Testbericht

Dipolstrahler Jamo R907

Im Bass konnte die Jamo R 907 (8000 Euro das Paar) die Wettbewerber mit ihrem druckvollen und lebensechten Charakter regelrecht deklassieren.

  1. Dipolstrahler Jamo R907
  2. Technik im Detail
  3. Datenblatt
Standlautsprecher, Dipolstrahler Jamo R907

© Archiv

Standlautsprecher, Dipolstrahler Jamo R907

Senkrecht von vorne sieht die R 907 aus wie eine ganz normale Dreiwegebox. An oberster Position auf der leicht gekrümmten Schallwand sitzt wie gewohnt der Hochtöner, hier in Gestalt einer 25-Millimeter-Kalotte mit großflächiger Schallführung.

Eine Etage tiefer residiert ein Konusmitteltöner mit fester Phasennase und ultrasteifer Magnesium-Membran, darunter finden sich zwei ungewöhnlich große Tieftöner mit mattgrau schimmernden Trichtern aus luftgetrockneten Papierfasern.

Lautsprecher Jamo R907

© Archiv

Hinter dem noblen Kabelterminal liegt der untere Angriffspunkt für die hochfeste Strebe aus Metall.

Sobald der Blick zur Seite schweift, offenbart die Jamo ihre zentrale Eigenschaft: Ein Gehäuse im klassischen Sinne ist nicht vorhanden, nur eine 44 Zentimeter breite Schallwand und ein bombenfest sitzender Metallbügel, der vom hinteren Ende der Bodenplatte bis zum Hochtöner reicht. Unter den links und rechts des Trägers angebrachten Stoffhauben können die Tief- und Mitteltöner in beide Richtungen ungehindert schwingen. Nur dem Hochtöner ist ein kleines, geschlossenes Volumen nachgeschaltet.

Die offene Bauweise schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Verzicht auf großvolumige Kammern eliminiert die üblicherweise mit Boxengehäusen assoziierten Probleme: mitschwingende Wände ebenso wie klangtrübenden Resonanzmüll aus dem Gehäuseinneren, der zeitverzögert auf die Membranen schlägt.

Und die Bauweise verhilft der Skulptur zu einem dipolförmigen Abstrahlverhalten, ähnlich dem großer Flächenstrahler mit durchgängigen Membranen, aber ohne Schwächen bei Basstiefe und Belastbarkeit.

Hinter den Kulissen jedoch sind bei Dipolen einige Klimmzüge erforderlich, denn mit dem Weglassen der üblichen Kammern ist es nicht getan. Vorder- und Rückseite arbeiten um 180 Grad zueinander versetzt und somit gegenphasig. Ohne Gegenmaßnahmen würden sich die Schallanteile zumindest teilweise aufheben.

Lautsprecher Jamo R907

© Archiv

Die Membran des nach hinten offenen Mitteltöners basiert auf einem stabilen Magnesium-Mix. Der Hochtöner (oben) arbeitet als einziges Chassis mit einer geschlossenen Kammer.

Sobald die Wellenlängen größer werden als die Strecke von der vorderen Chassis-Mitte zur hinteren, sinkt bei offener Bauweise der Schalldruck mit einer Steilheit von 6 Dezibel pro Oktave. Ein Tieftöner, der in einem geschlossenen Gehäuse einen linearen Bass erzeugt, würde offen montiert extrem dünn klingen.

Bei mittleren Frequenzen kann die Schallwand der R 907 den akustischen Kurzschluss wirksam verhindern. Im langwelligen Bassbereich sind Gegenmaßnahmen erforderlich, die letztlich das riesige Format der Tieftöner erklären.

Bei 30 Hertz erzielen die beiden 12-Zöller trotz partiellem Kurzschluss noch vollkommen genusstaugliche Pegel. Die bei höheren Frequenzen zunehmend bessere Kopplung wird in der Frequenzweiche kompensiert. So erwächst in der Summe trotz der Dipolverluste ein absolut linearer Bassfrequenzgang. Damit steigt der Wattbedarf, was den Einsatz kräftiger Verstärker nahe legt. Doch anders lässt sich die Kurzschlussproblematik nicht beheben. Offen arbeitende Flächenstrahler - etwa Elektrostaten - stehen vor dem gleichen Problem. Mehr dazu hier .

Im Bass konnte die Jamo R 907 die Wettbewerber mit ihrem druckvollen und lebensechten Charakter regelrecht deklassieren. Die P 3.1 litt unter ihren knappen Pegelreserven und hatte der trockenen Härte der Jamo bei Bassimpulsen nur wenig entgegenzusetzen.

Den ausführlichen Hörtest finden Sie hier .

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