Smartphone

Fairphone 2 im Test

Fairphone bringt sein zweites Smartphone auf den Markt, das für einen faireren Umgang mit Menschen und Ressourcen stehen soll. Wir haben dem Modul-Telefon Fairphone 2 im Test unter die Haube geschaut.

Fairphone FP2

© Fairphone

Fairphone 2

Pro

  • nachhaltiges Gerätekonzept
  • praktischer Modularaufbau
  • transparenter Umgang mit Kosten und Lieferanten
  • helles Display mit Full-HD-Auflösung
  • gute Ausstattung
  • 23 GB interner Speicher
  • Speicherslot und wechselbarer Akku

Contra

  • hoher Preis
  • hohes Gewicht
  • Gehäuseoptik
  • schwacher GSM-Empfang
  • Kameras mit schlechter Bildqualität

Fazit

connect-Testurteil: gut (382 von 500 Punkten)
76,4%

Der Ansatz ist wirklich verheißungsvoll und sprüht nur so vor Idealismus. Dort die Smartphone-Industrie, die ohne Rücksicht den Planeten und seine Bewohner ausbeutet, hier das kleine niederländische Unternehmen Fairphone, das zumindest versucht, ein Smartphone mit teils nachhaltigen Werten zu produzieren und zudem eine transparente Kostenaufschlüsselung für sein Telefon veröffentlicht. Klarer Fall, dass wir die neueste Generation des selbst ernannten Öko-Telefons im Test genauer unter die Lupe nehmen.

Kein Schönheitspreis

Satte 520 Euro ruft Fairphone für sein jüngstes Produkt auf - damit kostet es etwa 200 Euro mehr als der Vorgänger und kaum weniger als ein Samsung Galaxy S7. Doch was den Käufer erwartet, wenn er die schicke Verpackung öffnet, ist trotz des hohen Preises erst einmal enttäuschend. Das Fairphone 2 darf sich unserer Meinung nach den zweifelhaften Titel des aktuell hässlichsten Smartphones ans Kunststoffrevers heften.

Dafür sorgt vor allem das unattraktive, langweilig gestylte Backcover, das in den Farben Blau, Schwarz oder in einer transparenten Variante erhältlich ist, aber weder optisch noch haptisch überzeugen kann. Die eigentlich recht schlanke Geräteeinheit ist pummelig und schwer verpackt - die Bauhöhe beträgt im Maximum zwölf Millimeter, die Waage zeigt satte 173 Gramm Gewicht an.

Gummirand schützt bei Stürzen

Clever ist hingegen der an das Backcover angebrachte Gummirand des ohnehin sehr stabilen Kunststoffgehäuses. Dieser umschließt die bei einem Sturz besonders gefährdeten Seiten des 5 Zoll großen Full-HD-Displays und unterstützt so auch die Schutzfunktion der Gorilla-Glas-3-Abdeckung zusätzlich an ihren anfälligsten Punkten. Da Fairphone "Nachhaltigkeit" ja auch über einen möglichst langen Nutzungszeitraum des Smartphones definiert, ist dies sicherlich ein gelungener Ansatz.

Clevere Modulbauweise

Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Modulbauweise des Fairphone 2, das mit Display, Akku, Backcover sowie Core-, Kamera-, Bottom- und Top-Modul aus sieben Hauptelementen besteht. Die lassen sich allesamt einzeln im Ersatzteilshop von Fairphone nachkaufen. Geht also mal was kaputt, kann man das entsprechende Modul einfach ersetzen.

Fairphone FP2 Modulbauweise

© Fairphone

Fairphone FP2 Modulbauweise

Das haben wir im Test natürlich gleich ausprobiert - und waren begeistert, wie einfach ein Tausch von Komponenten zu bewerkstelligen ist. Um etwa das Display zu wechseln, genügt es, das Backcover zu entfernen, zwei blaue Verriegelungen im unteren Gerätebereich zu lösen, das Display vom Korpus abzuziehen und das neue aufzusetzen. Do it yourself zu überschaubaren Kosten: Die Displayeinheit kostet im Ersatzteilshop von Fairphone gerade mal 84,29 Euro plus Versand. Um die restlichen Telefonelemente zu entfernen, braucht man lediglich einen Schraubendreher - in wenigen Minuten ist das Fairphone 2 damit auch von einem Techniklaien komplett zerlegt. Ein weiterer Vorteil der Modulbauweise: Damit ließe sich ein Smartphone zukunftssicher machen. So könnten Mobilfunkfans etwa das Kameramodul oder die Displayeinheit durch bessere Varianten ersetzen. Das ist im Shop zwar noch kein Thema - aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden.

Oldie but Goldie

Technisch greift Fairphone auf eine etwas betagte, aber performante Qualcomm-Plattform mit dem Namen MSM8974AB zurück. Deren Quad-Core-CPU kann mit einer Taktung von bis zu 2,3 GHz und einem Arbeitsspeicher von 2 GB aufwarten. Der frei verfügbare Nutzerspeicher fasst üppige 24,5 GB. Auch bei den Verbindungsstandards weiß das Fairphone 2 mit LTE Cat.4, schnellem ac-WLAN und Dual-SIM-Funktion zu gefallen. Dies gilt leider nicht für die alte Android-5.1-Version. Darüber wurde die Fairphone-OS-Version 1.5.1 gestülpt, die bis auf wenige Funktionen der nativen Benutzeroberfläche von Android entspricht.

App Drawer und SIM-Karten Einstellungsmenü

© Screenshot WEKA / connect

Ein Wisch nach links auf der Home- Ebene öffnet den App-Drawer. Der zeigt die letzten und meistgenutzten Apps an (links). Im Einstellungsmenü lassen sich die Funktionen für Daten, Telefonie und SMS den einzelnen SIM-Karten zuordnen (rechts).

Die restliche Ausstattung ist mit einem UKW-Radio und einer eigenen Taste für die 8-Megapixel-Kamera ebenfalls schnell abgehakt. Letztere ist leider ein trauriges Kapitel, denn selbst bei guten Lichtverhältnissen gelangen uns im Test keine guten Aufnahmen. Über Selfies braucht man sich angesichts der 2-Megapixel-Kamera auf der Front auch keine Gedanken zu machen.

Eine Überlegung wert?

Die in unserem Labor gemessenen Ausdauerwerte liegen dagegen im grünen Bereich, ebenfalls die Akustik und der Empfang für UMTS und LTE. Der GSM-Empfang ist aber recht schwach und könnte im ländlichen Bereich doch hin und wieder Probleme bereiten.

Fazit

In der Summe erreicht das Fairphone 2 die Verbalnote "gut" im Test. Technisch ist das Smartphone jedoch überholt. Wer allerdings das lobenswerte Engagement von Fairphone unterstützen möchte und ein robustes Telefon mit Charakter sucht, der wird hier fündig.

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