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Testbericht HTC Wildfire

HTC Wildfire
HTC Wildfire
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Das günstige Android-Smartphone will sich mit Social-Networking-Funktionen, die echten Mehrwert bieten, unter das junge Volk mischen.

Soziale Netzwerke sind längst in der Mobilfunkwelt angekommen – und da machen sie auch durchaus Sinn. Denn den virtuellen Freundeskreis pflegt und unterhält man am besten, wenn man ihm auch von unterwegs die eigenen Aktivitäten, den Aufenthaltsort oder das momentane Befinden mitteilt – am besten untermalt mit Bildern und Videos.

Auch möchten im Gegenzug die im Neudeutsch als Social Networker bezeichneten Nutzer von Facebook und Co. nicht nur vorm heimischen Rechner die Status-Updates ihrer Freunde lesen und kommentieren, sondern eben auch unterwegs ihr Sozialleben 2.0 im Blick haben.

Drei auf einen Streich

Das HTC Wildfire, dessen Bezeichnung im Übrigen die HTC-Facebook-Gemeinde gewählt hat, rückt diesen Aspekt stark in den Vordergrund und bietet einen gebündelten Kanal für die Netzwerke Facebook, Twitter und Flickr, der auf den Namen Friendstream hört. Neu ist diese Anwendung nicht – die beiden HTC-Modelle Legend und Desire haben Friendstream ebenfalls implementiert, sind allerdings mit 460 respektive 500 Euro bei Weitem nicht so günstig wie das für unter 280 Euro erhältliche Wild­fire, das eine jüngere Zielgruppe adressiert.

Friendstream kann wahlweise als eigenständige Anwendung ausgeführt oder als Widget auf dem Homescreen platziert werden. Bei beiden Varianten flackern die neuesten Statusmeldungen aus den eingerichteten Netzwerken chronologisch und mit dem jeweiligen Plattformsymbol versehen samt dem passenden Profilbild über den Bildschirm; über das Eingabefeld „Was machen Sie gerade“ lassen sich eigene Status-Updates in alle drei oder nur in ausgewählte Netzwerke posten. Um eine Meldung zu kommentieren oder den bei Face­book beliebten „Gefällt mir“-Button zu drücken, genügt ein Klick auf den entsprechenden Beitrag.

Die Idee mit dem Zusammenführen der drei Netzwerke ist eine schicke und vor allem bequeme Sache, denn so muss man nicht ständig per Hand zwischen den jeweiligen Anwendungen hin- und herwechseln. Leider werden die in Deutschland sehr beliebten und häufig verwendeten VZ-Netzwerke Studi-, Schüler- und MeinVZ zumindest bisher außen vor gelassen – vielleicht ist deren Einbindung eine Anregung für kommende Versionen oder Updates.

Erweiterte soziale Kompetenzen

Damit ist das als Social-Media- Phone beworbene Wildfire noch nicht am Ende seiner sozialen Kompetenzen, denn das Smartphone erleichtert nicht nur den Zugriff auf die Netzwerke, sondern verknüpft und kombiniert die modernen Kommunikationswege des Web 2.0 mit der klassischen Kommunikation via SMS, E-Mail und Telefon.

Konkretes Beispiel: Wird ein Kontakt im Adressbuch geöffnet, kann der Nutzer über die unten im Bild eingeblendeten Reiter nicht nur die händisch eingetragenen Informationen einsehen, sondern auch individuell verfolgen, wann er mit dem aus­gewählten Kontakt telefoniert hat oder wann SMS und E-Mails verschickt wurden; auch die letzten Statusmeldungen und Foto-Uploads in den sozialen Netzen des entsprechenden Kontaktes werden angezeigt.

Die Caller-ID wurde mit nützlichen Facebook-Infos erweitert.
Die Caller-ID wurde mit nützlichen Facebook-Infos erweitert. ©

Freilich müssen dazu zunächst die Facebook-Kontakte mit dem Handy-Telefonbuch verknüpft werden – was intuitiv und im Handumdrehen gelingt. Beim Durchblättern des Adressbuches wird dann auch direkt die aktuelle Statusmeldung von jedem mit Face­book oder Twitter verknüpften Kontakt angezeigt. Selbes Spiel auch beim Anrufen: Die Caller-ID wird um die sozialen Komponenten erweitert, bei ein- und ausgehenden Telefonaten mit Facebook-Freunden wird neben der aktuellen Statusmeldung auch gleich das aktuelle Profilbild und der anstehende Geburtstag eingeblendet – das ist schön gemacht und bietet einen echten Mehrwert.

Auch Apps werden geteilt

Teilen möchten moderne Handy-Netzwerker aber nicht nur Statusmeldungen, Bilder und Videos, sondern vielleicht auch die in der Smartphone-Welt so wichtigen Apps – also die Zusatzsatzprogramme, die sich über den Online-Shop Android Market erwerben lassen und dem Handy eine ganz persönliche Note verleihen. HTC hat im Wildfire hierfür eine neue Funktion eingebettet, mit der sich App-Empfehlungen bequem mit nur wenigen Fingertipps per E-Mail, SMS oder – wenig überraschend – Facebook und Konsorten aussprechen lassen.

Damit das ganze Getippe nicht zur Qual wird, ist eine anständige Schreibtastatur Pflicht. Die kann das Wildfire auch durchaus bieten. Für längere Statusmeldungen und Nachrichten sollte das Smartphone in jedem Fall quer gehalten werden, so sind die eingeblendeten Qwertz-Drücker ausreichend groß und lassen sich schnell und recht sicher bearbeiten. Dabei empfiehlt es sich, beide Daumen zu verwenden – nach kurzer Übungszeit sind Texte so verblüffend schnell erstellt.

Die standardmäßig eingestellte Schreibhilfe ist nützlich, kann auf Wunsch aber auch deaktiviert werden, ebenso wie das kurze Vibrationsfeedback. Das Problem mit den im Deutschen nötigen Umlauten löst HTC Smartphone-like per Zusatzfenster, das nach längerem Drücken des entsprechenden Vokals aufpoppt.

Vom Start weg Android 2.1

Neben den Social-Networking-Features hat das Wildfire aber noch einiges mehr zu bieten: einen anständigen Multimedia-Player etwa, praktische E-Mail-Talente dank Exchange-Anbindung für geschäftige Mitarbeiter und einen einfachen Client für gängige POP3- und IMAP-Postfächer. Für die lokale Synchronisation mit Outlook legt HTC ein MicroUSB-Kabel bei; die passende Software HTC Sync gibt’s auf htc.com im Support-Bereich.

Wer keinen Googlemail-Account nutzt, sollte sich spätestens mit dem Erwerb des Wildfire einen zulegen. Denn ohne das Postfach beim großen Bruder bleiben die virtuellen Einkaufshallen des Android Market – Googles Online-Shop fürs Softtuning – geschlossen. Für ein Googlemail-Konto spricht zudem, dass Nachrichten direkt aufs Handy gepusht und Kalender sowie Kontakte over the air mit den Google-Servern synchronisiert werden.

Aktuell geht das Wildfire mit Android 2.1 an den Start und soll laut Hersteller im Herbst ein Update auf die neueste Betriebssystem-Version 2.2 mit dem Codenamen Froyo erhalten. Welche funktionalen Erweiterungen ein mögliches Update bringen wird, können Sie auf Seite 10 nachlesen. Konsequent setzt HTC in Sachen Userinterface auch weiterhin auf sein Eigengewächs Sense – eine erprobte und bestens bewährte Oberfläche mit praktischen Widgets für die frei gestaltbaren Startbildschirme der Androiden.

Den für ein Smartphone günstigen Preis von weniger als 280 Euro realisieren die Taiwanesen durch einige Einschränkungen bei der Ausstattung. So taktet der Prozessor mit mäßigen 528 MHz, was sich ab und zu bei schnellen Ein­gaben und beim Scrollen in aufwendigen Webseiten durch leichte Verzögerungen bemerkbar macht. Gespart hat der Hersteller auch beim berührungs­empfindlichen 3,2-Zoll-Display, das mit nur 240 x 320 Pixeln auflöst – was für ein Smartphone doch recht grobpixelig ist – und die Farben teilweise unnatürlich wirken lässt. Das war’s dann aber auch schon mit dem Geiz: Mit HSDPA, WLAN und GPS sind die wichtigen Connectivity-Standards erfüllt.

Alles im grünen Bereich

Und wie sieht’s mit den Labor­ergebnissen aus? Die mehrtägigen Akkumessungen bescheinigen dem HTC mit knapp fünf Stunden typischer Ausdauer gewohntes Smartphone-Niveau. Neben den ordentlichen Sende- und Empfangsqualitäten passen auch die Akustikmessungen in das insgesamt positive Laborergebnis.

Ob sich das Wildfire, wie der Name suggeriert, wie ein Lauf­feuer ausbreiten wird, bleibt abzuwarten. Wir können jedenfalls festhalten, dass der Netzwerk-Experte nicht nur soziale, sondern auch grundlegende Business- und Multimedia-Kompetenzen aufweist – und das zu einem ausgesprochen fairen Preis, weshalb er für sparsame Käufer auf jeden Fall eine Empfehlung wert ist.
 

 
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Inhalt
  1. HTC Wildfire
  2. Datenblatt
  3. Wertung
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