Testbericht

Einzeltest: Standlautsprecher von Martin Logan

Mit der Summit stürmte Martin Logan schon den Klanggipfel. Keiner verschmolz bislang besser Flächenstrahler und konventionellen Bass zum Hybriden. Doch jetzt erhöhen die US  Spezialisten den Genuss-Faktor noch: mit der ultimativen Summit X.

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  2. Datenblatt
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© Archiv

Hybrid - das klingt zunächst irgendwie hässlich. Zum einen meint das griechische Fremdwort überheblich, hochmütig. Zum anderen kennen wir es aus der Biologie für auch nicht gerade sympathieweckende Zwitterwesen, etwa der aus Schaf und Ziege zusammengeklonten Schiege. Doch dürfen wir nach diesem Test hohen Mutes feststellen: Hydrid ist etwas wunderbares, liebenswertes. Jedenfalls, wenn es um die neue Summit X geht, den Gipfel des Hybrid-Lautsprecherbaus.

In der Tat hat AUDIO noch nie einen Schallwandler gehört, der die Verbindung von dynamischen Bass und elektrostatischer Mittel-Hochtoneinheit dermaßen homogen hinbekommen hat. Bevor wir in die tote, graue Theorie abtauchen, lassen Sie uns noch einen Moment auf der Höhe dieser farbenfrohen, quirlig lebendigen Musik verweilen. Denn der Abhörraum schien schon bei moderaten Pegeln geradezu vor Leben zu beben, wenn die Summit X loslegte.

"Wie der Blitz aus der dunklen Wolke" wollte Gustav Mahler das Finale seiner ersten Symphonie ins Auditorium fahren hören. Hätte dem Komponisten 1889 schon eine Summit X und Georg Soltis 1964er Einspielung zur Verfügung gestanden, er hätte vielleicht auf das - damals verständnislos bis hasserfüllt reagierende - Publikum verzichtet und sich ganz der Konserve gewidmet. Die überbordende Fülle der Klangfarben, die makellos differenzierte Abbildung jedes Partitur-Partikels hätten ihn, den als Dirigent gefürchteten Detail- und Präzisionsfanatiker, hingerissen. Und die fürs Wohnzimmerformat unfassbare Dynamik des London Symphony Orchestra hätte ihn wohl ins Mark getroffen.

Bevor die Hymne jetzt völlig ins Spekulative driftet, gilt es, erst einmal Begriffe zu klären. "Dynamisch" im technischen Sinne bezeichnet jene Lautsprecher beziehungsweise Chassis, die Schall auf konventionelle Art erzeugen: Vom Verstärker gelieferte Wechselspannung regt nach dem elektrodynamischen Prinzip eine in einem festen Magnetfeld beweglich gelagerte Schwingspule an. Die ist mit einer konus- oder kalottenförmigen Membran verbunden, die im Takt der gelieferten Spannung schwingt, dadurch Luft bewegt und Töne produziert.

Elektrostaten indes nutzen das Wechselspiel zwischen Spannung und mechanischer Bewegung etwas anders: Bei Martin Logan etwa wird eine hauchdünne, mit elektrisch leitendem Material bedampfte Plastikfolie unter Hochspannung gesetzt, was ein konstantes elektrostatisches Feld um sie herum schafft. Dieses Feld begrenzen die bei Martin Logan sehr fein gelochten, leicht gekrümmten, sogenannten Statoren.

An ihnen liegt die hochtransformierte, gegenphasig gepolte, vom Verstärker gelieferte Signalspannung an. In deren Takt schwingt die Folie zwischen den Statoren, bewegt Luft und produziert Töne. Viele HiFi-Fans attestieren diesem Prinzip den "dynamischeren" Antritt.

"Dynamik" im musikalischen Sinne meint die Spanne zwischen laut und leise. Und weil ja alle Lautsprecher leise können (sollten), ist theoretisch der lautere auch der dynamischere. Lautstärke erreichen Chassis über ihre Fläche und den Hub - klarer Vorteil für konventionelle Wandler, vor allem im Tiefton-Bereich, wo besonders viel Luft bewegt werden muss. Denn weil aus Wirkungsgrad-Gründen die Statoren eines Elektrostaten nahe zusammenrücken müssen und damit den Hub natürlich begrenzen, muss es die Größe bringen. Flächenstrahler-Spezialist Martin Logan baut deshalb seinen überwältigenden Vollbereichs-Elektrostaten CLX (AUDIO 3/09) recht raumgreifend und verzichtet dennoch auf die unterste Oktave - oder setzt eben bei seinen anderen Modellen auf dynamische Bässe.

Das ist nicht ganz ohne, denn auch die Abstrahlcharakteristik eines im Gehäuse eingemauerten, rundum strahlenden Konus-Tieftöners - im Falle der Summit X sind es zwei in jeweils abgeschlossenen Kammern - unterscheidet sich erheblich von der eines nach vorne und hinten gleich gerichtet abstrahlenden elektrostatischen Dipols. Und die Übergangsfrequenz - hier etwa 270 Hertz - mutet der Tiefton-Einheit erheblich mehr als "nur" das Bass-Fundament der Musik zu. Das eingestrichene "c1" liegt bei etwa 262 Hz. Diesen Ton erreichen menschliche und hölzerne Bässe noch mühelos, während Soprane, Flöten, Oboen oder Violinen auch locker bis dorthin und noch etwas tiefer gründeln. Sprich: Die ML-Tieftöner tragen viel Grundtonverantwortung.

Logan löst die vielfältigen Hybrid-Probleme mit einigen cleveren Kniffen. Im aktiven Bassbereich etwa beschalten die Amerikaner die beiden von jeweils 200 Watt starken Endstufen angetriebenen Zehnzöller so, dass sie ab etwa 160 Hz (das "kleine e" liegt bei 165 Hz, hier ungefähr beginnt etwa die weibliche Sprechstimme und die Tenor-Sangesstimme) nahezu bipolar abstrahlen: also viel Energie nach vorne und hinten, wenig zur Seite. Erst unter 100 Hertz geht es rundum. Die Homepage prunkt mit schönen, oft geschützten Begriffen wie "Controlled Dispersion PoweredForce", "Advanced-Topology Vojtko Crossover", "Xstat Electrostatic Transducer", "Ultra Rigid AirFrame Technology", "Curvilinear Line Source", "MicroPerf Stators" oder "Energy Transfer Coupler Spikes". Alles schön und gut, dient es doch letztlich dem hehren Ziel, das beste beider Wandler-Welten zu verbinden. Und großartig Musik zu machen.

Was gelang. Hinter diesem nüchternen Zeugnis freilich stand ein Rausch der Sinne, wie man ihn wirklich nicht alle Tage eingeschenkt bekommt. Am ehesten lässt sich die Reizflutung einer großen Logan noch mit erstklassigem Champagner vergleichen: prickelnd, spritzig, manchmal überschäumend, die Laune hebend und ohne jede Reue zu genießen. Aber für immer den Geschmack prägend. Nebenbei bekommen die Augen auch noch etwas geboten: Die lustige Unterboden-Beleuchtung sorgt im abgedunkelten Hörraum dafür, dass die Summit X zu schweben scheint.

Und wahrlich schwerelos legte sie akustisch los. Das von Christian Zacharias kunstvoll kultivierte Klavier perlte um einen exakt definierten tonalen Kern mit genau jenen feindynamischen und klangfarblichen Nuancen, die geniales Mozart-Spiel von eintönigem Notenbuchstabieren unterscheiden. Die delikaten Orchester-Klänge, mit denen Mozart sein Klavier in mal zärtlichen, mal dramatischen Dialog treten lässt, zeichnete die Logan mit bestechender Detailfreude. Mal sanft hingetuscht, mal mit kräftigem Pinselstrich.

Schon mit solch anspruchsvollen Instrumentalklängen zeigte die Summit X eine faszinierende Ausgewogenheit. Und mit Stimmen legte sie nach. Der gefürchtete Bruch zwischen Grund- und Obertonspektrum blieb aus. Gesangspädagogen wären begeistert von der glänzenden "Registerverblendung". Denn egal, ob der rabenschwarze Bass Gottlob Fricks oder der silbrige Sopran Joan Sutherlands in einem weiteren Mozart-Meilenstein (Don Giovanni, Carlo Maria Giulini, EMI) glänzten - die Logan war und blieb in ihrem Element.

Aus dem sie auch härteste Rock-Attacken von The Answer (siehe Vinyl-Spezial 6/09) oder großorchestrales Tschingdarassa nicht vertreiben konnten. Frappierend die Wucht, mit der auch abgrundtiefe Bassdrum-Kicks oder gemeine Beckenschläge an den Trommelfellen der verblüfften Juroren anbrandeten. Beliefert von den besten analogen oder digitalen Quellen, konnte dieser Top-Lautsprecher mit jeder Musikrichtung jene Sogwirkung entfalten, die für die eingangs erwähnten Rauschzustände sorgt. Und blieb doch - quasi nebenbei - unbestechlicher Zeuge für die ultrafeinen Klangunterschiede etwa von Super-Vorstufen.

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Martin Logan Summit X

HerstellerMartin Logan
Preis16800.00 €
Wertung103.0 Punkte
Testverfahren1.0

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