und Benutzerführung machen ihn zum heißen Tipp!

Fazit

Man kann es nicht oft genug sagen: Die Güte eines Musikservers steht und fällt mit seiner Intelligenz. Beim Aria ist alles genau so, wie man es sich vorstellt: Automatisches, akkurates Rippen; eine umfassende Datenbank und eine wirklich gelungene App, mit der man diese Intelligenzbestie hervorragend steuert. Alles in einem schönen, soliden, lüfterfreien Gehäuse untergebracht - Bravo!

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