Testbericht

Gigaset SL370

Mit dem Gigaset SL370 bringt Siemens endlich ein Update seiner Mini-DECT-Reihe. connect hat demLuxus-Telefönchen ganz genau auf und unter die Schale geschaut.

  1. Gigaset SL370
  2. Datenblatt
Siemens Gigaset SL370

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Siemens Gigaset SL370

"Baut Siemens wieder Handys?" entfuhr es einer Reinigungskraft, als sie das neue Luxus-DECT Gigaset SL370 auf dem Redakteursschreibtisch entdeckte. Das kommt nicht von ungefähr: Mit gerade mal 11,5 Zentimetern Länge hat das Schnurlostelefon Handyformat. Auch die Ausstattung hat mehr mit den Mobilfunkkollegen gemein als mit einem durchschnittlichen DECT.

Stolze Tradition

Kein Wunder, schließlich setzt das SL370 eine stolze Tradition fort: Bei Siemens sind die SL-Modelle seit jeher die Königsklasse in Sachen DECT-Telefone - im normalen und im Miniormat. Nachdem schon die großen Vertreter SL550 und SL555 im connect-Test punkten konnten, tritt nun der neueste Telefonzwerg an. Zugegeben, ein Schnäppchen  ist das SL370 für 120 Euro nicht gerade, aber dafür bekommt der Käufer auch Außergewöhnliches geboten. Beispielsweise den Ladesockel aus massivem Metall - ein Hingucker, der sich auch im Designerloft nicht verstecken muss. Die unscheinbare schwarze Basisstation reißt dagegen niemanden vom Hocker und kann getrost im Schrank verschwinden. Metalloptik findet sich auch im Rahmen des Mobilteils wieder - doch die ist nur schöner Schein und entpuppt sich bei näherem Hinsehen als  Kunststoff.

Schwache Tastatur

Spalter

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Spalter: Zwischen den Tasten ist ein Hauch zu viel Platz. Zudem wackeln die Drücker leicht - der einzige Schwachpunkt der sonst guten Verarbeitung.

Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist die Tastatur: Die Gummidrücker haben Spiel und lassen sich nach oben und unten bewegen - das hinterlässt nicht gerade einen hochwertigen Eindruck. Für sehschwache Zeitgenossen sind die Tasten aufgrund der geringen Fläche ebenfalls nicht zu empfehlen - aber für diese Zielgruppe ist das Telefon qua seiner Größe auch nicht konzipiert. Das war's dann aber auch fast schon mit der Kritik, denn allein die Featureliste zeigt, dass sich die Siemens-Entwickler bei diesem Modell nahezu ungehemmt austoben durften, ohne gleich vom Controlling eingebremst zu werden.

Pralle Ausstattung

Nachtruhe

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Nachtruhe: Bei den Klingeltoneinstellungen lässt sich eine Zeitspanne festlegen, in der das Telefon nicht klingelt. Das garantiert ungestörten Schlaf.

Das beginnt bei der Bluetooth-Schnittstelle: Über den Kurzstreckenfunk nimmt das Gigaset Kontakt zum PC auf und synchronisiert das Outlook-Adressbuch mit dem Schnurlostelefon. Umständliches Eintippen der neuen Kontakte entfällt also. Auch lassen sich  handelsübliche Bluetooth-Headsets einbuchen - so kann man bequem freihändig telefonieren. Das klappt übrigens auch mit dem hervorragenden Freisprecher, mit dem man sich auch mal ins Wort fallen darf, denn dank Vollduplex-Technik können beide Gesprächspartner gleichzeitig drauflosplappern. 

Aber auch scheinbare Banalitäten wie das Telefonbuch hat Siemens dem Handy angenähert - mit 250 möglichen Einträgen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ: So haben nicht nur Name und  Vorname eigene Felder, auch die  E-Mail-Adresse kann hinterlegt werden. Zudem bewahrt einen das Schnurlose vor vergessenen Geburtstagen, denn diese lassen sich bei jedem Kontakt samt Erinnerung eintragen. Und der Wecker leistet mehr als die meisten Nachttischexemplare: Er macht nicht nur zur eingestellten Zeit Radau, sondern schweigt auf Wunsch am Wochenende. Ebenfalls zur Lärmminderung taugt ein bei Schnurlostelefonen längst überfälliges Feature: Endlich lässt sich einstellen, in welchem Zeitraum das Telefon klingeln darf - so können sich nächtliche Scherzanrufer die Finger wund wählen, während Sie entspannt schlummern.

Wenn Siemens in einem weiteren Entwicklungsschritt festlegbaren VIP-Anrufern trotz Klingelsperre Gehör verschaffen würde, wäre die Funktion perfekt. Auf der anderen Seite ist das SL370 partytauglich: Wer das Mobilteil in der Hosentasche hat, verpasst dank Vibrationsalarm auch beim größten Trubel keinen Anruf.  Aber auch für junge Familien bietet das SL370 Komfort. Denn im Menüpunkt "Extras" verbirgt sich eine Babyruffunktion. Hier kann man eine Geräuschschwelle einstellen, ab der das Telefon automatisch eine voreingestellte Rufnummer wählt. Die kann extern sein oder ein weiteres Mobilteil - bis zu sechs lassen sich an der Basis anmelden, womit man im Handumdrehen eine kleine Telefonanlage aufbauen kann. Mit der sind nicht nur kostenlose Interngespräche möglich, man kann auch Anrufer bequem zu anderen Mobilteilen und damit anderen Familienmitgliedern durchstellen.

Gute Handhabung

Trotz des Ausstattungsfeuerwerks lässt sich das SL370 wie von Siemens gewohnt einfach bedienen. Mit einem Druck auf die Mitte der Navitaste landet man im Menü, das mit Bildchen (Icons) in der ersten Ebene dem Nutzer anschaulich den Weg weist. Dargestellt wird das Ganze auf einem 65536-Farben- Display mit einer Auflösung von 128 x 128 Bildpunkten. Das ist zwar keine neue Messlatte, für ein Schnurlostelefon aber absolut ausreichend. Nur das teilweise etwas träge Menü nervt mitunter.  Praktisch ist die Funktion namens "longpress": Häufig gebrauchte Menüpunkte lassen sich  einer Taste zuordnen und durch längeren Druck auf selbige aufrufen - so kann man beispielsweise im Handumdrehen die SMS-Funktion  anwerfen. Vorbelegt sind Stern- und Raute-Taste: Erstere schaltet den Klingelton ein und aus. Die zweite aktiviert die Tastensperre, die unbeabsichtigte Verbindungen verhindert, die patschige Babyhände oder ein Transport in der Hosentasche auslösen könnten.

Top-Laborwerte

Gute Noten gibt's auch aus der  Testfactory, dem connect-eigenen Messlabor, das neben Handys auch Schnurlostelefonen mit hochpräziser Messtechnik auf den Akku und die Akustik fühlt. Als Kraftwerk dient dem SL370 ein Lithium-Ionen-Akku, der Strom für knapp zwölf Tage im Standby-Modus bereithält. Und mit der Dauergesprächszeit von über zwölf Stunden kommen selbst hart gesottene Plaudertaschen oder Heimarbeiter gut durch den Tag. Ebenfalls vorbildlich: Der Strom- verbrauch des Gesamtsystems (Ladeschale und Basisstation). Während andere DECT-Telefone rund  5 Watt beim Laden des Mobilteils aus der Steckdose zapfen, begnügt sich das SL370 mit genau 1 Watt. Das ist zwar nicht die Welt, in Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Sensibilität in Sachen Umweltschutz aber ein Anfang. Auch an der Akustik gibt's nichts auszusetzen: Klare Verständigung in beiden Richtungen und ein ausgewogenes Klangbild sorgen für Punkte. Damit steht fest: Siemens hat mit dem SL370 ein Schnurlostelefon der Spitzenklasse abgeliefert.

Siemens SL370

HerstellerSiemens
Preis120.00 €
Wertung377.0 Punkte
Testverfahren1.0

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Wer ist die Nummer eins? -

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