Breitbandlautsprecher

German Physiks Unicorn DSP im Test

Die Unicorn von German Physiks kombiniert vier Basistechnologien. Dank Backloaded Horn und DSP-Technik verbinden sich die vermeintlichen Exoten zu ungewohnt großem Klang.

German Physiks Unicorn DPS

© German Physiks

Gegen einen Aufpreis gibt es die Unicorn DSP auch in echtem Klavierlack in Polyester-Hochglanz. Auf Wunsch schneidert German Physiks auch unterschiedliche Holztöne auf Maß.

Pro

  • außergewöhnlicher Lautsprecher, außergewöhnlich ambitioniert umgesetzt
  • DSP-Feintuning funktioniert perfekt
  • gewaltig in Räumlichkeit und Abbildung

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: Klang: absolute Spitzenklasse, 65 Punkte; Gesamturteil: 86 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Die Unicorn-Lautsprecher von German Physiks sind deutlich sichtbar. Sie haben die Form eines mittleren Kamins. Den könnte man eigentlich in die Wand integrieren. Das verbietet sich hier aber, weil diese Boxen zu aller Last noch viel Platz zum Spielen brauchen. Die begrenzt lebensraumfreundlichen Ausmaße sind den Entwicklern zwar bewusst. Doch es geht nicht anders. So und keinen Kubikzentimeter kleiner müssen die Lautsprecher aussehen, sonst stimmt die Klangphysik nicht.

Man braucht Platz und eine gewisse Portion Mut, will man sie im Wohnraum ausstellen. Doch der Mut wird belohnt, wie wir im Hörtest erfahren. Doch wieviel Mut brauchte der Hersteller für so eine Konstruktion?

German Physiks kombiniert bei der Unicorn vier Basistechnologien, die Kennern den Mund wässrig machen: Rundumstrahler, dazu noch Horn und in der Kür auch ein Breitbänder und Biegewellenwandler. Mehr exotische Bauweisen gibt es nicht in einem Chassis. Die Connaisseure müssten jubeln - doch leider hat jeder der Exoten eben andere Anhänger, ein Breitband-Fan jubelt für gewöhnlich nicht beim Anblick eines Radialstrahlers. Oft ist das Gegenteil der Fall.

Doch der Reihe nach. Das einzige Chassis, das schwingt, thront über der Gesamtkonstruktion. Was so aussieht wie ein stählerner Hut, beherbergt Schwingspule und Magnet. Die Membran selbst besteht aus Karbonfasern und ist nur 0,15 Millimeter dünn. German Physiks hat dem Ganzen das Kürzel "DDD" verpasst. In Würdigung des ursprünglichen Entwicklers und Mathematikers Peter Dick: ein "Dick Dipole Driver". Er ist klassisches Konus-Chassis und Biegewellenwandler in vereinter Form. Oder ganz korrekt: Wir stehen hier vor einem Biegewellenschwinger. Normale Konus-Treiber nutzen möglichst steife Membranen, die als komplette Einheit schwingen. Im Gegensatz dazu soll die Membran eines Biegewellenschwingers möglichst dünn sein, um die unterschiedlichen Frequenzbereiche der trichterförmigen Fläche anregen zu können.

Ein Problem dabei: Wenn die Membran so filigran ist, wie kann sie tiefe Bassimpulse zaubern, die ja in der Regel den Punch eines möglichst harten Materials verlangen?  Die Frage löst German Physiks über beständige Weiterentwicklung. Die aktuelle Generation ist belastbarer und permanent verbessert worden, beispielsweise in puncto Verklebungen, Sicke, Spinne und nicht zuletzt hinsichtlich der Winkel des Trichters. Die Hubfähigkeit ist ausgebaut und lässt noch tiefere Frequenzen zu. Die werden im Falle der Unicorn nach unten abgestrahlt, ab 150 Hertz in eine hornartige Führung. Was wir vorschnell als Kamin bezeichnet haben, ist in Wirklichkeit ein aufwendig berechneter Resonator, komplett unbedämpft, der mitschwingen und die Bassausbeute erhöhen soll.

Minutiös per Mikrofon

Ein besonderes Konzept, das auch eine besondere Ansteuerung braucht. Ganz frisch hat German Physiks die Unicorn deshalb als DSP-Variante aufgelegt. Mitgeliefert wird ein kleines Kästchen, das idealerweise zwischen Vor- und Endstufe eingeschleift wird. So aktiviert, übernimmt es die komplette Feinjustage zum Unicorn-Chassis.

Der Nutzer erhält drei Voreinstellungen: warm, natürlich und analytisch. Damit sind die meisten Anwendungen grob abgedeckt. Wer es feiner mag, sollte über die beste aller Möglichkeiten nachdenken: Auf Wunsch kommt ein Techniker von German Physiks ins Haus und misst die Unicorn minutiös per Mikrofon aus. Der Profi fliegt für den überschaubaren Aufpreis von rund 1000 Euro ein. Je nach Anfahrtsweg - wer etwa in Helgoland lebt, muss mit einer kleinen Extrazahlung rechnen. Die ermittelten Daten lassen sich dann am Windows-Rechner verändern, anheben, ausgleichen. Der Lautsprecher wird faktisch auf das individuelle Wohnumfeld eingemessen. Zum großen Finale erhält der stolze Besitzer nicht nur die perfekte Box im perfekten Raum, sondern die komplette Software hinzu, um eigene Profile feinzutunen.

Dieses Konzept ist brandneu, und stereoplay durfte als erstes Fachmagazin exklusiv vorlauschen. Auch wir haben mit dem DSP-Kästchen experimentiert und den Frequenzgang auf unseren Hörraum feingeschliffen. Das war hochspannend, wie wenige Dezibel den kompletten Klangcharakter eines Lautsprechers verändern können. Glücklicherweise verfügen wir über einen sehr guten, symmetrischen Hörraum, frei von übermäßigen Reflexionen, aber nicht zu trocken für die Unicorn.

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