Testbericht

HTC Desire im Test

Manchmal ist die Welt paradox: Auf der einen Seite wird der Internet-Gigant Google wegen seiner Datensammelwut misstrauisch beäugt bis offensiv bekämpft, auf der anderen Seite feiert das von Google initiierte Smartphone-Betriebssystem weltweit Erfolge.

  1. HTC Desire im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
HTC Desire

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HTC Desire

Obwohl der Konzern über die jederzeit ortbaren Telefone und den für viele Funktionen nötigen Googlemail-Account tiefgreifende Einblicke in die Lebensgewohnheiten seiner Kundschaft bekommt.

Maßgeblich zum Siegeszug beigetragen hat der taiwanesische Hersteller HTC, der nicht nur für T-Mobile und Vodafone die ersten Android-Modelle überhaupt gebaut hat, sondern auch das erste von Google selbst vertriebene Handy - das Nexus One.

Das bessere Google Nexus One?

Das muss sich jetzt warm anziehen, denn mit dem Desire legten die Taiwanesen, die ihre Produkte seit geraumer Zeit auch unter eigener Flagge erfolgreich vermarkten, ein neues Android-Phone vor, das dem Nexus One auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht. Aber eben nur auf den ersten Blick, denn beim genaueren Hinschauen zeigen sich deutliche Unterschiede - zum Vorteil des Desire.

HTC Desire

© Foto: Hersteller

Das riesige 3,7-Zoll-OLED-Display stellt Webseiten übersichtlich dar.

So etwa bei den vier Android-typischen Bedienelementen unterhalb des Bildschirms: Die mechanischen Tasten des HTC Desire haben einen echten, wenn auch etwas schwammigen Druckpunkt für gezieltes Tippen.

Beim obligatorischen Navigationskey geht das Desire neue Wege: Wie bei einer optischen Maus scannt eine zwischen den vier Tastern platzierte Kamera den darüberstreichenden Finger ab und führt den entsprechenden Befehl mit etwas Übung auch zielsicher aus.

Hochwertige Hardware

Die Anfassqualität der beiden Geräte liegt auf ähnlich hohem Niveau: Mit identischen Außen-maßen sowie einer hochwertigen Materialbeschaffenheit bringt das HTC Desire vier Grämmchen mehr auf die Waage, ist mit insgesamt 138 Gramm und einer Höhe von zwölf Millimetern schön griffig und verschwindet beinahe unbemerkt in der Hosen- oder Jackentasche.

Das stabile Gehäuse ist sauber verarbeitet, knarzt nicht und scheint resistent gegen den Zahn der Zeit. Wesensgleich sind auch die Bildschirme von Nexus One und Desire: So steckt in beiden die stromsparende Technik von organischen Leuchtdioden (OLED), die das Display mit sattem Kontrast und großem Farbraum ausleuchten.

Mit einer 3,7 Zoll großen Anzeige und 480 x 800 Pixeln Auflösung sind auch diese Bildschirmparameter identisch und im direkten Vergleich zur iPhone-Messlatte (3,5 Zoll, 320 x 480 Pixel) deutlich besser. In Kombination mit dem mit 1 Gigahertz flott taktenden Snapdragon-Prozessor von Qualcomm reagiert der berührungsempfindliche Desire-Screen sehr schnell und genau, weshalb sich die Touchsteuerung ohne störendes Ruckeln elegant und geschmeidig anfühlt.

Android mit HTC-Stempel

Dazu trägt natürlich auch das Android-Betriebssystem in seiner derzeit aktuellen Version 2.1 Eclair entscheidend bei. Das User-Interface ist selbst für Android-Neulinge intuitiv und schnell zu erfassen - nach kurzem Ausprobieren und einigen Aha-Effekten läuft's bei den meisten wie am Schnürchen.

HTC Desire

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Mit hauseigenen Widgets bietet HTC bequemen Zugriff auf bestimmte Inhalte.

Doch HTC ruht sich nicht auf den Android-Lorbeeren aus, sondern ergänzt das Bedienkonzept mit seiner hauseigenen Sense-Oberfläche, die die Bedienung noch einfacher und komfortabler macht: Auf insgesamt sieben frei gestaltbaren Startbildschirmen lässt sich neben Shortcuts für diverse Anwendungen, Favoriten-Kontakten und thematisch benannten Ordnern vor allem auch eine Vielzahl an praktischen HTC-Widgets platzieren.

So zeigt etwa das Kalender-Widget anstehende Termine an, während Weltenbummler sicherlich die gleichzeitige Darstellung zweier Zeitzonen zu schätzen wissen. Auch für das entspannte Musikhören auf dem Nachhauseweg oder den schnellen Blick auf das private E-Mail-Postfach bietet die Sense-Oberfläche passende Widgets an.

Apropos E-Mail: Wer seine digitale Post nicht über die Google-Server laufen lassen möchte, kann auch seine IMAP- oder POP3-Konten etwa von GMX oder Web.de auf dem Desire verwalten oder aber mithilfe der mitgelieferten Sync-Software plus Datenkabel das Smartphone mit Outlook-Nachrichten und -Kontakten synchronisieren. Auch das Firmenpostfach lässt sich über die implementierte Exchange-Anbindung mobil betreiben.

Keine Apps ohne Google-Account

Allerdings geht die Googlemail-Abstinenz Hand in Hand mit dem Verzicht auf den Android Market: Um das Desire mit Zusatzanwendungen aus dem Softwareshop zu individualisieren, ist ein Google-Konto Pflicht - so ärgerlich das auch sein mag. Der App-Store trägt maßgeblich zum Flair von Android bei; das konsequent wachsende Angebot im Market mit zumeist kostenlosen oder günstigen Tools erleichtert immerhin die Entscheidung für ein zusätzliches Postfach beim großen Bruder Google.

Auf der Höhe der Zeit

Für moderne Web-2.0-User gehört die Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Freizeitgestaltung. HTC ist das nicht entgangen, und so bündelt der Hersteller mit der Applikation "FriendStream" Benutzerkonten von Facebook, Twitter und Flickr in einem gemeinsamen Kanal übersichtlich als Widget oder eigenständige Anwendung. Damit haben Social Networker die aktuellen Statusmeldungen ihrer Kontakte quasi als Livestream immer im Blick.

Auch in Sachen Hardware-Ausstattung gehen die Taiwanesen mit der Zeit und packen neben HSPA, WLAN und GPS-Empfänger auch Gravitations-, Helligkeits- und Näherungssensoren mit auf die Platine.

HTC Desire

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Die bequeme Anbindung an soziale Netzwerke erleichtert Web-2.0 Apologeten das Leben.

Besonders schick: Wird das Desire bei einem eingehenden Anruf in die Hand genommen, reduziert sich automatisch die Klingeltonlautstärke und schaltet sich sogar komplett ab, sobald das Smartphone mit dem Bildschirm auf den Tisch gelegt wird. Ein zweites Mikrofon für die aktive Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen hat sich HTC gespart.

Auch die bei Android 2.1 von Haus aus vorgesehene Sprachsteuerung sucht man beim HTC Desire ohne Erfolg. Ein mit reichlich Profilen ausgestattetes Bluetooth-Modul und eine für ein Handy recht anständige 5-Megapixel-Kamera runden das Ausstattungspaket würdig ab.

Auf leisen Sohlen ist das HTC Desire durch unser Messlabor spaziert - will heißen: Spektakuläres gibt's nicht zu vermelden. Der 1392 mAh große Akku zeigt sich mit etwas über vier Stunden Power im Nutzungsmix aus Surfen, Musikhören und Mailen recht schwach auf der Brust und verlangt bei intensiver Nutzung spätestens am Ende des Tages nach dem Stromnetz. Die Kurven der Akustikmessungen bescheinigen dem Smartphone einen angenehmen Klang in Sende- wie auch Empfangsrichtung; der Empfang ist ordentlich.

Der Konkurrenz ein Dorn im Auge

Insgesamt macht das HTC Desire seinem Namen alle Ehre - es weckt mit schicker Hülle und vielfältigen Talenten Begehrlichkeiten, die es in technischer Hinsicht nicht enttäuscht. Mit einem insgesamt sehr runden Auftritt im Redaktions- und Labortest steckt es nicht nur seinen nahen Verwandten Nexus One locker in die Tasche. Und Android an sich bereitet der Konkurrenz vermehrt Kopfzerbrechen: Es schwebt wie ein Damoklesschwert über dem revolutionären Bedienkonzept des iPhone, dessen angebissener Apfel zunehmend um seinen Kultstatus fürchten muss.

Der Dauertest läuft bereits

Wie sich das Desire nach längerem Gebrauch und mit dem Software-Update auf Android Froyo (2.2) macht, erfahren Sie im Dauertest des HTC Desire in der connect-Ausgabe 10/2010 (ab 3. September am Kiosk). Wir sind dafür auch noch auf der Suche nach Besitzern eines Desire, die uns von ihren Erfahrungen mit dem Smartphones im Dauertestforum berichten möchten.

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