Android-Smartphone

Huawei Mate S im Test

Das Mate S ist das edelste Smartphone, das Huawei bisher gebaut hat, der Vergleich mit Design-Ikonen wie dem iPhone oder Sonys Z-Serie fällt leicht. Ein paar Haken gibt es aber, wie unser Test zeigt.

Huawei Mate S

© Huawei

Huawei Mate S

EUR 308,99

Pro

  • Flip Cover im Lieferumfang enthalten
  • elegantes Aluminium-Gehäuse
  • kompakt trotz 5,5-Zoll-Display
  • leuchtstarkes OLED-Display
  • starke Kameraausstattung
  • Fingerabdruck-Sensor mit cleveren Zusatzfunktionen
  • sehr gute Akustik

Contra

  • hoher Preis
  • kurze Akkulaufzeit
  • Lücken in der Connectivity
  • keine schnellen Software-Updates zu erwarten
85,2%

Von Huawei ist man ja mittlerweile gewohnt, dass viele Smartphones exzellent verarbeitet sind und ein elegantes Design mit erstklassigen Materialien kombinieren. Bei ihrem neuen Flaggschiff Mate S gelingt es den Chinesen aber, sich selbst noch einmal um ein gutes Stück zu übertreffen.

Das Gehäuse besteht fast vollständig aus Aluminium, die schmalen Kunststoffstreifen für die Antenne auf der Rückseite gehen so nahtlos in den Metallkorpus über, dass der Eindruck entsteht, beide Materialien wurden untrennbar miteinander verschmolzen.

In einer Pressemitteilung spricht Huawei spezielle Fertigungstechniken an, die so klingen, als hätten die Chinesen ein Raumschiff gebaut: Materialien wurden per „Nano-Injektion“ miteinander verbunden, das Gehäuse wurde von CNC-Schleifen mit „speziellen Diamanttechnologien“ bearbeitet, die Oberfläche mit besonderen „Nanotechnologien“ versiegelt.

Natürlich spricht hier in erster Linie die PR-Abteilung, aber zwischen dem Marketing-Geschwurbel wird doch sehr deutlich, dass Huawei modernste Herstellungsverfahren auf allerhöchstem Niveau beherrscht.

Das Huawei Mate S

© Huawei

Front- und Rückansicht des Mate S.

Design, das Freude macht

Nicht nur die Haptik und die Verarbeitung sind Weltklasse, auch das Design überzeugt. Wie bei den iPhones ist das Displayglas an den Rändern gerundet, was sehr elegant aussieht und den Übergang zum Gehäuse angenehm weich macht. Der Abstand vom Display zu den Außenkanten ist außerdem sehr gering, schnell kommt das Gefühl auf, dass die Vorderseite nur aus dem Bildschirm besteht. Diese Bauweise macht das Smartphone trotz 5,5-Zoll-Display so kompakt, dass man es noch ganz gut mit einer Hand bedienen kann.

Wie dicht Huawei gebaut hat, zeigt der Vergleich mit dem iPhone 6s Plus, das ebenfalls ein 5,5-Zoll-Display hat, aber mit 158 x 78 Millimetern und 192 Gramm deutlich größer und schwerer daherkommt. Weil die Rückseite gewölbt ist, fällt der Rahmen des Huaweis zudem sehr schmal aus – das Mate S wirkt sogar noch dünner als die 7,4 Millimeter, die wir gemessen haben. Vermisst haben wir eigentlich nur eine IP-Zertifizierung, die garantiert, dass das Smartphone wasserdicht ist – in der Oberklasse schafft das momentan nur Sony.

Helles Display, kein 5-GHz-WLAN

Während Sony beim Z5 Premium auch erstmals ein 4K-Display einbaut, verweigert sich Huawei dem Pixelwahnsinn und bleibt bei einer Standardauflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Die ist auf 5,5 Zoll auch völlig ausreichend, aber Schriften werden eben nicht ganz so fein gezeichnet wie beim Sony-Modell oder einem Galaxy S6 mit 2560 x 1440 Bildpunkten. Dass das OLED trotzdem auf ganzer Linie überzeugt, liegt an den kräftigen Farben, den intensiven Kontrasten und vor allem an der für diese Displaytechnologie außerordentlich hohen Leuchtkraft von 428 Candela.

Beim Prozessor setzt Huawei auf Altbewährtes: Der HiSilicon Kirin 935 ist ein Schwestermodell des vom P8 bekannten 930er-Modells, bei dem die maximale Taktrate von 2 auf 2,2 GHz erhöht wurde. Die acht Kerne sind nach dem modernen big.LITTLE-Prinzip von ARM in zwei Clustern gruppiert, die auf unterschiedlichen Leistungsniveaus arbeiten. Das garantiert eine hohe Energieeffizienz und gleichzeitig eine starke Performance. Zur Seite stehen der 64-Bit-CPU üppige 3 Gigabyte Arbeitsspeicher – selbst Intensivnutzer und Gamer werden mit dem zufrieden sein, was Huawei hier anbietet.

Das Huawei Mate S Seitentasten

© Huawei

Die Seitentasten am Gehäuse des Huawei Mate S.

Das Verbindungsspektrum reicht von NFC über Bluetooth 4.1 bis LTE Cat 4, im Prinzip wird alles Wichtige unterstützt. Wer genauer hinschaut, vermisst dann aber doch ein paar Extras, die in dieser Preisklasse eigentlich selbstverständlich sein sollten. An erster Stelle fehlt die Unterstützung für schnelles WLAN, weil das Mate S das 5-GHz-Band ausklammert. Besonders Anspruchsvolle werden zudem Schnittstellen wie zum Beispiel Qi zum drahtlosen Aufladen, HDMI (über die USB-Schnittstelle) oder Infrarot suchen.

Moderne Oberfläche, kaum Updates

Huawei liefert das Mate S mit der neuesten Android-Version 5.1.1 aus, über die die firmeneigene Benutzeroberfläche Emui gestülpt wurde, natürlich ebenfalls in der allerneuesten Version 3.1. Die Menüführung erinnert mehr an Apple als an Android, weil der bei Google übliche App-Drawer fehlt, der alle Apps in einem separaten Menü sammelt. Stattdessen werden sie wie beim iPhone direkt auf den Homescreens abgelegt. Hier findet man vieles, was bei Android nicht Standard ist, unter anderem eine Backup-Lösung und einen Telefonmanager mit diversen Tools zur Optimierung von System und Speicher.

Huawei hat auch Kontrollmöglichkeiten für Apps implementiert, die in dieser Tiefe kein anderer Hersteller erlaubt. Der Nutzer kann genau festlegen, welche Anwendung geschlossen werden soll oder weiter im Hintergrund aktiv bleiben darf, wenn das Display deaktiviert wird. Genauso ist es möglich, zu definieren, ob und wie eine App sich mit dem Internet verbindet (WLAN oder Mobilfunk) und wie sie über neue Ereignisse informiert (Statusleiste oder Sperrbildschirm). So hat man die volle Kontrolle, was wann Daten verschickt.

 

Eine weitere Besonderheit ist die Spracherkennung, die hilft, das Smartphone wiederzufinden. Dazu muss man dem Mate S nur ein Schlüsselwort antrainieren, was problemlos über den entsprechenden Eintrag im Einstellungsmenü gelingt. Danach reicht es, das Wort in den Raum zu rufen und zu fragen: „Where are you?“. Daraufhin meldet sich das Mate S mit Vibrationsalarm, einem Klingelton und der Antwort „I am here.“ Momentan funktioniert dies allerdings nur auf Englisch. Die Bedienung erschließt sich auf Anhieb und macht Spaß, was in erster Linie an der tollen Optik liegt.

Mehr noch: Mit den modernen Schriften und Symbolen, dem großen Software-Paket und cleveren Extras wie der Verwandlung des Fingerabdruck-Sensors in ein Trackpad gehört Emui zu den besten Android-Oberflächen weit und breit.

Huawei Mate S Spracherkennung

© Huawei

Die Spracherkennungsfunktion von Huawei

In Anbetracht des reichhaltigen Software-Angebotes ist es allerdings unverständlich, warum Huawei ausgerechnet auf einen Equalizer verzichtet. Ein noch viel größerer Minuspunkt ist jedoch der Software-Support. Die Chinesen sind bekannt dafür, lieber neue Modelle auf den Markt zu bringen, als die alten mit Updates zu versorgen. Die letztjährigen Flaggschiffe Ascend P7 und Mate 7 laufen beide noch mit der mittlerweile veralteten Android-Version 4.4. Für den Hersteller könnte das zu einem Problem werden, denn ein Kunde, der 650 Euro für ein Smartphone ausgibt, erwartet völlig zu Recht permanente Updates – die Premium-Konkurrenz von Apple bis Sony macht es schließlich vor. 

Im Labor enttäuscht die Akkulaufzeit

Das 2014er-Schwestermodell Mate 7 steht mit seinem 4100 mAh starken Akku und einer Laufzeit von 10:37 Stunden im connect-Nutzungsmix seit mehr als einem Jahr unangefochten an der Spitze der ausdauerndsten Smartphones. Entsprechend groß waren die Erwartungen an das Mate S. Doch bei seinem neuen Flaggschiff geht Huawei in die entgegengesetzte Richtung und verzichtet zugunsten kompakter Gehäusemaße auf einen großen Energieriegel.

Die Kapazität wurde um mehr als ein Drittel auf 2700 mAh reduziert, was entsprechend kurze Gesprächs- und Laufzeiten zur Folge hat: Mit nur 5:56 Stunden steht das Mate S im Premium-Segment an letzter Stelle. Dieses Smartphone muss jeden Abend an die Steckdose, bei intensiver Nutzung macht es sogar schon früher schlapp.

Die übrigen Messungen verliefen zum Glück besser: Die Akustik ist sehr gut und die Funkeigenschaften sind zumindest solide – in Anbetracht des Vollmetallgehäuses wäre alles andere auch eine große Überraschung gewesen.

Huawei Mate S Kamera

© Huawei

Die rückseitige Kamera des Mate S

Kamera

Bei der Kamera hat Huawei an alles gedacht: Die Blende ist lichtstark (f2.0), der Autofokus arbeitet schnell und ein optischer Bildstabilisator hilft dabei, Verwackler auszugleichen. Die Kamera-Ausstattung und die Bildqualität lassen sich gut mit dem Schwestermodell Huawei P8 vergleichen. Das ist kein Wunder, weil Huawei den gleichen 13-Megapixel-Sensor einbaut, Sonys IMX 278. Der beeindruckt mit einer herausragenden Lichtempfindlichkeit, sodass bei Nachtaufnahmen mitunter sogar die Platzhirsche iPhone 6 und Galaxy S6 auf die hinteren Plätze verwiesen werden.

Allerdings hat der Sensor auch auf dem Mate S Probleme mit der Balance zwischen ISO und Belichtungszeit, wenn der Kontrastumfang eines Motivs sehr hoch ist, vor allem helle Bildbereiche werden dann zu stark aufgehellt. Trotzdem gilt: Diese Kamera spielt ganz weit vorne in der Oberliga. Auch die Frontkamera ist Spitzenklasse, der Sensor bietet eine mit 8 Megapixeln vergleichsweise hohe Auflösung und ein Blitzlicht erlaubt Selbstporträts im Dunkeln. Eine vergleichbare Selfie-Ausstattung bietet momentan nur das neue Moto X Style von Motorola.

Flankiert wird das Kamera-Paket von einer intuitiven Benutzeroberfläche, die unübersehbar vom iPhone inspiriert ist. Allerdings bietet Apple keinen Profi-Kamera-Modus, der manuelle Anpassungen von ISO, Helligkeit und Weißwert erlaubt. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist außerdem der Modus „Lichtmalerei“. Dabei wird die Blende dauerhaft geöffnet, der Betrachter kann in Echtzeit in der Kameravorschau verfolgen, wie das einfallende Licht das Motiv verändert und im passenden Moment den Auslöser drücken.

Videos nur mit Full HD

Auch im Videomodus setzt Huawei der Kreativität kaum Grenzen, es gibt zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und Modi, unter anderem Zeitraffer-Aufnahmen und einen Regisseur-Modus, bei dem sich bis zu drei Kameras per WLAN zusammenschalten lassen. Die maximale Auflösung ist allerdings auf 1920 x 1080 Pixel begrenzt, was zu wenig ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Top-Modelle 4K beherrschen. Immerhin: Die Videos sehen sehr gut aus, auch bei schnellen Schwenks geht die Kamera nicht in die Knie.

Huawei Mate S Fotos

© Huawei

Screenshot aus der Foto-App des Mate S´

Fingerabdruck-Sensor

Im Gegensatz zu Apple und Samsung platziert Huawei den Fingerabdruck-Sensor nicht vorne unter dem Display, sondern auf der Rückseite unterhalb der Kameralinse. Was ungewöhnlich klingt, geht schon nach der ersten Benutzung in Fleisch und Blut über. Zum einen, weil die Erkennungsrate hervorragend ist, zum anderen, weil der Zeigefinger ohnehin an dieser Position verharrt, wenn man das Smartphone in die Hand nimmt.

Nach dem Entsperren verwandelt sich der Sensor in ein kleines Touchpad, das clever in die Bedienung eingebunden ist: Wenn man von oben nach unten darüber streicht, gleitet die Statuszeile nach unten, der Wisch mit dem Zeigefinger von links nach rechts in der Bildergalerie blendet das nächste Foto ein. Mit einem Tipper auf die Sensorfläche kann man außerdem Anrufe annehmen oder den Alarm ausschalten.

Huawei Mate S Apps

© Huawei

Einstellungen zur Fingerabdruck-App des Mate S von Huawei

Fazit

In der Summe hinterlässt das Mate S einen zwiespältigen Eindruck. Das Gehäuse kann nicht nur locker mit den Premium-Modellen der großen Marken mithalten, es übertrifft sie teilweise sogar.

Aber der Preis ist mit 650 Euro ungewöhnlich hoch für ein Huawei-Smartphone. In dieser Liga spielen Apple, Samsung und Sony – und jede Schwäche wird gnadenlos bestraft. Huaweis neues Flaggschiff kommt nicht nur mit Lücken in der Connectivity, auch die Akkulaufzeit ernüchtert. Und beim Thema Software-Support bieten die Chinesen momentan nicht mehr als Regionalliga-Niveau. Sie wollen mit dem Mate S ganz oben mitspielen, halten sich aber nicht durchgängig an die hohen Standards, die dort mittlerweile gelten. Das könnte schiefgehen – ließe sich aber auch ändern.

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