D/A-Wandler

Exogal Comet im Test

Bei Wadia revolutionierten sie mit höherer Mathematik einst die CD-Wiedergabe. Mit dem Exogal Comet (D/A-Wandler) wollen die unermüdlichsten Geister dieser Forscher-Crew nun den nächsten Gedankenblitz zünden.

Exogal Comet

© Julian Bauer

Exogal Comet

Pro

  • vornehmer, flüssiger und substanzvoller Klang, der vor allem der Stimmenwiedergabe zu Gute kommt

Contra

  • zunächst nur Lowband-Filter

Fazit

Der Vorwurf, dass sich der Exogal im Moment noch nicht in einer attraktiveren Ausbaustufe befindet, sollte nicht den Hersteller treffen, sondern die Redakteure - AUDIO konnte es wieder mal nicht erwarten ... Auf jeden Fall wissen wir: Die offene Exogal-Architektur kommt auf einem soliden Fundament daher - und ihre Zukunft wird noch spannend.

Egal, ob dieser Comet in neue Dimensionen vorstoßen wird oder nicht: Er sieht saulecker aus und fühlt sich ebenso an. Das sauber geschliffene und gerundete, aus dem vollen Alu gefräste Gehäuse besitzt ein kleines stromsparendes E-Ink-Display, das hübsche silberne Zeichen darstellen kann. Und ganz auf moderne "Communication" eingestellt, offeriert der Comet auf seiner Rückseite rudelweise Schnittstellen. Etwa - um den Comet am Schweif aufzuzäumen - Cinch-Line und symmetrische XLR-Preouts. An denen die von Jim Kinne angeführte kalifornische Ingenieurs-Gang bitte keine Vorstufe, sondern einen Endverstärker direkt angeschlossen sehen will. Ein althergebrachter Lautstärkesteller dämpft ja nicht nur die Pegel, sondern - weil sie kleinere Signale in den Störsumpf drückt - in brutaler Weise auch die nutzbare Dynamik.

Exogal Comet

© Julian Bauer

Silver Convention: Das E-Ink-Display des Exogal- Wandlers zeigt auf einen Streich Quelle und Lautstärke, aber leider keine Bitraten an

Exogal Comet: Messungen

In dem von Kinne und Co. programmierten Prozessor (Altera Cyclone IV) lässt sich's viel besser pegelregeln, denn dieser hält Datenworte von 32 Bit Länge und damit eine entsprechende Dynamik vor. Bei sechs pro Bit ergibt sich ein akustisch selbst im Weltall kaum darstellbarer Umfang von 192 Dezibel - ergo einer, von dem, ohne auch nur ein Klanghärchen krümmen zu müssen, mühelos 60 dB abgezogen werden können. Mit dieser Reserve gelingt es dem Comet, den Pegel verlustlos zu verschieben. Doch die Kalifornier haben dem Altera noch ganz andere Kunststücke beigebracht. Der erfahrene Highender nickt nun erwartungsvoll, denn zusammen mit Donald Mose und anderen Wadia-Größen hat Kinne ja eine ganze Reihe von extrem schlauen Decodieralgorithmen entwickelt. Etwa den in US-Patent 5532950 von 1996 beschriebenen, der unter Einsatz eines "neuronalen Netzwerks" zum dynamisch-wechselnden Einsatz von Wellen- beziehungsweise Impuls-optimierten Digitalfiltern führt.

Messlabor

© Audio

Für CD-Verhältnisse gibt es an den Frequenzgängen des Comet nichts auszusetzen. Der Frequenzgang-Rolloff passt zu sehr vielen digitalen Aufnahmen. Für höhere Abtastraten fehlen der getesteten Version aber noch entsprechend hochfrequentere Filter.

Ergo brannte das AUDIO-Labor nur darauf, von dem Exogal die jüngsten der neuesten Rechentricks zu erfahren, mit denen zwischen den Signal-Punktwerten der Digitaltechnik interpoliert und unter weisen Einschätzungen auf die Aufnahmesituation zurückgeschlossen werden kann. Nach den AUDIO-Erkenntnissen müssen die Kalifornier aber auf ihrem Digital-Forschungsweg durch den gekrümmten Raum wieder relativ nahe am Ausgangsort zurückgekehrt sein.

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Ein verräterisches Vor-Ringing, also ein Filter-Zittern schon vor der Ankunft eines Impulses, versuchten die Männer um Kinne relativ tapfer zu vermeiden. Ansonsten konnten die Techniker dem Wandler einverleiben, was sie wollten: Sinusse, Rechtecksignale, spitzige Sägezähne oder "unpredictable" Signaldurcheinander von sogenanntem "Rosa Rauschen" - Mister Exogal wandte stets das gleiche Einmaleins und die gleichen Rechenregeln an. Ergo solche, die auf eine unter Umständen verwirrende Komplexität verzichten und sich - vorläufig! - auf ein neu ergründetes Höroptimum stützen. Dazu zählt ganz offenbar auch der Höhen-Rolloff im Frequenzgang.

Messlabor

© Audio

Auf jeden Fall glänzt der Exogal jetzt schon mit sehr guten Rauschabständen, einem ansprechend harmonischen Klirrverlauf und mit geringem Jitter.

Exogal Comet: Anschlüsse

Das geht für CD und 44,1 Kilohertz in Ordnung. Die Tatsache, dass der Frequenzgang im Moment bei den höheren Taktraten von 96 und 192 Kilohertz nicht in der Nähe der theoretisch erlaubten halben Taktfrequenz, sondern ebenfalls in den gleichen tiefen CD-Hemisphären endet, bedeutet aber ein Kuriosum. Gut, dass Exogal in Bälde nicht nur eine Streamer-Zusatzplatine, sondern auch neue Software offeriert, die vier zusätzliche und sicherlich auch hochfrequentere Filtercharakteristiken mitbringt. Mit diesem Wissen im Hinterkopf lässt es sich wieder genießen. Etwa, dass der Wandler die Daten nicht nur über einen koaxialen (24 Bit / 192 Kilohertz) und einen optischen Digitaleingang (bis 96 Kilohertz), sondern in allen Spielarten auch über eine XLR-Buchse (Studio-Standard) und über eine Labor-Bajonett-Buchse akzeptiert.

Für den asynchronen - praktisch auf Jitterfreiheit abgestimmten - Verkehr mit PC und dergleichen hat Exogal nicht nur einen USB-, sondern auch HDMI-Kontakte für zukünftige Anwendungen vorgesehen. Last but not least steht auch ein analoger Line-Eingang zur Verfügung - während der Multi-Digitalreceiver (PCM 9211 von TI) des Exogal nebenbei eine entsprechende A/D-Wandlung vornehmen kann.

Exogal Comet

© Julian Bauer

Auf dem Sprung: Bei den kommenden Versionen wird Exogal sicher auch die Trigger-Out-Aussparung mit einer Buchse bestücken. Die Versorgung über ein externes Stecker-Schaltnetzteil wird aber bleiben. So klingt es nach Aussage des Herstellers am besten.

Digital-Analog konvertiert der Exogal für die koaxialen und XLR-Line-Outs separat mit einem Profi-Vierfach-DAC des Typs PCM 4104. Dieser besitzt für alle vier Kanäle extra rauscharme differentielle Ausgänge und überdies gleich eingebaute Strom-Spannungs-Umformer, so dass sich Exogal entsprechende Folgestufen sparen kann. Nach der Zusammenfassung der analogen 4104-Pole (bei der Musiksignale netterweise einen höheren Wert liefern als das zufällige Rauschen) folgen sechs kräftige integrierte, fünfbeinige Verstärker, die selbst kritische Abnehmer und längste Anschlusskabel mit links ernähren.

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Schließlich arbeitet der Kopfhörer-Klinkenbuchse ein eigener DAC und ein Ausgangs-Amp zu. Rolloff hin oder her, dass er auf jeden Fall eine günstige Basis bietet, gelang dem Exogal mühelos zu beweisen. Seine Darbietungen bestachen in erster Linie durch eine überlegene Ruhe. Wenn bei minderen Wandlern da etwas zingerte, da etwas zerfte und da etwas wackelte, bewahrte der Kalifornier in jedem Moment souveränen Gleichmut und überlegene Beständigkeit.

Exogal Comet

© Julian Bauer

Auf rechten Bahnen: Der Altera-Prozessor rechnet aberwitzig schnell und genau. Um ihn vor Jitter-Wackeleien zu bewahren, nimmt der Comet die Daten sämtlicher Eingänge mit einem Zwischenspeicher an, der ein super-sauberes Reclocking erlaubt.

Exogal Comet: Hörtest

Insofern tendierte er auch zur Darstellung relativ überschaubarer Räume, doch diese zeichneten sich dafür durch Unverrückbarkeit des akustischen Mobiliars und durch umso genauere Abbildungen aus. So gelang es ihm mit diesen Mitteln mit Leichtigkeit, den eigentlich ganz famosen DAC 200 von Atoll vom Wertungstisch zu drängen. Der Bretone agierte zwar quirliger, aber im direkten Vergleich fast schon zu unwirsch-rustikal. Und wenn ihm ganz oben - schon bei der CD-Wiedergabe ganz klar hörbar - ein wenig die Luft ausging, beeindruckte der Comet trotzdem mit seiner Stimmenwiedergabe.

Ob eine Vienna Teng bei "Inland Territory" oder eine Lizzy Plapinger von MSMR ("Secondhand Rapture"): Der Exogal stellte die Damen besonders vertrauenserweckend, mit dem richtigen Quantum Brust und Nachdruck, zum Umarmen lieblich dar. Bei anderen Wandlern traten die Tester - in Gedanken - jedoch zurück, selbst beim fantastischen Auralic Vega. Doch lange nützte dem Cometen seine Wärme nichts. Denn der Auralic bot - und mit höherer Abtastrate zunehmend - mehr Panorama, mehr Glanz, mehr Strahlung, einfach mehr Musik. Mit "Just A Little Lovin" von Shelby Lynne in HiRes sprach sich zuletzt auch eine Stimme - fröhlicher, frischer, packender - entschieden für den Vega aus. Bei dem derzeitigen Comet gilt es also nach uraltem Brauch noch einen Wunsch auszusprechen: dass bald eine neue Exogal-Software über den Atlantik kommt.

 

Download: Steckbrief Comet Exogal

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