Smartphone mit Edge Sense

HTC U11 im ersten Test: Einmal fest drücken bitte

Für kleinere Smartphone-Hersteller wie HTC ist es 2017 fast unmöglich, technisch an den Top-Modellen von Samsung und Huawei vorbei zu ziehen. Die Taiwaner versuchen es daher mit einzigartigem Design und cleveren Kniffen bei der Bedienung. Das Ergebnis in Form des HTC U11 kann sich sehen lassen, die Erfolgsaussichten sind aber trotzdem durchwachsen.

HTC U11

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HTC U11

Das HTC U11 setzt die neue Design-Linie fort, die mit den im Januar vorgestellten HTC U Ultra​ und HTC U Play​ begonnen wurde. Das bedeutet: Nur der schmale Rahmen besteht aus eloxiertem Aluminium, ansonsten Glas, wohin das Auge schaut. Wieder kommt eine besondere Fertigungsmethode zum Einsatz, bei der mehrere hauchdünne Glasschichten eingefärbt und im Nachgang miteinander verschmolzen werden, was einzigartige Lichtreflexionen zur Folge hat. 

Kinderkrankheiten, die beim Highend-Vorgänger U Ultra störten, hat HTC bei seinem Flaggschiff-Modell ausgemerzt. So steht die Kameraeinheit nicht mehr weit aus dem Gehäuse heraus, sondern ist nahezu glatt ins Gehäuse integriert. Die Design-Sprache ist noch reduzierter und lebt von einer besonderen Symmetrie: Vorder- und Rückseite sind zu den Rändern hin im gleichen Winkel gekrümmt, sodass man beim seitlichen Draufschauen gar nicht erkennen kann, ob das Smartphone mit dem Rücken oder mit der Vorderseite aufliegt. 

Das Design überzeugt auf der ganzen Linie, zumal der nur 8 Millimeter dünne 5,5-Zöller sehr gut in der Hand liegt und das kühle Glas haptisch gut mit Metall mithalten kann. Ein weiterer Pluspunkt: Dank IP67-Zertifzierung ist ein (Süß)Wasserbad kein Problem. Einziger Nachteil der Glasbauweise, der hier nicht unerwähnt bleiben soll: Schon nach kurzer Zeit ist das glänzende Glas mit Fingerabdrücken übersät.​

HTC U11

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HTC U11Das HTC U11 kommt zum Start in schwarz, weiß, dunkelblau und "amazing silber".

Farben, Preis und Verfügbarkeit

Das HTC U11 wird ab dem ersten Juni in den Farben schwarz, weiß, dunkelblau und „amazing silber“ erhältlich sein, bei letzterem handelt es sich um glänzendes Silber mit leichtem Blaustich. Eine weitere Variante in knalligem Signalrot soll 6 Wochen nach Marktstart folgen. Der Preis in Deutschland beträgt 749 Euro. Das Gerät wird sowohl im freien Handel, als auch bei allen Netzbetreibern erhältlich sein, dabei hat die open-market-Version den Vorteil, dass der micro-SD-Slot hybrid ist und statt einer Speicherkarte auch eine zweite Nano-SIM-Karte schluckt.​

Der Rahmen ist druckempfindlich

Eine Weltneuheit ist der druckempfindliche Rahmen, der beim ersten Ausprobieren einen sehr guten Eindruck hinterließ. HTC nennt die Funktion „Edge Sense“, dabei registriert das Smartphone, wenn man die untere Hälfte des Metallrahmens umfasst und leicht zusammendrückt. Die Druckempfindlichkeit legt der Nutzer bei der Ersteinrichtung fest, auch die mit dem Drücken verbundene Aktion ist frei konfigurierbar. Ab Werk startet die Kameravorschau, ein weiterer Druck knipst ein Foto. Denkbar ist aber auch eine Verknüpfung mit der Taschenlampe oder dem Musikplayer. 

Bei der Frage, welche Technologie hinter Edge Sense steht, gab sich HTC-Produktmanager Fabian Nappenbach geheimniskrämerisch und wollte nichts verraten. Sie hat jedenfalls keine kapazitive, also elektrische Basis, denn sie funktioniert auch mit Handschuhen. Festzuhalten bleibt, dass der druckempfindliche Rahmen eine echte Bereicherung bei der Bedienung ist. Wir sind uns sicher, dass dieses Konzept sich durchsetzen wird. HTC ist hier ganz vorne mit dabei und arbeitet fleißig daran, den Vorsprung weiter auszubauen. Nappenbach kündigte an, dass im Juli die App Edge Sense Companion als Beta verfügbar sein wird, damit soll es möglich sein, auch komplexe Sequenzen (starte Snapchat, aktiviere Filter xyz) zu konfigurieren.​

Prozessor, Kamera und Sound

Natürlich ist es an dieser Stelle noch zu früh, die Qualität der Kamera zu bewerten, aber das, was bisher bekannt ist, ist sehr vielversprechend. Fangen wir bei den technischen Rahmendaten an: HTC setzt auf einen 12-Megapixel-Sensor der neuesten Generation (wahrscheinlich von Sony), der mit jener Dual-Pixel-Autofokus-Technologie ausgestattet ist, die von Samsung mit dem Galaxy S7 eingeführt wurde. Das bedeutet, dass jeder einzelne Pixel automatisch fokussieren, also scharf stellen kann, was einen besonders schnellen Autofokus ermöglicht. 

Ein weiterer wichtiger Kamera-Baustein ist Qualcomms 2017er Top-Chipsatz Snapdragon 835, der genug Rechenleistung für „always-on-HDR“ mitbringt: Bei aktivierter Kameravorschau werden permanent im Hintergrund Fotos gemacht und wieder verworfen, nur wenn der Nutzer den Auslöser drückt, werden 3 Fotos aus diesem Zeitfenster genommen und aus diesen das Foto zusammengerechnet. Technisch vom Feinsten sind auch die besonders lichtstarke Blende (f1.7) und der optische Bildstabilisator. Wir glauben, dass die Kamera des U11 eine Bildqualität auf Augenhöhe mit Huaweis Leica-Modellen und Samsungs Galaxy S8 liefern wird, nicht zuletzt deshalb, weil schon der Vorgänger U Ultra mit einer Überagenden Bildqualität beeindruckte.​

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Ebenfalls dem starken Chipsatz zu verdanken ist die aktive Geräuschunterdrückung der mitgelieferten hochwertigen Kopfhörer. Dabei werden die Umgebungsgeräusche von den Kopfhörern aufgezeichnet und an den Chipsatz weitergeleitet, der diese dann in Echtzeit neutralisiert. Eine weitere Finesse ist die Sonar-Gehörvermessung, bei der per Ultraschall der Gehörgang „vermessen“ und daraufhin ein individuell abgestimmtes Klangbild erstellt wird. Beides funktioniert nur mit den mitgelieferten Kopfhörern, die über USB-C (mit USB 3.1) an das U11 gestöpselt werden. Wer lieber eigene Kopfhörer benutzen möchte findet einen USB-C-auf-Klinke-Adapter im Lieferumfang - auch das ist eine Verbesserung gegenüber dem U Ultra.​

Die technischen Daten im Überblick

  • 154 x 76 x 8 Millimeter, 169 Gramm, wasserdicht nach IP67
  • touch-sensitiver Metallrahmen
  • 5,5-Zoll-Display mit QHD-Auflösung (539 ppi)
  • Android 7.1.1 mit HTC Sense UI
  • 64 GB Speicher (UFS) + micro-SD
  • Qualcomm Snapdragon 835 mit 2,45 GHz und 4 GB RAM
  • Hauptkamera mit 12 Megapixel, Dual-PDAF, OIS und Blende f1.7
  • Frontkamera mit 16 Megapixel, Blende f2.0 und 150 Grad Weitwinkel
  • HTC U Sonic Kopfhörer mit ANC und Ultraschall-Gehörvermessung
  • Dual-SIM (nur bei den Geräte im freien Handel)
  • USB-C mit USB 3.1
  • Bluetooth 4.2

Akkulaufzeit

Der Akku fasst 3000 mAh, was angesichts des hochauflösenden QHD-Display (2560x1440 Pixel) etwas unterdimensioniert scheint. Andererseits: Das Galaxy S8 kommt mit der gleichen Energiemenge sehr weit, es bleibt also abzuwarten, was HTC daraus macht. Klarheit herrscht dagegen bei der schnellen Aufladegeschwindigkeit: in 30 Minuten ist das U11 wieder halb vollgetankt, eine volle Ladung wird in weniger als 90 Minuten realisiert.​

Fazit: Stark, aber teuer

Das U11 bringt gute Voraussetzungen mit, um sich im heiß umkämpften Smartphone-Markt zu behaupten. Denn mit den Schwerpunkten Design, Bedienung und Kamera dreht HTC an genau den richtigen Stellschrauben. Ein Erfolg ist in unseren Augen aber nicht gesichert, weil die Taiwaner den Preis zu hoch ansetzen. 749 Euro sind ganz nah dran am Galaxy S8​ mit seinem einzigartigen Edge-Display und auf Augenhöhe mit dem Huawei P10 Plus​, das ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist und mit 128 GB doppelt so viel Speicher mitbringt.​

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