Testbericht

Im Test: Audio Research Reference Anniversary

Zum 40-jährigen Jubiläum schenkte sich Audio Research mit der Reference Anniversary (27000 Euro) eine Vorstufe, die mit Röhren-Einfachheit und Netzteil-Aufwand alles in den Schatten stellen will.

  1. Im Test: Audio Research Reference Anniversary
  2. Datenblatt
Audio Research Reference Anniversary

© Archiv

Audio Research Reference Anniversary

Der gigantische Auftritt der neuen, 27000 Euro teuren Röhrenvorstufe Reference Anniversary von Audio Research begeistert den High Ender spontan. Den Techniker verführt sie dazu, die Causa nüchtern zu überdenken. Was muss solch eine Gerätschaft eigentlich leisten?

Audio Research Ref Anniversary

© Archiv

Zu den zahlreichen Eingängen zählt auch ein "Processor" genannter Input mit fixer Verstärkung. Die Cinch-Buchsen eignen sich eher für Hilfsaufgaben.

Gehen wir von 1 Volt Ausgangsspannung und 10 Kiloohm Eingangswiderstand des nachfolgenden Endverstärkers aus, kommen wir auf ein zehntausendstel Watt. Sicher kein Grund, solch ein riesiges Netzteil im separaten Gehäuse zu beschäftigen wie Audio Research bei dem summa summarum 34,8 Kilo schweren Anniversary-Boliden. Es geht also um nichts als die Reinheit der Versorgungsspannungen. Letztlich weiß der gestandene High Ender einfach aus Erfahrung: Sie kann gar nicht hoch genug sein. So nimmt er das Innere der Power Supply umso freudiger in Augenschein.

Audio Research Ref Anniversary

© Julian Bauer

In der Anniversary arbeiten acht Doppeltrioden. Je zwei Systeme einer Röhre werkeln in Parallelschaltung, was die Stromkraft erhöht. Um den Stromumschlag abermals zu vereinfachen, erhielt die Anniversary riesige und sündhaft teure Teflon-Ausgangskondensatoren. Über Edel-ICs von Maxim wird die Lautstärke geregelt, jeweils für rechts und links sowie für den symmetrischen Plus- und Minuskanal.

Als erstes bewundert er die beiden Schnittbandkern-Trafos, die für den rechten und den linken Kanal die akustisch besonders relevanten Anodenspannungen aufbereiten. Nicht weniger als 16 Elkos mit 470 und vier weitere mit 220 Mikrofarad halten  diese  180  Volt eigentlich schon sehr konstant. Den Elko-Speichern vorgeschaltete, aus Drosseln und Widerständen gebildete Strombremsen garantieren überdies, dass sich die Nachladung nie ruppig vollzieht.

Audio Research Ref Anniversary

© Julian Bauer

Zwecks radikaler Störsäuberung werden die zahlreichen Speicher-Elkos von hochfrequenztüchtigen Folienkondensatoren flankiert. Kapitale Endröhren des Typs 6550 stabilisieren die 180 plus minus null Volt für die Versorgung der verstärkenden Trioden.

Das hielt die Amerikaner nicht davon ab, für die finale Stabilisierung elektronische Kreise einzubauen. Darin steuern ein Burr-Brown-IC und eine Doppeltrioden-Röhre eine dicke Leistungspentode 6550, die wie ein unendlich schnell reagierender variabler Widerstand als Längsregler dient.

Nicht ganz so aufwendig geht es bei der Aufbereitung der weiteren Versorgungspotenziale zu. Immerhin haben extra hierfür zwei weitere Ringkerntrafos, zwölf Stabi-ICs, ein gutes Dutzend Elkos und zahlreiche Hochfrequenzen ausputzende Folienkondensatoren ihre Heimat in der Power Supply gefunden. Eine Hand voll solcher Bauteile findet sich schließlich auch in der eigentlichen, über dicke Kabeltrossen angebundenen Vorstufe.

Dort säubern sie die relativ hohen Gleichströme für die Heizung unmittelbar bei den Verstärkungs-Röhren vor Ort. Wie schon in der Reference 5 verwendet Audio Research in der Anniversary russische  6H30, die im Vergleich zu den ECC-Allerwelt-Trioden bei geringerem Klirr mehr Stromkraft bieten. Jetzt sogar noch mehr, denn musste die Reference 5 mit Einzelkämpfern auskommen, haben die Amerikaner die beiden Röhrensysteme, die in einem Glaskolben stecken, parallel geschaltet.

Damit schließlich zum einen die Gleichspannungs-Trennung und zum anderen der Musik-Fluss noch besser funktionieren, hat die Jubelvorstufe statt bereits guter Folien nun Monster an Auskoppelkondensatoren bekommen - mit Teflon- statt Polyäthylen-Isolation. Dieser Aufwand wurde nicht nur einmal für rechts und links getrieben, sondern auch für den symmetrischen Plus- und Minus-Kanal. So darf der High Ender die Verstärkerzüge als Fortsetzung eines entsprechenden Zwillingskabels betrachten.

Dass die von Maxim-Edel-ICs bewerkstelligte 104-stufige Pegelregelung ebenfalls keinen Stolperstein darstellt, nahmen die Tester schon im Frühjahr bei der Reference 5 wahr. Wobei die doppelte Portion der Anniversary jetzt zunächst überaus ähnlich klang. In der symmetrischen Verbindung mit dem Player CX-7e MP und den Monoblöcken MX-R von Ayre sowie den Superboxen Magico M 5 sorgten beide Vorstufen für noch mehr Luft und Wärme als selbst die stereoplay-Referenz TEP 3800 von Thorens.

Sie schlug wie gehabt mit unfasslicher Impulsivität und saftig-plastischer Abbildung zurück. Nun begann die Anniversary aber erst einmal zu reifen. Stunde um Stunde öffnete sie größere Räume. Mit jedem Tag stellte sie - ohne dem Hörer je etwas mit Gewalt um die Ohren zu schlagen - engagiertere Musiker auf die Bühnen.

Audio Research Ref Anniversary

© stereoplay

Klirr-Analyse XLR: Perfekt verlaufende Komponten, k2 dominiert
Audio Research Ref Anniversary

© stereoplay

Frequenzgänge: Ausgewogen mit sanftem Höhen-Rolloff.

Dann handelte sich die Thorens zum ersten Mal in ihrem High-End-Leben Kritik ein. "Die Anniversary bringt Jack Johnsons Stimme relaxter, natürlicher. Die Thorens erscheint mir zu streng", wagte ein Juror zu äußern. In der Tat ließ die Amerikanerin den Gitarren-Rhythmus von "To The Sea" schöner rollen, Hand und Plektrum agierten gelenkiger, das Spiel erschien reicher an schönen Höhenreflexen.

Bei Cinch-Ansteuerung aber sackte die Pracht etwas in sich zusammen, und die Thorens durfte sich den Angstschweiß von der Stirn wischen. Die Deutsche bleibt Referenz; bei symmetrischem Betrieb hat ab sofort eine zweiteilige Amerikanerin das Krönchen auf.

Technik im Detail

Im Grunde erledigt eine einzige Triode den Hauptteil der Verstärkungsarbeit. Im symmetrischen Fall sind es zwei, im Diagramm die erste obere und die untere rechts. Bei ihrer Aufgabe werden die beiden von dem unfassbar aufwendigen Netzteil unterstützt.

Daneben gibt es für die Kathoden noch eine Halbleiter-Stromquelle, welche die Aussteuerung erleichtert. Die folgenden, kondensatorlos angekoppelten Trioden dienen vor allem dazu, die Stromkraft des Ausgangs zu erhöhen. Die gesamte Anordnung kommt ohne Gegenkopplungsschleife aus.

Audio Research Reference Anniversary

HerstellerAudio Research
Preis27000.00 €
Wertung62.0 Punkte
Testverfahren1.0

Mehr lesen

Wer ist die Nummer eins? -

Mehr zum Thema

Audiolab 8200 CDQ
Testbericht

Dem Audiolab 8200 CDQ (1200 Euro) fehlt lediglich eine eigene Endstufensektion, um sich vollends als Audio-Pendant zum Schweizer Allzweck-Messer zu…
Antelope Zodiac Plus
Testbericht

Antelope Audio ist in Studiokreisen für präzise Taktgeneratoren bekannt. Mit DAC-Vorverstärker Zodiac Plus (2200 Euro) katapultiert sich die Firma…
Exposure 3010 S2 Pre
Testbericht

Exposure stellt mit der 3010 S2 Pre eine Vorstufe auf die Gummifüße, die knapp 1200 Euro kostet und in der Preisklasse kaum Konkurrenz vorfindet.
Audio Research LS-27
Testbericht

Im Test: Röhren-Vorstufe Audio Research LS-27
Audio Research VS-115
Testbericht

Im Test: Röhren-Vorstufe Audio Research VS-115
Alle Testberichte
Acer Switch Alpha 12
Detachable
75,4%
Das Acer Switch Alpha 12 ist das erste lüfterlose 2-in-1-Gerät mit Core-i-Prozessor. Im Test hinterlässt es einen…
Huawei P9 Plus
5,5-Zoll-Smartphone
88,0%
Huawei optimiert das P9 und heraus kommt ein echter Überflieger: Wir haben das Huawei P9 Plus getestet.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.