Testbericht

DVD-Receiver NAD Viso Five

Eine Schönheit, die herrlich musiziert und sich spielend leicht bedienen lässt: Mit ihrem neuen DVD-Receiver Viso Five (1490 Euro) will NAD einen Traum wahr machen.

  1. DVD-Receiver NAD Viso Five
  2. Datenblatt
DVD-Receiver NAD Viso Five

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DVD-Receiver NAD Viso Five
DVD-Receiver NAD Viso Five

© Julian Bauer

Ein Prozessor von Cirrus (CS 494003) decodiert Surroundformate, ein Wandler von AKM setzt Analog-Stereo auf Digital und in einem Rutsch die Ausgangkanäle wieder auf Analog um. Ein weiteres Groß-IC besorgt die Eingangswahl und Pegelregelung. Der Lüfter, der neben den Endtransistoren den Hochstrom-Gleichrichter und die Hauptelkos kühlt, war nie störend zu hören.

Wie nur wenige andere AV-Geräte kann der neue DVD-Receiver von NAD mit einem rechnen: Liebe auf den ersten Blick. Die schön gebürstete, schwarz eloxierte, oben abgerundete Alu-Frontplatte, die markanten, metallverzierten Knöpfe, perlige Linsentasten mit Druckpunkt al dente, auch bei der näheren Zuwendung zum Viso Five für knapp 1500 Euro kommt nichts als Freude auf. Die verdichtet sich beim livestyligen Publikum zum Glücksgefühl: Für eine komplette heimkinotüchtige HiFi-Anlage braucht es ein schickes Plasma, fünf kleine, feine, aufs Interieur abgestimmte Böxlein nebst verstecktem Subwoofer und den NAD - und endlich keine hässlichen Gerätestapel mehr. Und auch kein Fernbedienungs-Wirrwar, weil der lernfähige Viso-Leuchttasten-Geber den Monitor mit steuern kann.

Der ungläubige Thomas wird nun auf die Rückseite spähen. Dort fällt ihm als erstes eine Ventilator-Öffnung auf, die signalisiert, dass die fünf auf eine Art Luftturbine montierten Endstufen des Viso Power haben. Wird also niemand Pre-Outs für den Anschluss externer Endstufen vermissen, gefallen die modernen Schnittstellen für ein iPod-Dock und ein optionales DAB-Tunermodul umso mehr. Über RS-232-Kontakte  unterwirft sich der Viso auch PC-Kommandos oder einem Home-Controller beipielsweise von Crestron.

DVD-Receiver NAD Viso Five Fernbedienung

© Julian Bauer

Für den Anschluss des Monitors stehen neben der modernen HDMI-Buchse für alle Fälle und alternativ anzuwählen auch noch ein Scart- und ein 3-Komponenten-Ausgangsterminal zur Verfügung sowie S-Video- und Composite-Buchsen. Normalbürger frohlocken, nur der unersättliche Heimcineast räuspert sich. Denn es gibt wohl auch entsprechende Videoeingänge, im Gegensatz zu tüchtigeren AV-Receivern weigert sich der Viso jedoch mangels eines entsprechenden Konverter-Chipsatzes, die analogen Videoformate ineinander oder gar in HDMI umzuwandeln.

Ergo bleibt der Viso doch lieber auf sich allein gestellt. Nun spielt er zwar noch keine Blu-ray-DVDs ab. Er zaubert aber, indem er aus Halbbildern volle errechnet oder die Zeilenzahl erhöht, auch bei Standard-DVDs quasi HDTV-Verhältnisse hervor. Schließlich werden sich nicht alle, aber doch einige preisgünstigere HD-Monitore dafür bedanken, dass der NAD ihnen im Voraus die Rechenarbeit abnimmt.

DVD-Receiver NAD Viso Five

© Julian Bauer

Mit dem kleinen "Load Switch" lässt sich die RS-232-Buchse links daneben azu bewegen, statt PC-Kommandos Updates anzunehmen. DVB-Tuner-Ton darf sich über den elektrischen ode optischen Digitaleingang einbringen. Das (HD)TV-Bild läuft aber am besten direkt zum Monitor. Den Video- Eingängen lässt sich nicht viel Sinn abgewinnen, da der NAD sich weigert, die Analogformate auf HDMI hochzuwandeln. Umso praktischer: Der in vielen Anlagen noch notwendige Scartausgang. Solange er aktiviert bleibt, schaltet der Viso die HDMI-Buchse ab.

Von den ganz neuen Filmformaten abgesehen erweist sich der Player im NAD sowieso als Alleskönner. So dürfen die Platten SVCD-, DivX- oder JPEG-Bilder mitbringen. In puncto Musik gibt er auch DVD-Audio mit höchster Auflösung (24 Bit, 192 kHz) wieder, wobei er sich gleichzeitig gern um ein Bassmanagement für Mini-, für kleine oder Normalboxen bemüht. Auf der anderen Seite verschmäht er weder MP3 noch Windows WMA.

Bei alledem hilft Pro Logic II oder das ähnliche firmeneigene EARS auf sensible Weise, Stereo auf fünf Kanäle umzusetzen. Umgekehrt holen die Dolby-Programme "Virtual Speaker" und "Headphone" auch aus nur zwei Boxen und aus Kopfhörern Surroundsound heraus.

Bei den Tests bewies der Viso auch als Videolieferant Fleiß. Außer bei der ganz hohen Zeilenzahl 1080 wandte er stets seinen De-Interlacer (Vollbildfunktion) an, was zwar zu nicht ruckelfreien Bewegungsabläufen, aber ingesamt doch zu recht ruhigen, flimmerarmen Bildern mit natürlichen Farben führte.

Klanglich empfahl sich der  NAD zunächst mit tadellos sauberen Radioklängen, um dann bei CD-Stereo einen äußerst distinguierten Charakter herauszukehren. Er presste und dengelte die Töne nicht in den Hörraum, er stellte sie vielmehr vorsichtig hinein, wie eine empfindliche Vase mit einem großen, aber nicht allzu grell-bunten Blumenstrauß. Ähnlich die Surround-Vorstellung: Die Filmklänge wuchsen und dufteten, gerieten aber nie schwer, nie vorlaut und aggressiv.

Dem Einwand, dass es für 1500 Euro schon AV-Kraftprotze plus Blu-ray-Player gibt, entschärft der Komplett-DVD auf seine Weise: Wer die Schönheit liebt, nimmt mich.

NAD Viso Five

HerstellerNAD
Preis1490.00 €
Wertung39.0 Punkte
Testverfahren1.0

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