Testbericht

Im Test: D/A-Wandler Moon 100D

Wer sich nach dem Vergleichstest in AUDIO den Moon 300D gekauft hat, wird diesem Artikel vielleicht mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Immerhin liegen zwischen dem 300er und seinem kleinen Bruder 100D glatte 850 Euro, die eigentlichen Wandlerstufen sollen sich aber stark ähneln.

Moon 100D

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Moon 100D
Moon 100D

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Die drei Digital-Eingänge durften in den meisten Fällen ausreichen.

Hätte der 100er also vielleicht schon ausgereicht, um die Audio-Daten des Netzwerkspielers, der Set-Top-Box oder des Computers wieder in HiFi-gerechte Klänge zu verwandeln? Mehr als diese drei Quellen wird kaum jemand an seinem DAC anschließen, weshalb auch der zusätzliche, insgesamt vierte Digitaleingang am 300er kein wirklich starkes Argument ist.

Äußerlich betrachtet bleibt nur das symmetrische Ausgangspaar des Moon 300D als echter Bonus übrig: Kombiniert man es mit einem geeigneten, voll symmetrisch aufgebauten Verstärker, klingt das tatsächlich besser.

Schauen wir erstmal in die Moons hinein: Die DAC-Platine hat zwar in beiden ein ähnliches Format, ist aber durchaus unterschiedlich in Layout und Bestückung. In beiden Fällen identisch ist tatsächlich der eigentliche Wandler, ein PCM1793 von Burr-Brown, und auch dessen Ausgangsstufe hat Moon für den 100D übernommen.

Moon 100D

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Kann mehr als nur umschalten: Fast genau in der Mitte der Moon-Platine sitzt der quadratische SRC4392. Der 10-Dollar-Chip übersetzt ankommende Datenströme in ungeradzahlig höher getaktete Äquivalente und trennt damit Wandler- und Quellen-Takt.

Der 100er ist gleichwohl kein abgespeckter 300er, sondern folgt einer anderen Philosophie. Während der 300D die Signale der Digital-Inputs lediglich mit einem Input-Receiver (Cirrus CS8416) umschaltet und ansonsten unverändert dem Wandlerchip füttert, lässt das Eingangs-IC des 100D in den anrückenden Signalen kein Bit auf dem anderen.

Der relativ teure Burr-Brown SRC4392 besitzt eine integrierte, asymmetrische Abtastratenwandlung, die die Zahl von Abtastwerten pro Sekunde um einen ungeradzahligen Faktor erhöht. Von 44.1 nach 192 kHz etwa müssen aus einem Original-Sample ca. 4,3537414 neue entstehen - das geht nur, indem der SRC die Bits in einen Puffer liest und daraus einen komplett neuen Datenstrom mit der Ziel-Taktrate berechnet.

Moon 100D

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Die Abtastraten-Wandlung hat Auswirkungen auf Messwerte und Klang eines Wandlers. Wie beim ähnlich konstruierten M1 DAC von Musical Fidelity (der ebenfalls den SRC4392 verwendet) lässt die Pufferung mit anschließender Neuberechnung Taktschwankungen im Quellsignal verschwinden: Egal, wie gut oder schlecht das angeschlossene Laufwerk ist - am Ende stehen hervorragend niedrige Jitterwerte im Messprotokoll.

Andererseits bedeutet Upsampling eine Interpretation der Ausgangsdaten, die nicht ohne Rechenfehler abgehen kann. Ob unterm Strich ein Vor- oder Nachteil resultiert, hängt von der Qualität des SRC, der Harmonie mit dem DAC und vielen anderen Faktoren ab.

Dass Simaudio ausgerechnet beim kleinsten Modell den Extra-Aufwand riskiert, leuchtet ein: Der Moon 100D wird in der Praxis deutlich häufiger als sein Bruder auf jitterverseuchte Quellen stoßen. Nahezu frei vom Takt-Tatterich ist freilich der Linn Sneaky DS, der den Moon im Hörtest mit Digital-Streams unterschiedlichster Abtastraten fütterte. Dabei fiel als erstes auf, dass der kleine Moon etwas wählerischer ist als der 300D: Die beiden ganz hohen Samplingraten (176.4 und 192kHz) akzeptierte er nicht, wenn der Sneaky DS sie schickte, wohl aber, wenn das AudioPrecision-Messsystem im Labor sie generierte.

Moon 100D

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Frequenzgang: Moon 100D

Tonal ähnelten sich die Moons tatsächlich sehr: Beide sind saftig-weich und trotzdem obenrum detailfreudig abgestimmt. Größenmaßstab, Abbildungsgenauigkeit und Spielfreude schienen dagegen von der größeren Stromversorgung des 300D zu profitieren (der 100D hat ein Steckernetzteil): Der große Moon spielte merklich kraftvoller, weiträumiger und präsenter, ist den Mehrpreis also nach wie vor wert. Erst recht, wenn darüber auch HD-Material laufen soll.

Moon 100D

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Jitter: Moon 100D

Messlabor

Der Moon 100D gibt sich mit seinen lückenlos hervorragenden Messwerten als solide, ausgereifte Konstruktion zu erkennen. Der Wandler ist rausch- und störarm (109dB), besitzt praxisgerechte Anschlusswerte (2V Ausgangsspannung, 100Ω -widerstand), linealgerade Frequenzgänge und einen sehr geringen, zudem harmonisch zu höheren Ordnungen abfallenden Klirr.

Typisch für Wandler mit asynchroner Abtastratenwandlung: Die Jitterspektren für Koax und USB unterscheiden sich nur im bei USB minimal höheren Rauschgrund und bleiben von der Quelle nahezu unbeeinflusst.

Fazit

Räumlich etwas enger, dafür seidiger und feiner als der Musical Fidelity M1, ist der Moon 100D eine tolle Alternative in der 500-Euro-Klasse.

Moon 100D

HerstellerMoon
Preis550.00 €

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