Standlautsprecher

Franco Serblin Ktema im Test

Bei allem italienischen Sinn für die Optik entwickelt Franco Serblin sehr bodenständig - die Schallausbreitung seiner Standbox Ktema ist schlicht revolutionär.

Franco Serblin Ktema

© Hersteller/Archiv

Franco Serblin Ktema

Pro

  • revolutionäres Abstrahlkonzept
  • dynamisch sehr ansprechender Klang
  • holografisch genaue Projektion

Contra

Der nüchterne Begriff "Box" passt auf wenige Lautsprecher so wenig wie auf die Kreationen des italienischen Entwicklers Franco Serblin. Er spielt mit Rundungen, mit Materialien wie Metall, er zitiert die Formsprache von Streichinstrumenten, legt Wert auf allerhöchste Qualität bei Verarbeitung und Lackierung.

Doch Serblins Standlautsprecher Ktema sollte nicht als Design-Objekt missverstanden werden: Die ungewöhnliche Formgebung ist Teil eines ausgeklügelten akustischen Konzepts, welches nicht nur das Gehäuseinnere optimiert, sondern auch die Schallabstrahlung in den Raum.

Franco Serblin Ktema: Aufbau

Die Grundform mag uns rätselhaft erscheinen. Und doch entspringt sie einem seriösen Ingenieursansatz. Wenn man jede Wand für sich betrachtet, erinnert sie an die gebogene Form eines Staudammes. Dies stabilisiert die Wände, immunisiert sie gegenüber Resonanzen im Material, wirkt aber auch positiv auf das Luftvolumen, das der Lautsprecher umschließt. Die drei gebogenen Schalen der Ktema vermeiden parallele Wände und verhindern so stehende Wellen; zwischen Boden und Deckel wirken eingezogene Verstrebungen. 

Die Bässe im Franco Serblin Ktema

© Hersteller / Archiv

Die Bässe arbeiten auf zwei Reflexrohre, alle vier wiederum auf eine definierte Druckkammer. Der Schall tritt hauptsächlich seitlich aus.

Noch ein praktischer Aspekt wirkte auf die Form ein: Lautsprecher mit großen Basschassis, in diesem Falle zwei 9-Zoller, sind in Tiefbass und Dynamik einfach überlegen. Doch baut man eine Schallwand so breit, dass sie diese Woofer aufnimmt, bekommt man automatisch im Mittelhochton Probleme mit Kantenreflexionen und eine Bündelung in Halbraumcharakteristik, die im Raum nachteilig sein kann. Deshalb verbannte Meister Serblin die beiden Boliden auf die Rückseite und konnte so an der Front das Ideal einer säulenförmig schmalen Box realisieren, welche die beiden nur zehn Zentimeter kleinen Mitteltöner und die 28 Millimeter große Seidenkalotte in einer eigenen, massiven Aluminium-Schallwand aufnimmt.

Kaufberatung: Zwölf Standlautsprecher im Test

Doch auch eine schmale Schallwand weist Nachteile auf: Speziell im Mittelton ist die Schallabstrahlung zu breit, annähernd kugelförmig, weshalb solche Boxen im realen Raum oft zu massig und dunkel klingen. Serblin ersann deshalb eine seitliche Öffnung neben den Mitteltönern, die über einen akustischen Fließwiderstand und den rückwärtig abgestrahlten Schall gezielt phasenverschobene Signale erzeugt und so eine Bündelung des Mitteltöners erreicht, ohne dass hierfür Hörner, Schallführungen & Co. ins Geschehen eingreifen müssten.

Zugleich wird eine der beiden baugleichen Konen mit Grundton-, eine mit Mittelton-Signalen beschickt. Damit spielt die Ktema im ortungsrelevanten Bereich praktisch wie ein Zweiwege-Mini-Monitor und nähert sich dem Ideal der Punktschallquelle an. Damit nicht genug: Im Bass strahlen herkömmliche Boxen den Schall immer kugelförmig ab, in realen Räumen dröhnt es dann oft. Die Ktema richtet den Tiefton nicht selbst, sorgt jedoch mit der rückwärtigen Druckkammer und der maximal in Höhe und Breite ausgedehnten Schallabstrahlung für eine gleichmäßige Anregung des Raums und damit eine effektive Unterdrückung der Resonanzen.

feinste Bauteile im Franco Serblin Ktema

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Es versteht sich von selbst, dass nur feinste Bauteile zum Einsatz kommen. Pro Box arbeiten ein Pärchen Tieftöner, zwei Mitteltöner und ein Hochtöner. Die Weiche setzt im Signalweg nur Folienkondensatoren ein.

Franco Serblin Ktema: Hörtest

Wegen der verdeckten Tieftöner und der schmalen Schallwand wirkt die Ktema schmächtig - der akustische Eindruck ist das genaue Gegenteil. Das Tieftonfundament in Strawinskys "Sacre du Printemps" (Janssons, RCO) schien überwältigend groß, fast schon einen Tick zu massig. Doch die Ktema wusste ihre Kraft zu beherrschen und steuerte immer mit höchster Präzision durch das komplexe Werk. Mit perfekt ortbaren Instrumenten projizierte sie eine ultimativ holografische, doch auch nicht endlos tiefe Bühne in den Hörraum, die seitlich über die Boxen hinauswuchs und mit atemberaubender Plastizität aufwartete. Dazu gesellte sich eine verschwenderisch weit aufgefächerte Palette an Klangfarben und dynamischen Schattierungen. Die Feinauflösung der Ktema war superb, doch wird nicht jeder die Deutlichkeit mögen, mit der sie serviert wurde.

Eine B&W 800 Diamond tönt gewiss etwas seidiger, eine KEF Blade insgesamt wärmer. Dafür müssen diese beiden hinter dem Timing und der dynamischen Ansprache der Serblin zurückstehen. Chris Jones' "No Sanctuary Here" tönte voll und voluminös, trotzdem federnd leicht, der Hörtest-Klassiker "Tricycle" (Flim & The BB's) offenbarte schon bei normalen Lautstärken einen Spielwitz und rhythmische Schattierungen, die mit anderen Lautsprechern allzu oft in plumpem Geprotze mit Pegel untergehen.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Wer die direkte Dynamik eines Horns schätzt, aber die Nachteile scheut, für den markiert die Ktema eine neue Bestmarke auf der Liste der Alternativen. Eine der Schönsten ist sie ja ohnehin.

Geschichte und Geschichten - Franco Serblin

Tradition

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Tradition: Die Weiche wird per Simulation wie per Gehör optimiert.

Der 72-jährige Italiener aus der norditalienischen Stadt Vicenza hatte schon immer eine Leidenschaft für Musikreproduktion und Holzhandwerk. Doch gelernt hat Dottore Serblin zunächst den Beruf des Zahnarzts. In den 1980er Jahren machte er seine Passion zum Hauptgeschäft und ersann fortan Lautsprecher, die nicht nur klanglich und technisch auf der Höhe der Zeit waren, sondern auch in Design und Verarbeitung neue Maßstäbe setzten. Die italienischen Alten Meister der Geigenbaukunst inspirierten ihn, viele akustische wie handwerkliche Prinzipien schaute sich Serblin bei Stradivari, Guarneri und Co. ab. 2006, als die Manufaktur Sonus Faber zu Weltruhm gelangt war, trennten sich die Wege des Gründers und seines zu stattlicher Größe gereiften Unternehmens. Franco Serblin widmet sich seitdem wieder der akustischen Forschung. Mit seinen neuesten Entwicklungen in der Ktema optimiert er nicht nur die Box, sondern auch deren Interaktion mit dem Hörraum.

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