Testbericht

Endstufe Vincent SP-331 MK

In der Vincent-Endstufe gibt es ein Wiedersehen mit den russischen Miniröhren aus der Vorstufe, die hier, wiederum im Differenz-Gegentakt, eine sehr leicht aussteuerbare Eingangsstufe bilden.

  1. Endstufe Vincent SP-331 MK
  2. Datenblatt
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© Archiv

Eine weitere, nun vollformatige und schon etwas leistungsfähigere Doppeltriode übergibt die Signale an eine Transistorbrigade, die Vincent-typisch alles andere als zimperlich dimensioniert ist. Dies und die riesigen Kühlflächen an den Gehäuseseiten erlauben es den Entwicklern, den Ruhestrom der SP-331 so großzügig zu erhöhen, dass sie bis etwa 20 Watt in reinem Class-A-Modus verstärkt. Ihr Ausgang ist also in der Praxis, an nicht allzu anspruchsvollen Boxen und bei halbwegs zivilen Pegeln, frei von den klanglich besonders störenden Übergangsverzerrungen.

Unterm Strich verheizt die Vincent-Endstufe im Ruhezustand ordentlich Strom: 175 Watt. In ihrer Maximalleistung liegt sie mit der Cambridge auf Augenhöhe - in beiden Fällen mehr als genug, um die Basslinie auf "Mr. Titz (The Revelator)" von Shalabi Effect ("The Trial Of St. Orange"; auf Alien 8 Recordings auch als FLAC-Download) mit ungebremster Brutalität in den Hörraum zu blasen. Und zwar auch dann, wenn ernsthaft hungrige Boxen wie die Revel Performa F52 zu füttern waren.

Während das Stück mit Loops von Sam Shalabis Oud, rasendem Tabla-Geklöppel und schließlich kantig-energischen Breakbeats Runde um Runde mehr Fahrt aufnahm, zeigten auch die Endstufen immer deutlicher ihren jeweiligen Charakter: Die Vincent SP-331_Mk wirkte insbesondere im oberen Bass und Grundton straffer, im Mittelhochton direkter und transparenter, was das die Spontaneität und anarchische Energie der Band wunderbar zum Vorschein brachte. Schön ließ sich der Unterschied auch mit "Message From The Pink Abyss", bestaunen, dem Opener des Albums "Pink Abyss", den ein US-Kritiker einst als "the stomach gurgles of cyborg aliens and panicked murmurs of forest nymphs, a squelching, breathing heap of noise that frankly isn't terribly captivating" beschrieb.

Von "nicht sonderlich packend" konnte keine Rede sein. Was mit vielen Verstärkern flach blieb wie eine Science-Fiction-Dschungeltapete, entwickelte sich über die deutsch-chinesische Endstufe zu einer spannenden Improvisation, mit glaubhaft echten (meist Blas-) Instrumenten hinter jedem der unzähligen Geräusche und Melodiefragmente, und vor allem mit hochmotivierten, konzentrierten Musikern hinter diesen Instrumenten. Die Cambridge wirkte nicht ganz so unmittelbar, dafür noch müheloser und relaxter, wenn es laut wurde.

Vincent SP 331 MK

HerstellerVincent
Preis1350.00 €
Wertung100.0 Punkte
Testverfahren1.0

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