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Dual CS 550 Plattenspieler im Test

Dual stellt den CS 550 in seine gute deutsche Plattenspielertradition. Er sieht auch aus wie ein typischer Dual von früher, doch klingt er auch entsprechend? Das zeigt der Test.

Dual CS-550

© Dual

Dual CS 550

Pro

  • insgesamt eine überragende Produktqualität
  • sehr gute Hochtonauflösung
  • gut als Low- wie auch als High-Output-MC

Contra

  • braucht adäquate Verstärker und Lautsprecher, um seine Qualität voll auszuspielen

Fazit

AUDIO Klangurteil: 98 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Das wäre mal eine interessante Untersuchung: Wie viele AUDIO-Leser der Jahrgänge, sagen wir, vor 1965 hatten eigentlich keinen Dual-Plattenspieler? Das Unternehmen aus St. Georgen im Schwarzwald war in den seligen 1970er-Jahren aber sowas von Platzhirsch im deutschen Plattenspielermarkt, zumal er auch unzählige Fremdfirmen mit Laufwerken und Wechslern belieferte. Vorbei.

Der unselige Konkurs 1982 und die unrühmlichen Folgen trieben der einst ruhmreichen Marke die letzten Respektreste aus. Der Ruf war aber sowas von dahin. Auch vorbei. Denn seit die Firma Fehrenbacher ebenfalls in St. Georgen den Namen übernahm und erst recht, seit die Firma Sintron im badischen Iffezheim den Vertrieb macht, kam die Marke aber sowas von zurück. Und seit mit dem CS 600 ein ausgewachsener Dreher in bester Tradition vorgestellt wurde, weht sogar wieder ein Hauch von High-End über die Wipfel des Schwarzwalds. Der CS 550, für den ohne System immerhin knapp 1200 Euro fällig werden, stellt sich in dieselbe Reihe.​

Bevor wir also von vergangenen Tagen schwärmen, schauen wir uns lieber den aktuellen Spieler an. Denn der sieht seinen Ahnen aber sowas von wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. Das auffallende Kardanlager des leichten 8,5-Zoll- Tonarms wirkt wie ein Familienmerkmal. Und obwohl Dual auch gerne mit Subchassis baute, hat auch der leichtgewichtige Brettspieler seine Tradition. Der schönen MDF-Holzzarge verleiht die aufgeraute Oberfläche einen distinguierten grauen Soft-Metallic-Look.​

Unter der Oberfläche wirkt ein klassischer Gleichstrommotor, der elektronisch geregelt und mechanisch per Gummiring entkoppelt über einen Flachriemen den Kunststoff-Subteller antreibt. Der Subteller ist fest mit der Edelstahlachse verbunden, die sich in einer Lagerbuchse aus Messing auf einem Teflonspiegel dreht. Die Umdrehung stellt man mit einem silbrig schimmernden Drehknopf rechts vom Arm ein – diesen Platz verleiht der CS 550 exklusiv in der aktuellen Dual-Familie.​

Dual CS-550 Tonarm

© Dual CS-550 Tonarm

Vertikale und horizontale Bewegungen des Tonarms geht das kardanische Lager des Tonarms mit. Und das leicht, aber ohne Spiel.

Headshell und Höhenverstellbarkeit unterscheidet den Arm von dem des größeren CS 600. Aber selbst wenn​ man den Vertical Tracking Angle VTA beim CS 550 noch mit Distanzscheiben feinjustieren muss, nötigt einem dieser Radialo doch ein Zungenschnalzen ab. Die Lager sind fein und spielfrei gearbeitet, so will man das haben. 

Ob man den „umgekehrt“ arbeitenden Hebel für den Tonarmlift so haben will, sei mal dahingestellt. Der Autor, aber sowas von kein Freund von Bedienungsanleitungen, brauchte seine Zeit, bis er checkte, dass Nachvorneziehen den Arm anhebt und erst Nachhintendrücken selbigen zum gemächlichen, nobel bedämpften Absenken auf die Plattenebene bewegt.​

Clever durchdacht ist die Montage des Tonarm-Gegengewichts auf just dieser Ebene. Wenn wellige Platten den Arm in der Vertikalen taumeln lassen, sorgt das für günstigere Hebelkräfte. Plan dagegen ist der gleichfalls sehr leichte, in Sandwichbauweise gefertigte Plattenteller, dem ein eingepresster Ring zu mehr Gewicht im Außenbereich und so zu ruhigerem Schwung verhilft.​ 

Eine Frage des Systems

Der CS 550 wird zwar mit 12-Volt-Steckernetzteil, Filzmatte, Staubschutzhaube und Cinch-Anschlusskabel ausgeliefert. Doch die Wahl des Tonabnehmers obliegt dem Käufer. Der Autor baut in fast jeden Testplattenspieler, ob mit System angeliefert oder ohne, sein ACE S H (rechts) ein, um die Fähigkeiten von Laufwerk und Arm auszutesten.

Lustigerweise bildet der Firmenprospekt den CS 550 genau mit diesem Pickup ab. Was nur bedingt Sinn ergibt, denn ein 1000-Euro-System in einem 1200-Euro- Spieler ist fast schon ein bisschen snobistisch. Sei’s drum, zum Test im AUDIO-Hörraum kam auch das ACE S L zum Einsatz. Das braucht freilich einen MC-Vorvorverstärker, der ihm noch dazu einen möglichst hohen Abschlusswiderstand von 1000 Ohm aufwärts bietet. Der war zur Hand – und los ging’s.

Dual CS-550 Tonabnehmer

© Dual

AUDIO schraubte an die Kunststoff-Headshell des Dual CS 550 das Benz ACE S, hier in der rotgewandeten L-Version mit niedriger MC-Ausgangsspannung.

Hörtest

Die rasante Rockjazz-Fusion von „Lungs“ sprang die Jury dann tatsächlich regelrecht an. Das Auftaktstück der legendären LP „Timeless“ von John Abercrombie, jüngst von ECM auf Vinyl wiederveröffentlicht, stellt mit extremen Impulsen, den Tieftonschüben von Bassdrum und Orgelpedalbass sowie der Flitzefinger-Gitarre jeden Plattenspieler vor herbe Herausforderungen. 

Die Dual/Benz-Kombi meisterte den Parforceritt – Sie ahnen es – aber sowas von souverän. Da drehte man gerne herum und legte die Nadel noch in das herrliche Titelstück. Die sanfte Beckenarbeit von Jack DeJohnette, sein behutsames Besenstreichen auf der Snaredrum, die abgrundtiefen Orgelbässe von Jan Hammer und die himmlische Gitarre von Abercrombie ließen einen da wirklich die Zeit vergessen.

Jedenfalls solange man nicht irgendwelche Erfrischungsgetränke auf die gleiche Unterlage wie den CS 550 stellte oder allzu fest mit den Füßen auf den Boden trampelte. Der allenfalls mit den Füßen entkoppelte Leichtspieler leitet das dann gerne ploppend in die Boxen weiter. Also Betonwand-Montage oder einen schwergewichtigen, schwingungsarmen Stellplatz besorgen.

Dual CS-550 Messingpulley

© Dual

Ein Messingpulley übertägt die Rotation des Motors via Flachriemen auf den Subteller. Gummiringe entkoppeln den Antreiber vom Chassis.

„Freunde, nicht diese Töne“? Aber doch! Der rückwärts geschnittene Schlusssatz von Beethovens Neunter Sinfonie in der feinen Tacet-Produktion brachte nochmals die dynamischen und homogenen Tugenden des Dual ins Spiel. Nicht ganz mit der Autorität großer Masselaufwerke oder der Spritzigkeit exzellenter Subchassis-Dreher, aber mit erstaunlicher Gelassenheit stellte der CS 550 Orchester, Chor und Solisten in den Kirchenraum. Auf diesen Spieler kann Dual zu Recht aber sowas von stolz sein.

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Fazit

​Hat Spaß gemacht, mal wieder einen echten Dual made in Germany zu testen. Dass er mit dem fast gleich teuren Tonabnehmer made in Switzerland eine so gute Vorstellung gab, erhöhte die Stimmung noch. Aber auch mit einem preiswerteren Pickup, etwa dem Ortofon 2 M Bronze (330 Euro, AUDIO 10/2016​), begeistert der leichte Dual CS 550 mit Dynamik und Kraft. Dual aus Schwarzrotgoldland – das passt wieder.​

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