Testbericht

Google Nexus 6 im Test

Mit dem Nexus 6 ändert Google seine Smartphone-Strategie radikal: Bisher stand "Nexus" für gute Hardware zum unschlagbaren Preis. Im Test muss das Nexus 6, das ab 600 Euro aufwärts kostet, zeigen, dass es mit diesem Preis Schritt hält.

  1. Google Nexus 6 im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Google Nexus 6

© connect

Google Nexus 6
EUR 479,96

Pro

  • hochauflösendes Display
  • exzellente Funkeigenschaften
  • Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite
  • neueste Android-Version 5
  • schnelle Updates sind garantiert
  • starke Kamera mit Bildstabilisator

Contra

  • keine Kopfhörer mitgeliefert
  • Akkulaufzeit vergleichsweise kurz
  • Speicher nicht erweiterbar
  • Display nicht sehr leuchtstark
85,4%

Angeboten wird das Nexus 6 in zwei Speichervarianten: Die 32-GB-Version, die im Test zum Einsatz kam, kostet im freien Handel 599 Euro, das 64-GB-Modell 649 Euro. Interessanterweise sind beide teurer, wenn man sie direkt bei Google über Google Play kauft: Hier werden für 32 GB 649 Euro fällig, für 64 GB 699 Euro. Damit spielt das neue Google-Phone preislich in einer Liga mit dem iPhone 6 (Test). Kann es auch sonst in der Oberklasse bestehen?

Gehäuse: Aufgepumptes Moto X

Die Anfassqualität kann schon mal nicht mit den Apple-Smartphones mithalten, was vor allem daran liegt, dass die Rückseite nur aus mattem Kunststoff besteht. Dass sich das Nexus 6 trotzdem sehr angenehm anfühlt, liegt vor allem am elegant geschwungenen Metallrahmen, der Vorder- und Rückseite zusammenhält.

Nicht ohne Grund erinnert das Design an das neue Moto X (Test): Das Nexus 6 wird im Auftrag von Google von Motorola gefertigt und als Vorlage diente das Motorola-Flaggschiff. Weil die Rückseite bauchig gewölbt ist, liegt es gut in der Hand - soweit man das bei einem Gerät mit 6-Zoll-Display überhaupt sagen kann. Denn die Einhandbedienung ist bei diesem gewaltigen Brocken, der mit 185 Gramm auch nicht gerade leicht ist, nahezu ausgeschlossen.

Die perfekt eingepassten Tasten auf der rechten Seite stehen stellvertretend für die exzellente Verarbeitung des Smartphones. Sie sind aus Metall gefertigt und haben genau den richtigen Druckpunkt. Das Tüpfelchen auf dem i wäre allerdings eine eine IP-Zertifizierung gewesen, die das Nexus wasserfest macht.

Display: Mit Schwächen

Die Darstellung auf dem 6 Zoll großen Display ist gestochen scharf, weil die Auflösung außerordentlich hoch ist: 2560 x 1440 Pixel schaffen momentan nur das Galaxy Note 4 (Test) und das Galaxy Note Edge (Test) von Samsung und das LG G3 (Test).

Google Nexus 6

© Google

Der geschwungene Metallrahmen und der ringförmige LED-Blitz sind die Markenzeichen des Nexus 6.

Wie Samsung setzt auch Google auf die OLED-Technologie, die starke Kontraste, intensive Farben und weite Betrachtungswinkel ermöglicht. Leider ist die im Nexus 6 verbaute Komponente nicht besonders leuchtstark. Unsere Messung bestätigt, was im Direktvergleich mit anderen Smartphones recht deutlich zu sehen ist: 255 Candela sind selbst für ein OLED-Panel sehr wenig. Das leuchtschwache Display markiert die erste Schwachstelle des Nexus 6.

Speicher: Nicht erweiterbar

Weniger gefallen hat uns auch die Entscheidung von Google, das Nexus 6 ohne Micro-SD-Slot ins Rennen zu schicken. Abhängig von der Speichergröße stehen dem Nutzer maximal 25 oder 57 GB zur Verfügung. Natürlich ist das auf den ersten Blick nicht wenig, aber in Anbetracht des hohen Preises sollte man eine Micro-SD-Option zumindest anbieten. So etwas traut sich sonst nur Apple - aber der iPhone-Hersteller patzt wenigstens nicht beim Display.

Ausstattung: Standesgemäß

Die übrige Ausstattung ist dem Preis angemessen. Die Kombination aus Snapdragon 805 und 3 GB Arbeitsspeicher ist in der Android-Welt gerade State of the Art, etwas Besseres gibt es einfach nicht. Die Performance ist über jeden Zweifel erhaben, Systemaussetzer, Ruckler oder sonstige Verzögerungen haben wir nicht beobachtet, im Gegenteil: Die Oberfläche gleitet immer geschmeidig über den Bildschirm.

Kamera: Ein Nexus mit Top-Cam

Google Nexus 6

© connect

Die Nexus-Modelle waren bisher nicht als Fotokünstler bekannt, doch mit dem Nexus 6 ändert sich das. Die 13-Megapixel-Kamera schießt hervorragende Fotos, die mit Bildschärfe und Detailreichtum überzeugen. Der ringförmige LED-Blitz ist sehr kräftig, neigt aber dazu, Objekte bei zu geringem Abstand überzubelichten.

Zum Glück braucht man den Blitz nicht allzu oft, denn der optische Bildstabilisator sorgt dafür, dass die Fotos auch bei schlechten Lichtverhältnissen nicht verwackeln oder rauschen. Er hilft auch dabei, schnelle Schwenks in Videos zu stabilisieren, die in 4K-Auflösung in den Speicher gebannt werden.

In Sachen Kamera wird dem Käufer also eine Menge geboten. Mit einer Ausnahme: Die Frontkamera ist nur Durchschnitt - wer die häufig nutzt, sollte ein anderes Smartphone wählen, etwa das Desire Eye von HTC.

Software: Android pur

Google hat die Nexus-Serie 2010 vor allem aus zwei Gründen ins Leben gerufen: Der Nutzer sollte die Möglichkeit haben, Android so zu erleben, wie es von Google entwickelt wird, ohne die Anpassungen der Hersteller. Außerdem sollte App-Entwicklern ein Referenzgerät zur Verfügung stehen, auf dem immer die neueste Systemversion installiert ist.

Wer ein Nexus 6 kauft, profitiert also von einem exzellenten Software-Support, der direkt von Google kommt. Es gibt kein Android-Phone, das schneller mit neuen Versionen versorgt wird. Im Gegenzug verzichtet der Nutzer aber auf die vielen Zusatzfunktionen und Oberflächenanpassungen, die Hersteller in das Android-System implementieren. Es fehlen zum Beispiel Sonys spezielle Klangverbesserungen und -profile oder ein sozialer Homescreen wie der Blinkfeed von HTC Sense.

Android pur bedeutet eben auch, dass das System sehr puristisch gehalten ist und ohne Extras kommt. Das meiste, was einem fehlt, kann man aber aus dem Play Store nachladen.

Bedienung: Android 5.0

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle Neuerungen von Android 5 vorzustellen. Google hat das System grundlegend überarbeitet, das Oberflächen-Design ist flacher geworden, das Benachrichtigungssystem wurde verfeinert, neue Sicherheitsfunktionen implementiert.

Viele kleine, aber feine Neuerungen entdeckt man bei einem Streifzug durchs Einstellungsmenü, zum Beispiel die Smart-Lock-Funktion, die die Displaysperre automatisch deaktiviert, wenn sich das Telefon an einem vorher definierten Ort aufhält. Man muss also nicht mehr das Smartphone entsperren, wenn man es zu Hause in die Hand nimmt.

Labormessungen: Toller Empfang, aber kein Marathonläufer

Im connect-Testlabor zeigt das Nexus 6 zunächst auf eine sehr positive Weise, dass ihm das Moto X als Basis dient. Denn genauso wie das Motorola-Flaggschiff ist es mit herausragenden Funkeigenschaften gesegnet: Bestnoten im GSM- und UMTS-Betrieb, in LTE-Netzen 29 von 30 möglichen Punkten - so gut sind momentan nicht einmal eine Handvoll Smartphones.

Der große Schreck kommt dann aber bei den Strommessungen. Mit nur 5:10 Stunden im genormten connect-Nutzungsmix ist das Google-Phone eines der Schlusslichter in der Oberliga, wo der Mittelwert 2014 zwischen sieben und acht Stunden lag. Dauerläufer wie das Ascend Mate 7 von Huawei (Test) halten sogar doppelt so lange durch (10:37 Stunden), das iPhone 6 Plus (Test) und das Galaxy Note 4 (Test) sind mit 10:12 Stunden beziehungsweise 9:23 Stunden dicht dran.

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Woran liegt es? Mit einer Kapazität von 3220 mAh ist der Akku schließlich nicht gerade knapp dimensioniert. Unsere Detailmessungen zeigen, dass der Stromverbrauch bei aktiviertem Display und Prozessor unter Last außerordentlich in die Höhe schnellt: Das Nexus 6 vebraucht dann mehr als dreimal so viel Strom wie das Galaxy Note 4 in der gleichen Situation. Verantwortlich dafür scheint also nicht die hohe Quad-HD-Auflösung zu sein, sondern vor allem eine schlechte Anpassung der Soft- auf die Hardware.

Fazit: Nur für Fans

In Anbetracht des hohen Preises und der Schwächen bei Display und Akkulaufzeit können wir das Nexus 6 nicht empfehlen. Für weniger Geld, bekommt man bei anderen Herstellern mehr geboten. Nur Android-Fans und -Entwickler, die unbedingt immer die neueste Software haben müssen, sollten zugreifen.

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