Testbericht

Heco Statement

Pünktlich zum 60-jährigen Unternehmensjubiläum greifen Chefdenker Shandro Fischer und Entwickler Martin Groß auf Lösungen aus den Gründerjahren zurück.

  1. Heco Statement
  2. Datenblatt
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© Archiv

War es doch damals durchaus üblich, Konus-Chassis nicht in geschlossenen Gehäusen, sondern in hinten geöffneten Konstruktionen unterzubringen. Diese Bauweise wird nun erstmalig in einer modernen Box verwendet, wovon sich die Entwickler eine besonders klare und von Gehäuseresonanzen vollkommen freie Mittenwiedergabe versprechen. Nebenbei können die rückwärtig abgestrahlten Schallanteile, da sie gegenphasig zu den vorderen schwingen, das Abstrahlverhalten linearisieren. Der Aufbau des zentralen Chassis selbst lässt Retro-HiFi-Fans ebenfalls aufhorchen: Die Membran besteht aus einem Papp-Woll-Gemisch, sogenanntem Kraftpapier, und geht in eine beschichtete, mehrfach gefaltete Gewebesicke über. Während die meisten Hersteller auf platzsparendes Neo-dym oder massiges Ferrit als Magnetmaterial setzen, verbaut Heco sogenannte AlNiCo-Antriebe, also eine Legierung aus Eisen, Kupfer, Aluminium, Nickel und Kobalt. Dieses traditionsreiche Material hat den Vorteil, dass es sich unter allen Temperaturverhältnissen praktisch immer gleich verhält, was Kompressionsfreiheit und Dynamik zugute kommen soll.

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© H.Härle, J.Bauer, Hersteller

Die Mitteltonkammer ist als offene Schallwand ausgelegt, was das Abstrahlverhalten beeinflusst. Anschrägung und Bedämpfung verhindern Innenresonanzen.

Back to the roots

Beim Tieftöner ist der Einsatz von AlNiCo dagegen nicht wirtschaftlich, weil das Material empfindlich auf Gegenmagnetfelder reagiert, wie sie bei einer von starken Strömen durchflossenen Tieftönerspule fast immer auftreten können. Mit einer gemischten Konstruktion aus Papiermembran und Kohlefaser-Dustcap sind die beiden 20-Zentimeter-Bässe konventionell aufgebaut, versprechen dafür enorme Auslenkungen und eine tiefe untere Grenzfrequenz. Bis unter 40 Hertz hinunter spielt das Duo nämlich, bevor ein Trio aus rückwärtig angebrachten Bassreflexrohren den Tiefgang auf schier unglaubliche 27 Hertz zieht. Um die Box maßvoll an Hörraum und Geschmack anzupassen, bietet das Tri-Wiring-Terminal mit spezieller Kabelbrücke zwei alternative Eingänge: einmal zur moderaten Anhebung der Höhen, einmal zur Absenkung der Mitten. Das Statement-Gehäuse protzt mit geradezu verschwenderischer Verarbeitungsqualität: Klavierlack, Aluminium-Einfassungen und -Reflexrohre, sechseckige Grundform. Diese Box scheint ihren Preis schon zu rechtfertigen, bevor sie einen Ton gespielt hat.

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© H.Härle, J.Bauer, Hersteller

Die Mitteltöner setzen auf eine Spezialpapier-Membran, harte Sicken, eine große Polkernbohrung und AlNiCo-Magneten. Die Acht-Zoll-Tieftöner sind konventionell angetrieben, aber nicht minder raffiniert konstruiert.

Hörtest

Ihre maskuline Form mag der Assoziation Vorschub leisten, die Box übertreibe es an Tiefton und Volumen, um Zeitgenossen vorschnell zu beeindrucken. Doch nichts da: Die Heco tönte sogar ausgewogener als die etwas dunkel timbrierte KEF XQ_40 (AUDIO 3/08), zelebrierte "Baby Talk" ("Great Music Vol. 4") mit Charme, Stimmgewalt und jeder Menge Rhythmusgefühl, wo die KEF minimal zu träge agierte und etwas aus dem Takt geriet. So wunderbar offen und mit knisternder Atmosphäre die Piano-Passagen von Strauss' "Rosenkavalier-Suite" (Guschlbauer, EMI), so hinreißend schwungvoll klangen die abschließenden Walzer-Takte. Nach diesem Durchgang war klar, dass die Heco in der Bestenliste hoch hinaus schießt. Da bedurfte es als unbestechlicher Instanz der Geithain ME__150 (AUDIO 9/07), um sie wieder einzubremsen. Doch zunächst warf die Heco ihr dynamisches Talent in die Waagschale und zeigte der ob der subsonischen Untertöne bei "Baby Talk" leicht unsicheren ME_150, wozu so viel Membranfläche gut ist. Deutlich ins Hintertreffen geriet sie dagegen beim Thema Abbildung. Dietrich Fischer-Dieskau setzte sonor und mit Schmelz zu seiner "Winterreise" an (Moore, DG), war aber auf der nicht so klar umrissenen Bühne eher ein huschender Schatten denn ein stattlicher Liedsänger. Doch mit versöhnlichen Tönen und einem geradezu unglaublichen Kunststück machte die Heco solche Schnitzer vergessen: mit ihrer unglaublichen Fähigkeit, selbst harsch produzierten CDs wie Marillions "Fugazi" (EMI) analoge Wärme und dezente Klarheit einzuhauchen - als handelte es sich nicht um eine Synthesizer-geprägte, flache Digitalproduktion aus den 80ern, sondern um eine akustische LP aus der guten, alten Zeit.

Heco Statement

HerstellerHeco
Preis4000.00 €
Wertung95.0 Punkte
Testverfahren1.0

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