Hörtestfinale

Hörtestfinale ASW, Blumenhofer, Burmester, Focal, Monitor Audio, Spendor, Thiel

Der finale Hörtest diente der Herausarbeitung einer Rangfolge und der für das Testergebnis entscheidenden Vergabe der Klangpunkte

Hörtestfinale - Standlautsprecher

© Julian Bauer

Hörtestfinale - Standlautsprecher

Der Hörtest verlief der besseren Übersicht wegen zweigeteilt. Im ersten Teil ging es vorwiegend um die grundlegenden Charaktere der Testteilnehmer, weniger um Vergleiche mit anderen Boxen. Diese allgemeinen Klangbeschreibungen finden Sie bei den jeweiligen Boxen.

Der zweite Durchgang diente der Herausarbeitung einer Rangfolge und der für das Testergebnis entscheidenden Vergabe der Klangpunkte, aufgeschlüsselt in fünf Einzeldisziplinen, die in den Messwertetabellen mit senkrechten, roten Balken dargestellt sind.

Stärken und Schwächen einzelner Modelle werden so deutlich hervorgehoben. Die Summe der Einzelwertungen ergibt die für die langjährige Vergleichbarkeit in der Rang & Namen-Liste maßgebliche Klangpunktzahl, tabellarisch dargestellt durch einen roten Querbalken.

Die Punktevergabe erfolgt traditionell anhand von A/B-Vergleichen mit Produkten aus früheren Tests. Hierfür dienten bei diesem Vergleich vorrangig die Modelle Epos Encore 50 und Naim Ovator S 600 (beide soeben im Märzheft getestet).

Des weiteren vergeben die Tester Punkte für Messwerte (Laborverhalten), Praxis (klangrelevante Ausstattungsmerkmale) und Wertigkeit (Verarbeitung), die zu den Klangpunkten addiert werden und so die Gesamtpunktzahl ergeben. In Rang & Namen ist dies die rechte, stets höhere Zahl neben dem Produktnamen. Maßgeblich für die Rangfolge ist aber die Klangpunktzahl.

Zur Ansteuerung nutzen die Tester nach Möglichkeit Referenzgeräte, die verhindern, dass Elektronikschwächen das Testergebnis verfälschen.

Bereits bei den Vorläufen hatte sich eine Zweiteilung des Feldes angedeutet. So fanden sich vier Modelle mit teilweise ungewöhnlichen Einzeleigenschaften und drei Allrounder mit gleichmäßiger verteilten Talenten.

Einen betont eigenen Charakter besaß die Spendor, die bei den Krachern der Popformation Yello die Aufmerksamkeit besonders auf die rhythmischen Bezüge lenkte und tief in die verschachtelten Strukturen hineinleuchtete, was den Eindruck besonderer Anteilnahme und Schnelligkeit erweckte.

Andererseits ließ ihr Bassbereich die klassenübliche Tiefe und Autorität vermissen. Auf der tonalen Seite gab es einen Hang zu viel Präsenz und wenig Höhen zu vermelden, Schlagzeug kam stumpf und glasig; es fehlte an Delikatesse und Eleganz. So reichte es für die Britin am Ende trotz ihres unbestreitbaren Temperaments nur zu einem wenig vorteilhaften letzten Platz.

Was der Spendor an Energie im Brillanzbereich fehlte, besaß die hochaufragende ASW fast im Überfluss. Bestens gelaunt übertrug sie das Album von Monty Alexander. Sie konnte im Gegensatz zur Spendor problemlos kernigst Lautstärken erzeugen; sehr verlockend bei einem derart prachtvollen Jazz-Album.

Yello klang mit der ASW überragend druckvoll und fern jeder Kompression, andererseits waren exakte Klangfarben nicht so sehr die Stärke der quirligen Säule, deren Timbre und Räumlichkeit stark davon abhing, ob die Tester brav auf Ohrhöhe saßen oder nicht.

Mit ihrem quicklebendigen Charakter ähnelte die Blumenhofer ein wenig der Spendor, andererseits wirkte der Hornzwitter tonal weniger eigenwillig, wenngleich auch die Blumenhofer kaum als Ersatz für einen Studiomonitors durchgehen dürfte.

So ergab sich ein sehr direkter, unverblümter Klang, bei dem der Basstreiber früher an seine Grenzen stieß als das Horn, sodass sich beim Ausloten der hoch liegenden Grenzbereiche ein etwas heller Gesamtklang einstellte, mit einem zwar trockenen, substanziell jedoch etwas kargen Bassfundament.

Derlei Defizite waren der Thiel absolut fremd. Ihr Langhubbass und die großflächige Passivmembran konnten mühelos in tiefste Lagen vorstoßen, was den kraftstrotzenden Yello-Titeln die nötige Autorität verlieh und allgemein die räumliche Abbildung förderte.

Raumgenauigkeit schien überhaupt das Credo der Thiel, die wie keine andere Konzertsäle dreidimensional nachbilden konnte und sich tonal vorbildlich neutral verhielt. Nicht ganz so angetan waren die Tester von ihrer nach heutigen Maßstäben durchaus sehr guten, aber nicht mehr überragenden Feindynamik, die einem weiteren Durchmarsch an die Spitze entgegenstand.

Die Burmester gab sich als fein und unaufdringlich klingender Generalist zu erkennen, dem kaum Schwächen nachzuweisen waren, der aber andererseits bei keiner Platte so engagiert zur Sache ging wie etwa die ASW oder so homogen wie die Thiel.

Nichtsdestotrotz sammelte die Burmester mit ihrer gediegenen Artikulation fleißig Punkte, empfahl sich als raumgenauer Allrounder für all jene, die sich nicht auf einen bestimmten Musikstil festlegen möchten.

Das Rennen um Platz 2 und 1 bestritten Focal und Monitor. Beiden war es egal, welcher Musikstil gefordert war, ebenso spielte es keine Rolle, ob es laut oder leise zur Sache ging. Beide erwiesen sich als faszinierend unbeirrbar und extrem basspotent.

Die gelassener, minimal weniger zupackend auftretende Box war die Monitor Audio, die in allen nur denkbaren Klangsituationen eine wahrlich stupende Echtheit und Transparenz entfaltete. Selbst bei den fiesesten Yello-Attacken schien die Engländerin noch zu lächeln, wo die Konkurrenz längst harsch und gepresst tönte.

Der Eindruck überragender Reife und Geschlossenheit galt auch für die Focal, die stets nochmal eine Spur feiner und delikater klang. Ihre kaum fassliche Spielfreude wurde begleitet von einem faszinierend gut organisierten Zusammenspiel aller Bereiche. Den mit Abstand genauesten Bass der Klasse bis 10_000 Euro gab es als Geschenk obendrauf.

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