One-Box-Streamingsystem

Harman/Kardon Omni 10 und 20 im Test

Harman/Kardon will uns künftig im ganzen Haus und später sogar im Auto mit HD-Streaming begleiten. Der Test der Harman/Kardon 10 und 20 zeigt, wo die Software des Sonos-Herausforderers noch Schwächen hat. Doch das Klangpotenzial des neuen Omni-Systems lässt aufhorchen.

Harman/Kardon Omni

© Harman/Kardon

Harman/Kardon Omni

Die beiden getesteten Aktiv-Lautsprecher Omni 10 und Omni 20 sind Teil eines allumspannenden Masterplans des amerikanische UE-Riese Harman, der mit der neuen Omni-Serie nicht nur den Multi-Room-Streaming-Trendsetter Sonos angreift. Denn Harman hat einen gewaltigen Trumpf: Aus heutigen Premium-Automobilen wie Audi, BMW oder Mercedes sind die Infotainment-Systeme der mit dem deutschen Car-Audio-Spezialisten Becker verbandelten Amerikaner nicht wegzudenken. Und so ist das Omni-System nur eine Art Speerspitze auf dem Weg zum Ziel, egal wo man sich befindet, seine individuellen Musik-Programme hören beziehungsweise weiterhören zu können.

Integration ins Auto ist vorbereitet

Richtig Fahrt aufnhemen dürfte der Zug, wenn die ersten Autohersteller mit dem nötigen Vorlauf die zu Jahresbeginn auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas präsentierte mobile HD-Streaming-Plattform in ihre Fahrzeuge integriert haben. Dann erfüllt sich auch der persönliche Traum von Michael Mauser. Der Präsident der Lifestyle-Division möchte bald, wenn er zu Hause ankommt, seine Songs und Playlists genau an der Stelle weiterhören, wo er in seinem Auto aufgehört hat. In der gleichen kompromisslosen HD-Qualität von bis zu 24 Bit/96 kHz.

Damit wären wir schon beim ersten theoretischen Vorteil der Sonos-Alternative: Das Omni-System von Harman/Kardon kann diese Auflösung via WLAN verarbeiten. Ein Kabel-Netzwerk wie bei der Konkurrenz gibt es nicht. Dafür aber Bluetooth, das trotz leistungsfähigem Apt-X-Codec klanglich zwar nicht das Maximum aus den beiden Omni-Speakern herausholt, aber deren Einsatzmöglichkeiten gegenüber dem Vorbild deutlich erweitert.

Harman/Kardon Omni 20 und 10

© Harman/Kardon

Omni 20 kann noch lauter als die Einstiegsbox spielen und erzeugt dank doppelter Zwei-Wege-Chassis einen größeren Raumeindruck als das Omini 10, das für eine Mono-Box aber seinserseits auch schon eine üppige Klangwolke schafft (links). Das Omni 10 ist ein Zwei-Wege-Mono-System mit Weichkalottenhochtöner und Passiv-Radiator. Zwei davon lassen sich wie bei Sonos zu einem Stereopaar zusammenschalten (rechts).

Kein Streaming von lokalen Musikarchiven

Allerdings braucht man diese Zuspielvariante momentan auch, um einen gravierenden Nachteil auf der Softwareseite zu kompensieren: Streaming von lokalen Musikarchiven in das Omni-Universum ist nach dem aktuellen Softwarestand überhaupt nicht möglich. So ist derzeit noch der Umweg über einen UPnP-Player auf dem Smartphone und Bluetooth-Streaming zum Omni nötig. Die einzige Betriebsart, die kein dauernd präsentes Tablet oder Phone benötigt, ist nach aktuellem Stand der Bezahl-Streamingdienst Deezer. Da war Sonos schon beim Marktstart vor zehn Jahren deutlich weiter.

Natürlich sollen weitere Dienste und Fähigkeiten per Update nachkommen. Zudem soll eine eigene Developer-Community (developer.harman.com) über eine offene Schnittstelle durch Drittanbieter-Apps den Fortschritt beschleunigen. Dieses Konzept zeigte schließlich schon bei der Squeezebox Wirkung und unterstreicht den ganzheitlichen Ansatz. In einem dritten Step sollen in naher Zukunft sogar Funkkopfhörer ins System einbezogen werden. Hier hat Harman mit AKG oder JBL heiße Eisen im Feuer.

Günstiger Preis, teils verwirrende Bedienschritte

Gegenwärtig macht bereits die erste Begegnung mit Omni klar, dass die tadellos verarbeitete, wohlgerundete Hardware rein klanglich keinen Vergleich zu scheuen braucht. Mit 200 Euro für das als Mono-Lautsprecher ausgelegte Omni 10 respektive 300 Euro für das größere, mit doppelten Zwei-Wege-Systemen bestückte Omni 20 stimmt auch der Preis. Nur die Software fällt trotz einfacher Einrichtung der für iOS oder Android erhältlichen Controller App gegenüber dem großen Vorbild Sonos ab. Die Kritikpunkte reichen von stellenweise verwirrenden Bedienschritten, eingeschränkten Möglichkeiten wie dem Fehlen von Klangreglern und populärer Streamingdienste wie Spotify bis zu winziger Coveranzeige und fummeliger Player-Steuerung, die nicht immer einwandfrei arbeitet.

Omni 10 Harman Sonos

© Harman/kardon

Klanglich überflügelt Harman Sonos auf Anhieb. Das Omni 10 tönt erwachsener als das Play 1. Softwareseitig hat Harman noch reichlich Arbeit vor sich.

Bluetooth-Streaming möglich

Eine Einschränkung teilt sich der Herausforderer mit dem bisherigen Branchenprimus: Wer wie der Autor noch zuhauf kopiergeschützte Titel aus den Änfängen von iTunes auf seinem Smartphone hat, kann diese nicht über das Netzwerk streamen. Doch hier zeigen sich rasch handfeste Hardware-Vorteile von der Harman-Lösung: Omni spielt auch ohne Netzwerk. Mit dem integrierten Player des iPhones lassen sich über Bluetooth selbst Songs mit Kopierschutz streamen. Zudem verfügen beide Omni-Boxen über einen analogen AUX-Eingang. Als weitere Spielart ist sogar eine drahtlose Direktverbindung zu jedem Lautsprecher möglich, die mittels WLAN HD-Streaming mit bis zu 24 Bit/96 kHz erlaubt.

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Keine Frage: Die Hardware hat Potenzial, die Software lässt Raum für Verbesserungen, die jetzt schnell kommen müssen - immerhin ist das Omni bereits im Verkauf. Um als vernetztes Mehrraum-Musiksystem ernstgenommen zu werden, sollte es zumindest Streaming von einem lokalen Netzwerkspeicher beherrschen - sei es via UPnP (wie etwa das Bose SoundTouch-System) oder mit eigener Serverintelligenz und direktem Zugriff auf freigegebene Musikordner a la Sonos oder Raumfeld.

Ausgewogener Klang

Im Hörtest verrichtete abgesehen davon auch die an sich praktische Play/Pause-Taste an den Geräten nur eine Funktion: den Abbruch der Wiedergabe. Die Fortsetzung war dann nur über die App möglich. Jenseits solcher Kinderkrankheiten sprang der Funke über. Schon das kleine Omni 10 verblüffte durch eine sehr ausgewogene, breitbandige Abstimmung.

Harman/Kardon Omni 20

© Harman/kardon

Das Omni 20 besitzt einen AUX-Eingang. Mit dem Netzwerk Adapter (oben) verbindet man die Stereo-Anlage mit dem System.

Wo Mitbewerber anderer Marken grummeln oder ganz kneifen, bot Harman/Kardons minimalistisches One-Box-System mit seinem rückseitigen Passiv-Radiator einen erstaunlich tiefreichenden, dabei konturierten Bass. Auch in Sachen Hochtonauflösung übertraf es sein vergleichsweise dunkel wirkendes Pendant Play 1 von Sonos. Noch etwas deutlicher fiel der Abstand zwischen dem Omni 20 und dem Play 3 aus, das weniger dynamisch, transparent und breitbandig wirkte. Wenn der Klang im Vordergrund steht, ist Harman vom Start weg an der Spitze.

Fazit: Toller Klang, Software eher Beta

Das Omni hinterließ uns gespalten. Der Klang ist absolut top für Klasse, Größe und Preis. Doch mit den Einschränkungen der stellenweise wie eine Beta-Version anmutenden Software konkurriert Omni gegenwärtig eher mit Bluetooth- bzw. WLAN Lautsprechern als mit Multiroom-Systemen vom Schlage eines Sonos. Immerhin: Software lässt sich im Gegensatz zum Klang nachträglich steigern.

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