Testbericht

Huawei P8 im Test: Ganz große Klasse

Das neue Huawei-Flaggschiff P8 zeigt im Test eine ähnliche Ausstattung wie die Topmodelle von Apple und Samsung, kostet mit knapp 500 Euro aber deutlich weniger. Ist es die günstige Alternative zu Galaxy S6 und iPhone 6?

  1. Huawei P8 im Test: Ganz große Klasse
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Huawei P8

© connect

Huawei P8
EUR 286,10

Pro

  • flacher, eleganter Aluminium- Unibody
  • Haptik und Verarbeitung erstklassig
  • exzellente Kamera mit zahlreichen Extras
  • sehr gute Funkeigenschaften im LTE-Netz

Contra

  • kein ac-WLAN
  • Ausdauer nicht überzeugend
  • Schwächen im GSM-Betrieb
85,0%

Das Huawei P8 mit im Test mit seinem schlanken und eleganten Aluminiumgehäuse auf den ersten Blick deutlich: In die Schublade "Billighersteller" gehört Huawei schon längst nicht mehr.

Design

Die vielen Details, die man beim genaueren Hinschauen ausmacht - etwa der feine Anschliff des Rahmens oder die geriffelte Oberfläche der Power-Taste -, zeigen vielmehr: Huawei bewegt sich mit dem P8 auf Augenhöhe mit Design-Ikonen wie dem iPhone 6 (Test) und dem HTC One M9 (Test).

Dem chinesischen Telekommunikationsriesen, der zu den größten Netzwerkausrüstern und Smartphone-Produzenten der Welt gehört, gelingt es sogar, die beiden Konkurrenten in einem Aspekt zu übertreffen: Die Kameralinse ragt nicht aus der Rückseite heraus, sondern ist plan in die Oberfläche integriert.

Handhabung und Verarbeitung

Die sehr kantige Formensprache des Huawei-Flaggschiffs sorgt allerdings dafür, dass es nicht besonders ergonomisch in der Hand liegt - aber das ist Kritik auf allerhöchstem Niveau und letztendlich auch Geschmackssache. Wer sich für das P8 interessiert, sollte das Smartphone vor dem Kauf einfach mal ausprobieren.

Huawei P8

© Huawei

Unbestritten ist dagegen die nahezu perfekte Verarbeitung. So werden die beiden auf der rechten Seite in den Rahmen gefrästen Schlitze für Nano-SIM und Micro-SD von Kartenhaltern verschlossen, die bis auf das Zehntel eines Millimeters genau passen. Fast wundert man sich, dass das Gehäuse nicht wasserdicht nach IP-Norm ist, aber das hat Huawei dann doch nicht geschafft.

Display

Das Gehäuse kann also ohne Weiteres mit den Topmodellen der bekannten Marken mithalten. Doch wie sieht's mit der Ausstattung aus? Beim Display ist alles bestens: Huawei setzt auf ein 5,2 Zoll großes Panel mit 1920 x 1080 Pixeln - eine Auflösung, die auf dieser Größe völlig ausreichend ist. Helligkeits- und Kontrastwerte sind mit 436 Candela und 1:1450 im oberen Mittelfeld angesiedelt.

Prozessor

Der Prozessor ist ebenfalls über alle Zweifel erhaben: Die Neuentwicklung aus eigener Fertigung hört auf den Namen HiSilicon Kirin 930 und bringt acht Kerne mit, die nach dem big.LITTLE-Prinzip von ARM in zwei Clustern gruppiert sind und auf unterschiedlichen Leistungsniveaus arbeiten. Das garantiert eine hohe Energieeffizienz und gleichzeitig eine starke Performance. Zur Seite stehen der 64-Bit-CPU üppige 3 GB Arbeitsspeicher - mehr geht momentan nicht. Selbst Intensivnutzer und Gamer werden mit dem zufrieden sein, was Huawei hier anbietet.

Kamera

Ein besonderes Highlight ist die 13-Megapixel- Kamera, die qualitativ in einer Liga mit dem iPhone 6 und dem Galaxy S6 spielt und darüber hinaus eine Vielzahl spezieller Aufnahmemodi mitbringt. In dieser Form einzigartig ist zum Beispiel der Modus "Lichtmalerei", bei dem man in dunkler Umgebung live in der Kameravorschau verfolgen kann, wie das Bild bei einer Langzeitbelichtung entsteht.

Huawei P8

© Huawei

Die Kamera des Huawei P8 mit zwei LEDs.

Funkausstattung

Das Verbindungsspektrum reicht von NFC über Bluetooth 4.1 bis LTE Cat 4. Im Prinzip wird alles Wichtige unterstützt, aber wer genauer hinschaut, vermisst dann doch ein paar Dinge. Am schwersten wiegt die Reduktion der WLAN-Abteilung: Es fehlt nicht nur der schnelle ac-Standard, sondern das komplette 5-GHz-Band. Das P8 beherrscht nur 2,4-GHz-WLAN. Auch Premium-Schnittstellen wie zum Beispiel Qi zum drahtlosen Aufladen (bietet das Galaxy S6 (Test)) oder Infrarot (bietet das One M9) fehlen. Stereo-Lautsprecher sind ebenfalls nicht dabei, was allerdings verschmerzbar ist, weil der Speaker auf der Unterseite ein erstaunlich gutes und klares Klangbild produziert.

Software

Auf dem P8 ist die aktuelle Android-Version 5.0 installiert, die in Verbindung mit Huaweis Benutzeroberfläche EMUI 3.1 eine frustfreie Benutzung garantiert. Bei der Bedienstruktur orientieren sich die Chinesen an Apples iOS: Der bei Android sonst übliche App-Drawer, der alle Apps in einem separaten Menü sammelt, fehlt. Stattdessen werden sie wie beim iPhone direkt auf den Homescreens abgelegt.

Bedienung

Die Oberfläche gefällt aber vor allem aufgrund ihres modernen Layouts. Die fein gezeichneten Schriften und Symbole sehen frischer und moderner aus als bei Googles nativem Android.

Huawei P8

© Huawei

Wichtige Einstellungen für das Design und die Apps.

Ebenfalls stark sind die umfassenden Anpassungsmöglichkeiten, die in der App "Designs" übersichtlich aufbereitet werden, und die Kontrollmöglichkeiten für Apps, die in dieser Tiefe kein anderer Smartphone-Hersteller erlaubt. So kann der Nutzer genau festlegen, welche App geschlossen werden soll oder weiter im Hintergrund aktiv bleiben darf, wenn das Display deaktiviert wird.

Genauso ist es möglich, zu definieren, ob und wie eine App sich mit dem Internet verbindet (WLAN oder Mobilfunk) und wie sie über neue Ereignisse informiert (Statusleiste oder Sperrbildschirm). So hat man die volle Kontrolle darüber, welche App wann aktiv ist und Daten verschickt. Das birgt allerdings auch gewisse Risiken für unerfahrene Nutzer: Wer etwa Whatsapp nicht gestattet, im Hintergrund aktiv zu bleiben, darf sich nicht darüber wundern, dass neue Nachrichten nur eintreffen, wenn das Display aktiviert wurde.

Ausdauer

Federn lassen musste das P8 im Labor. Die Akkulaufzeit ist - und das muss hier so deutlich gesagt werden - eine Enttäuschung. Zum einen, weil das P8 mit 5:58 Stunden im definierten connect-Nutzungsmix teils sehr deutlich hinter den aktuellen Topmodellen der Konkurrenz bleibt. Das Galaxy S6 schafft beispielsweise 7:30 Stunden. Zum anderen, weil das P8 auch viel schlechter als der Vorgänger Ascend P7 (Test) abschneidet, der mit 6:54 Stunden fast eine Stunde länger durchhält - und das, obwohl Huawei die Kapazität des Akkus beim Nachfolger von 2500 mAh auf 2680 mAh erhöht hat. Mit dem P8 kommt der Nutzer gerade so über den Tag - das ist für ein Flaggschiff im Jahre 2015 einfach zu wenig.

Funkeigenschaften

Gespannt haben wir auch die Messungen in der Hochfrequenzkammer erwartet, denn die Frage stand im Raum: Schafft Huawei es mit seinem Know-how als Netzwerkausrüster, ein Smartphone zu bauen, das trotz Aluminiumgehäuse durch die Bank gute Funkeigenschaften aufweist? Leider nicht, auch die Chinesen können nicht zaubern. Die Ergebnisse fallen ganz ähnlich aus wie beim Vollmetall-Boliden One M9 von HTC: Der GSM-Empfang schwächelt deutlich, im für das Telefonieren wichtigeren UMTS-Netz reicht es aber für die Note "gut". Und der LTE-Empfang wurde sogar so weit optimiert, dass das P8 hier fast die volle Punktezahl erreicht. Alles in allem eine gute, aber keine überragende Performance.

Fazit: Starke Alternative trotz Schwächen

Die Defizite im GSM-Netz und bei der Ausdauer kosten wertvolle Punkte, sodass das P8 in der Bestenliste hinter dem Vorgänger Ascend P7 landet. Das neue Huawei-Flaggschiff hat aber trotzdem eine Empfehlung verdient, denn die Chinesen bieten in einigen Bereichen eine Qualität, die man sonst nur bei den deutlich teureren Top-Smartphones der großen Marken findet.

An erster Stelle steht die Kamera, die mit iPhone 6 und Galaxy S6 gut mithalten kann. Auch Design, Haptik und Verarbeitung sind jeweils Spitzenklasse. Daher ist das P8 trotz der Schwächen eine starke Alternative zu den Flaggschiffen von Apple und Samsung.

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