Vorverstärker

Grandinote Proemio im Test

Eine kleine Manufaktur in der Nähe von Mailand schafft außergewöhnliche Verstärker. Wir haben uns verliebt in eine Vorstufe mit dem schönen Namen Proemio: Ein Röhrenschaltungskonzept trifft auf einen Transistoren-Parcours.

Vorverstärker Grandinote

© Grandinote

Vorverstärker Grandinote

Pro

  • herrlich silbern-samtiger Klang
  • ultra-präzise und unangestrengt

Contra

Fazit

Audio-Klangurteil: 130 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Behauptung: Die großen Ideen hat man in der HiFi-Branche eher abseits der großen Städte. Überraschend viele Hersteller leben und arbeiten in kleinen Populationsansammlungen. Die Liste ist lang. Aus Italien möchte sich ein neuer Name einreihen: Grandinote residiert südlich von Mailand im kleinen Ort Bressana Bottarone. Muss man sich nicht merken. Den Namen des Firmeninhabers und Chefentwicklers hingegen schon: Massimiliano Magri.

Er denkt anders, hat Verstärker-Schaltpläne erst studiert, dann verworfen und schließlich kombiniert: Magri setzt im Kern auf ein Röhrenschaltungskonzept mit klassischen Transistoren. Erst kürzlich jubelte unser Endstufen-Kenner über die beiden Monoblöcke Demone: "Und während die HiFi-Weltpresse diesen oder jenen Tiefton-Pudding schon als Wunderbass feiert, fährt aus dem Demone-Nichts mit unaufhaltsamer Kraft und präziser Bewegung etwas wirklich Dreidimensionales, Greifbares, Wägbares und Urgesundes heraus." Größer kann der Jubel nicht ausfallen. Was sich auch in harten Klangpunkten niederschlug: Die Demone-Blöcke rangieren an der Spitze unserer Referenzklasse. Was uns dazu trieb, endlich auch einmal eine Vorstufe aus dem Hause Grandinote zu hören.

Doppel-Mono-Aufbau

Wir bestellten ein Modell mit dem schönen Namen "Proemio". Das klingt ebenso poetisch, wie die Schaltung ausgelegt ist. Wir lauschen einer Class-A-Konzeption, die ohne Rückkopplung auskommt. Dazu noch ein Doppel-Mono-Aufbau, wie er schöner und stringenter nicht sein könnte. Wer dem Proemio das erste Mal begegnet, verliebt sich regelrecht in die herausragende Verarbeitung. Zudem überrascht uns ein aufgedruckter Fachbegriff auf der Rückseite: "Magnetosolid Amplifiers". Eine Wortschöpfung aus "ferromagnetisch" und "solid". Was auf die Vorteile von Class-A-"Solid-State"-Transistoren und den hauseigenen "Magnetosolid"-Ausgangsstufen anspielen soll.

Grandinote Fernbedienung

© Grandinote

Die passgenaue Fernbedienung kommt im simplen Kunststoff daher – einfach, aber effektiv reduziert.

Wer zum ersten Mal Strom an die Proemio legt und den Einschaltknopf betätigt, der muss eine kleine Gedenkminute einlegen. Die Vorstufe zählt auf ihrem Display langsam von 100 einen Countdown herunter, bis die Arbeitsspannung erreicht ist. Danach darf man staunen. Dieses Klangbild hatten wir nicht erwartet. Das hatte tatsächlich die Aufgeräumtheit von Transistoren-Verstärkern gekoppelt mit dem hellen Samt wirklich guter Röhrenvorstufen.

Hörtest: Karajans Otello als Markstein

Einen ganz kritischen Markstein stellt hier die frühe Otello-Aufnahme von Karajan dar. 1961 rauschte das Band der Decca-Tontechniker noch kräftig, in der aktuellen CD-Version haben die Remastering-Ingenieure das Rauschen erstaunlich gut heruntergefahren, dafür wirken die Höhen etwas matt. Je nach verstärkender Elektronik. Zuerst starteten wir einen Testlauf mit einer konkurrierenden Röhrenvorstufe. Das Ergebnis war schön voluminös, aber nicht ganz frei von Fett und Trägheit - Karajans Otello wirkte pummelig. Dann der Wechsel auf die Grandinote-Vorstufe - und der Himmel ging auf. Da war der ganz feine Umgang mit dynamischen Schattierungen, dazu enorm viel Luft in der Abbildung. Karajans Otello wirkte noch immer wie große Oper, aber deutlich besser ausgestattet mit Muskeln. Allein wie sich die Stimme von Mario del Monaco annäherte, aufschwang, in der Dynamik aus der Boxenachse schnitt - das waren klare Zugewinne, die ebenso klar auf das Konto der Vorstufe gingen. Ein Zauberkästlein.

In der Kurzfassung bisher: Der Proemio hatte die Kraft der präziseren Abbildung, war heller, transparenter - mit allen Vorzügen guter Röhrenschaltungen, ohne Härte - silbern-samtig.

Gerade Gesang profitierte davon. Wieder legten wir eine unserer aktuellen Lieblings-CDs ein: Sara K. singt live "Horse I Used To Ride". Der Mitschnitt von Stockfisch Records ist ein Paradebeispiel dafür, wie viel Atmosphäre und konkrete Musizierkunst man in eine Silberscheibe packen kann. Wenn die Elektronik mitspielt. Dazu braucht es vor allem Tempo. Die angerissenen Saiten müssen plastisch vor den Membranen erscheinen, die Singstimme soll aus der Mitte der Boxenachse tönen. Auf das Timing und die harmonische Staffelung kommt es an. Hier spielte die Proemio auf Weltniveau: Sie zeigte sich extrem schnell, ohne verhuscht zu sein. Jeder Impuls wirkte natürlich, ohne Show.

Stockfisch hat sich auch an einen Superstar gewagt - Tony Christie sang vor den Mikrophonen der Stockfischs. Ein Ritterschlag. Gemeinsam mit der Band Ranagri stimmte Christie alte irische Lieder von der grünen Insel an. Das hat Atmosphäre, Tiefgang und eine überraschende Präsenz an den Lautsprechern.

Grandinote XLR Eingänge

© Grandinote

Dem Konzept der Symmetrie folgt der Proemio auch bei den Anschlüssen. Drei Cinch-Slots stehen drei XLR-Eingängen gegenüber.

Auf die innere Balance der Elektronik kommt es an. Hier spielte die Proemio in der höchsten Klasse. Das hatte in unserem Test ebenso viel Analyse wie Wärme. Da zeigte sich die Spitzenklasse des Aufnahmeteams, da blitzte feines Saitenspiel, da schwang die leise Melancholie in der Singstimme. Ein audiophiles Rundum-glücklich-Erlebnis.

Deshalb statt weiterer Worte eine Zahl: 130 - so viele Punkte vergeben wir. Damit herrscht die Proemio in den höchsten Weihen unserer Bestenliste, in den Spitzenregionen der Referenzklasse. Mit den besten Grüßen aus einem kleinen Dorf bei Mailand.

Fazit

Da gibt es eine ganz natürliche Hemmschwelle: Nicht jeder kauft mal eben eine Vorstufe von einem kaum bekannten italienischen Hersteller, der dafür fast 9.000 Euro haben will. Da mischt sich Misstrauen mit Zaghaftigkeit. Nichts davon ist angebracht, denn diese Vorstufe spielt in der Königsklasse ihrer Bauart. Herrlich fein und luftig löst sie auf, vieles fällt ihr deutlich leichter als der Konkurrenz. Das Schaltungskonzept ist clever, die Verarbeitung passend dazu vom Feinsten.

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