Testbericht

Fritzbox 6840 LTE im Test

So langsam mausert sich LTE zur echten Alternative zum Festnetz-Internet. AVM bringt die passende Fritzbox auf den Markt. connect hat die Fritzbox 6840 LTE ausführlich getestet.

  1. Fritzbox 6840 LTE im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Fritzbox 6840 LTE im Test

© AVM

Fritzbox 6840 LTE im Test
EUR 249,00

Pro

  • unterstützt LTE (LTE-Kategorie-3-Modem)
  • gelungene Ausstattung
  • gehobene Funktionalität

Contra

86,4%

Wir testen die Fritzbox 6840 LTE von AVM. Noch ist der neue Mobilfunkstandard LTE ein Randthema, allerdings eines, dass schnell an Bedeutung gewinnt. Vor allem bei denen, die nicht via DSL oder Kabel Zugang zum schnellen Internet haben, was meist auf dem Lande der Fall ist. Diesen Missstand zu beseitigen war die Intention der Bundesnetzagentur, die den Teilnehmern bei der Frequenzversteigerung die Auflage machte: Bevor LTE in den lukrativen Städten eingeführt werden darf, müssen die weißen Flecken auf dem Land beseitigt sein.

Da wundert es nicht, dass der Ausbau zügig vonstatten geht. Und so springt jetzt auch Router-Spezialist AVM auf den Zug und bringt mit der 6840 LTE eine entsprechende Fritzbox auf den Markt. Um diese unter die Lupe zu nehmen, hat sich connect auf die Suche nach einem LTE-versorgten Fleck gemacht und diesen im zweiten Anlauf in Simmozheim im nördlichen Schwarzwald gefunden.

Auf die Details kommt es an

Damit die Fritzbox Empfang hat, muss sie mit einer SIM-Karte gefüttert werden. Die gibt's bei Abschluss eines LTE-Tarifs, der als Festnetzersatz im Moment meist noch standortgebunden ist; man kann seinen Router also nicht mit auf Reisen nehmen.

Für den Test bekam connect SIM-Karten von Vodafone und 1&1 gestellt. Letztere nutzen ebenfalls das Netz der Düsseldorfer, bieten LTE aber nicht als Option, sondern nur, wenn kein DSL verfügbar ist. Im ersten Schritt suchten wir auf der Netzabdeckungskarte nach einem Standort für den Test, der schnell gefunden war. Laut Webseite sollten 7,2 Mb/s Download möglich sein.

Vor Ort gab es dann lange Gesichter: kein LTE weit und breit. Die Box zeigte im LTE-Informationsmenü keine Werte an. Diese Ausrichtungshilfe ist ein enorm praktisches Feature, sowohl wenn es um die Positionierung der Box und deren eigener Antennen als auch um die Einbindung einer Außenantenne geht. Unser Tipp: Interessenten sollten zusätzlich mit der Hotline Kontakt aufnehmen, die über die LTE-Verfügbarkeit besser informiert ist als die Webseite.

Die Wahl fiel auf Simmozheim, Geburtsstadt von Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger, Erfinder des Gyroskops. Hier hatten wir Erfolg: Die Empfangsqualität der beiden MIMO-Antennen (Multiple Input Multiple Output) der Box lag bei etwa -80 dB, mit der Außenantenne LTE 800 von Funkwerk Dabendorf kamen 10 dB dazu.

antenne funkwerk dabendorf

© Hersteller

Außenstelle: Bei geringer LTE-Signalstärke verbessert die Außenantenne von Funkwerk Dabendorf mit zwei integrierten Richtantennen den Empfang.

Die Außenantenne ist, wie der Name sagt, für den Frequenzbereich um 800 MHz gedacht, der auf dem Land zum Einsatz kommt. Die Box selbst unterstützt auch 2600 MHz, die in Städten genutzt werden. Dass die Außenantenne die Surfgeschwindigkeit nicht weiter steigern konnte, lag an den an sich schon recht guten Empfangsbedingungen. So betrug die maximale Downloadrate knapp 20 Mb/s, wobei der verwendete Tarif "Vodafone LTE Zuhause" maximal 50 Mb/s bietet.

Wichtiger ist der Einsatz von Außenantennen, wenn der der Empfang nicht optimal ist - auch, weil man die Funkwerk-Antennen in die beste Position drehen kann. Interessant war auch zu sehen, dass der Upload manchmal höher lag als der Download. Das liegt mit an dem verwendeten LTE-Tarif, der einen solch hohen Upload überhaupt erst möglich macht. Zudem wird LTE bisher eher selten genutzt, sodass die zur Verfügung stehende Bandbreite in einer Zelle auf nicht allzu viele User verteilt wird. Die Fritzbox selbst ist ein LTE-Kategorie-3-Modem und unterstützt so bis zu 100 Mbit/sDownstream und 50 Mbit/Upstream.

Aller LTE-Anfang ist leicht

Die Inbetriebnahme gestaltete sich denkbar einfach: SIM-Karte einlegen, auf der Weboberfläche der Box die entsprechende PIN eingeben und nach etwa einer halben Minute kann es losgehen.

fritz box lte

© connect

Ja, bin ich denn schon drin? LTEAnbieter wie 1&1, Vodafone, O2 und die Telekom sind bereits in der Box vorkonfiguriert.

Abgesehen von der Verbindung via LTE gibt es für die Box wenig, was ihre Aufgaben und Möglichkeiten von DSL- oder Kabelzugängen unterscheidet. So kann der Nutzer auch bei der 6840 LTE auf bekannte Funktionen zurückgreifen; darunter auch Dual-Band-WLAN, das sowohl auf 2,4 als auch 5 GHz funkt, jedoch nicht parallel nutzbar ist.

Der Vorteil der höheren Frequenz gegenüber der niedrigeren ist die geringere Fehleranfälligkeit, da der Frequenzbereich eher selten eingesetzt wird. Allerdings ist die Reichweite geringer, sodass es in jedem Fall auszuprobieren gilt, welche Variante die bessere ist. Wie auch immer gefunkt wird, die dazu genutzte WLAN-Antenne sitzt auf der Box zwischen den beiden LTE-Antennen.

Telefon und Fax inklusive

Der doppelte Funkverkehr wird zum dreifachen, sobald die DECT-Funktion der Box ins Spiel kommt. Denn im Bund mit einem Schnurlostelefon zeigt die 6840 auch mannigfaltige Telefonie-Talente. Alternativ lässt sich ein schnurgebundenes Telefon nebst Faxgerät direkt an der Box betreiben, der mitgelieferte TAE-Adapter wird dazu einfach in die entsprechende Buchse an der Box gesteckt. Für den Faxempfang ist aber auch ein Empfänger integriert, der einen separaten Fernkopierer obsolet macht.

Beim Thema Telefonie läuft bei LTE aber noch nicht alles rund: Externe VoIP-Provider wie Sipgate lassen sich zwar problemlos einrichten. Der entsprechend unterstützte Sprachcodec G.722 sorgt dafür, dass dies in HD-Qualität wie bei HDVoice im Mobilfunk möglich ist. Möchte man aber direkt über den jeweiligen LTE-Provider telefonieren, wird es derzeit noch schwierig bis unmöglich.

Bei Vodafone benötigt man beispielsweise ein Sprachkennwort, das nicht bekannt ist und auch nicht von Vodafone herausgegeben wird. Hintergrund ist der, dass Vodafone sein LTE-Paket inklusive vorkonfiguriertem Modem und Router ausliefert, über das sich dann auch telefonieren lässt. Zwar kursieren in diversen Foren Tricks, dieses Kennwort auszulesen, komfortabel ist jedoch etwas anders.

Bei 1&1 ist derzeit keine Telefonie über LTE möglich, stattdessen werden Handy SIM-Karten mitgeliefert, O2 bietet derzeit gar keine Telefonie, und bei der Telekom wird über das normale Festnetz geplaudert. Dass wohl auch AVM davon ausgeht, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, sieht man an den schon integrierten Voreinstellungen, beispielsweise für die Eingabe eines Sprachkennworts.

Mit einem angemeldeten DECT-Mobilteil lassen sich auch Komfortfunktionen nutzen, so kann man etwa über Zahlencodes das WLAN ein- und ausschalten. Die AVM-eigenen Mobilteile wie das MT-F bieten natürlich weitergehende Möglichkeiten. So lässt sich das Mobilteil auch als Webradio nutzen, was für die Küche zwischendurch durchaus akzeptabel ist. Für den Einsatz der Fritzbox als Basisstation sprechen weitere Features, beispielsweise die vielen Möglichkeiten, Anrufe zu filtern - sei es über Blacklists von Rufnummern, die gar nicht erst durchgestellt werden sollen, oder mit einer Klingelsperre, die für störungsfreie Nachtruhe sorgt.

Praktisch ist auch die Weiterleitung unerwünschter Anrufer an einen Spam-Anrufbeantworter: Dieser ist einer von fünf Anrufbeantwortern, die sich einrichten lassen, was natürlich erst richtig Sinn macht, wenn man mehrere Rufnummern besitzt. Die Fritzbox selbst ist von Haus aus dazu fähig, drei parallele Gespräche zu führen.

Die Kapazität des Anrufbeantworters geriet, anders als bei manch älterer Fritzbox, sehr üppig - maximal 2 Stunden und 20 Minuten fasst dieser insgesamt. So dürfte man selten in die Verlegenheit kommen, diesen Speicher mit einem am USB-Port angedockten Stick erweitern zu müssen - was aber möglich wäre.

Gewohnte Vorzüge der Fritzbox

Abgesehen von der bislang noch etwas schwierigen Telefonie profitiert man in jedem Fall von anderen Möglichkeiten der Box: So bietet sie beispielsweise vier Gigabit-Ethernet-Anschlüsse, eine LAN1-Funktion, mit der die Box auch ohne eigenen Internetzugang via LTE-Modem betrieben werden kann, ist bislang nicht implementiert, soll aber laut AVM im nächsten halben Jahr via Firmware-Update folgen.

fritz box lte

© Archiv

Auf Empfang: Dank der Ausrichtungshilfe lässt sich der Empfang optimieren, die dB-Werte geben die Signalqualität an.

Drahtlos geht es via WLAN-n und damit mit maximal 300 Mbit/s ins Netz. Apropos Netz: Die Fritzbox ist nicht nur Gateway ins Internet, sondern kann auch als Schaltzentrale im Heimnetzwerk fungieren. So erlaubt die Box den Zugriff auf Datenträger, die via USB an die Box angeschlossen sind, über ihre NAS-Funktion. Ob netzwerkfähiger Fernseher, Tablet oder Computer - alle Geräte können so auf Fotos, Musik, Videos oder sonstige Daten zugreifen.

Spezialität Fernzugriff

Außerhalb des Heimnetzes ist es ebenfalls möglich, auf die Box zuzugreifen - dynamische DNS-Services wie etwa der von DynDNS lassen sich problemlos konfigurieren, auch Fernzugänge über VPN sind möglich.

Allerdings ist auch hier eine Eigenheit von LTE zu beachten: So ist es von Anbieter zu Anbieter und von Tarif zu Tarif unterschiedlich, ob man überhaupt eine nach außen sichtbare IP-Adresse zugewiesen bekommt. Ist dies nicht der Fall, ist auch der Zugriff nicht möglich. Bei Tarifen inklusive Sprachoption sollte dies jedoch der Fall sein, denn schließlich möchte das Telefon ja von außen erreichbar sein.

Die Fritzbox selbst ist über den Webbrowser nach Eingabe von fritz.box erreichbar. Die Konfiguration ist trotz in die Tiefe gehender Funktionen recht leicht. Dafür sorgt allein schon der Umstand, dass AVM eine deutsche Firma ist und man sich somit nicht mit abenteuerlichen Übersetzungen herumschlagen muss. Das Handbuch selbst ist lediglich in PDF-Form erhältlich - auch hier profitiert man von verständlichen Erklärungen.

Fazit

Viel lässt sich an der Fritzbox 6840 LTE nicht aussetzen, einzig die fehlende Unterstützung des 1800-MHz-Bandes dürfte sie als Alternative zum Festnetz in manchen Städten ausschließen. Doch dies in zukünftige Inkarnationen der Box zu integrieren, dürfte für die Berliner Firma kein Problem sein.

Die bestehenden Probleme, beispielsweise im Bereich Telefonie, kann man nicht AVM anlasten, hier müssen die LTE-Anbieter nachbessern - die Fritzbox jedenfalls ist auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Möglich, dass die Box in Zukunft ähnlich wie beim 1&1-Angebot auch bei anderen Providern als optionale Variante bei Vertragsabschluss angeboten wird. Im Moment macht die Box bei den schon mit eigener Hardware ausgestatteten Paketen wenig Sinn, zumal der vergleichweise hohe Preis von 330 Euro sie nicht unbedingt zur Zweitbox prädestiniert. Eins steht jedenfalls fest: AVM kann auch LTE - und das inklusive gehobener Funktionalität. Das dürfte auch die Netzbetreiber interessieren.

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