Aktivbox

Genelec 8240 APM im Test

Das Design der Genelec 8240 APM mag Geschmackssache sein. Doch die Gehäusekonstruktion aus Aluminium ist gut durchdacht. Wir haben die Aktivbox getestet.

Genelec 8240 APM

© J. Bauer, Archiv

Genelec 8240 APM

Pro

  • hochauflösender und extrem neutraler Klang
  • ideal für lange Hörsitzungen

Contra

  • Basspegel sind begrenzt

Fazit

Die 8240 genießt bei Profis einen exzellenten Ruf. Ich wüsste - außer geschmacklichen Nuancen - keinen Grund, warum man diese extrem klangstarke Box nicht auch privat nutzen sollte. Ihre Neutralität und Anpassungsfähigkeit sind einfach grandios. Die Einmessung ist das Sahnehäubchen obendrauf.

Die Form der 8240 von Genelec muss man nicht mögen, doch im Studiobereich sind solche Faktoren zweitrangig. Für Profis zählt der Klang, und der wiederum, das werden auch High-Ender nicht bestreiten, wird von der akustischen Qualität bestimmt, nicht von der Optik.

Entsprechend überschaubar sind die Wahlmöglichkeiten, die der finnische Hersteller seinen Kunden lässt. Dunkelgrau ist die Standardfarbe, die im Zweifel zu jeder Umgebung passt und keine störenden Lichtreflexe erzeugt. Alternativ steht ein freundliches Mattweiß zur Verfügung, das der Kompaktbox ausgesprochen gut steht.

Holzoberflächen sind weder für Geld noch gute Worte verfügbar, und dieser Aspekt bringt uns zu einem der wesentlichen Konstruktionsmerkmale: Die Gehäuse bestehen aus Gussaluminium und haben eine verspielt wirkende, tatsächlich aber hochgradig durchdachte und klangfördernde Form. Die Bauweise reduziert stehende Wellen im Inneren wie auch Kanteneffekte, was der Neutralität und der räumlichen Abbildung sehr zugute kommt.

Ein weiterer Vorteil von Aluminium sind geringere Wandstärken als bei Holzgehäusen, die zu einem höheren Nettovolumen führen und dem Basstreiber zu einer tieferen Einbauresonanz verhelfen. Im AUDIO-Messlabor erzielte die 8240 eine untere Grenzfrequenz von 41 Hertz. Passivboxen erreichen einen derart ausgedehnten Bassbereich nur mit deutlich größeren Gehäusevolumina.

Die beiden selbstredend sehr hochwertigen Chassis werden von der digitalen Frequenzweiche bei hohen 3 Kilohertz getrennt, was beide Treiber offensichtlich bestens verkraften, denn das Rundstrahlverhalten ist auch im Übernahmebereich vorbildlich gleichmäßig. Die beiden Endstufen mit jeweils 90 Watt Ausgangsleistung sind in klassischer A/B-Technik ausgeführt.

Genelec 8240 APM

© J. Bauer, Archiv

Unterhalb der Bassreflexöffnung sind Aufnahmepunkte für Wandhalterungen und Bodenstative eingelassen. Die winzigen roten DIP-Schalter dienen zur Aktivierung der Ortsfilter. Die Buchsen der symmetrischen Eingänge blicken nach unten.

Digitale Frequenzweiche

Die Schwingsysteme werden von Limitern geschützt, die bei einer drohenden Überlastung zuverlässig die Lautstärke begrenzen. Daher steigt bei hohen Pegeln weder der Klirr über Gebühr noch können die Chassis anschlagen oder gar beschädigt werden. Ein Einschreiten der Elektronik (die auch zu hohe Eingangspegel erkennt) wird durch einen Farbwechsel der LED an der Boxenfront angezeigt. Die Absicherung ermöglicht hohe Durchschnittspegel auch bei unbekanntem Musikmaterial.

Genelec 8240 APM

© J. Bauer, Archiv

Dank vielfältiger Ortsfilter und Einmessfunktion weitgehend unabhängig von Akustik und Grenzflächen aufstellbar.

Der Digitaleingang nach AES/EBU-Standard verarbeitet Abtastraten bis zu 192 kHz. Für analoge Signale ist ein Eingang in symmetrischer Ausführung vorhanden. Alle klanglich relevanten Funktionen werden von einem DSP gesteuert. Bereits in der Werkseinstellung (siehe Messlabor-Kasten) liefert die 8240 auffallend lineare Frequenzgänge. Bei grenzflächenferner Aufstellung in einem akustisch vorteilhaften Raum sind keine Anpassungen erforderlich.

Zur Korrektur raumbedingter Klangveränderungen stehen acht Filter zur Verfügung, die alle vorkommenden Standardsituationen abdecken. Die Einstellungen erfolgen über kleine DIP-Schalter, die an der Boxenrückseite versteckt sind. Die Nutzung gestaltet sich etwas fummelig, doch logisch und narrensicher.

Genelec 8240 APM

© J. Bauer, Archiv

Der Zubehörsatz zur Einmessung und Verwaltung der Boxen am PC enthält ein Netzwerk-Interface, ein Messmikrofon sowie diverse Kabel.

Einmessung

Zur individuellen Einmessung ist ein Zubehörpaket erforderlich, welches im wesentlichen aus einem Messmikrofon und einem kleinen Interface besteht. Selbiges wird zwischen Box und einen Rechner (Mac oder PC) geschleift, auf dem zuvor die von Genelec für diesen Zweck entwickelte Steuersoftware installiert wurde. Eingriffe erfolgen nur unterhalb 2 Kilohertz, wo sich Raum und Aufstellung am deutlichsten bemerkbar machen. Um DSP und Endstufen nicht zu überfordern, werden lediglich Spitzen geglättet, Täler bleiben bestehen.

Im letzten Schritt (siehe Screenshot auf der folgenden Seite) wird das Ergebnis sichtbar: Die blaue Kurve zeigt den Frequenzgang am Hörplatz inklusive raumbedingter Veränderungen. Rot werden die vom System ermittelten Korrekturen dargestellt, grün das Ergebnis.

Zusätzlich lassen sich manuelle Korrekturen addieren. Abschließend werden die Einstellungen in der Box gespeichert, Interface und Rechner sind dann zum Betrieb nicht mehr erforderlich.

Genelec 8240 APM

© J. Bauer, Archiv

Bei der Messung der Schalldruckkurven im reflexionsarmen Raum liefert die 8240 in der Werkseinstellung und ohne Einsatz der Ortsfilter ein sehr lineares Ergebnis mit einer leichten Bassbetonung. Im Tiefbass werden, bezogen auf -3 dB, sehr gute 41 Hz erreicht. Im Bass begrenzt der Limiter die Lautstärke auf etwa 95 dB. Oberhalb 200 Hz werden über 100 dB erreicht. Der Klirr liegt besonders in den Mitten niedrig.

Hörtest

Dass die Genelec sehr neutral und vermutlich gut durchhörbar klingen würde, war angesichts ihrer Herkunft zu erwarten, nicht aber wie unaufgeregt dies alles vonstatten ging. Die tatsächlich gigantische Klangfarbentreue wurde ganz ohne erhobenen Zeigefinger dargeboten und wer bislang immer dachte, neutral abgestimmte Schallwandler müssten zwangsweise steril klingen, darf seine Denkschubladen nach dem Kontakt mit dieser Box neu sortieren.

Es war immer wieder faszinierend, mit welch überraschender Kraft und Sattheit die durchaus noch zierlich zu nennende Aktivbox kernigste Gitarrenriffs in den Raum warf und gleichzeitig penibel einzelne Linien differenzieren konnte, ganz ohne Wummern, Nachhängen oder Verdeckung.

Die entwaffnende Ehrlichkeit der 8240 erzeugte vor allem bei akustisch dominierten Klängen und Hi-Res-Material den Eindruck enormer Klangrichtigkeit. Das feinsinnige "Lose Myself To Loving You" der britischen Sängerin und Gitarristin Joanne Shaw Taylor (in-akustik) perlte nicht nur glockenrein aus den Treibern, sondern klang auch räumlich weit gestaffelt. Dass man als Tester viele Stunden in einem Hörraum verbringt, ist bei dieser Box keine lästige Pflicht, sondern ein Genuss.

Bedenken, die 8240 hätte zu wenig Membranfläche, um den über 30 Quadratmeter großen, gut bedämpften AUDIO- Hörraum angemessen mit Schalldruck zu füllen, erwiesen sich als unbegründet. Gewiss blinkten die LEDs an der Box auch mal kurzzeitig rot, doch wirklich unsauber wurde der Klang nie. Diese Betriebssicherheit ist einer der großen Vorzüge der Aktivtechnik. So dürfen die Boxen ruhig eine Nummer kleiner ausfallen als gewohnt.

 

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