Testbericht

Im Test: Netzwerkplayer Musical Fidelity M1 Clic

Der britische Edelhersteller Musical Fidelity sorgt für die größte Überraschung in diesem Test: Sein erstes Streaming-Produkt, der M1 Clic ist auf Anhieb so perfekt, dass man den großen Firmen zurufen möchte: Schaut her, so geht's richtig.

  1. Im Test: Netzwerkplayer Musical Fidelity M1 Clic
  2. Datenblatt
Musical Fidelity M1 Clic

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Musical Fidelity M1 Clic

Antony Michaelson hat ein Problem, um das ihn andere beneiden dürften: Sein neuestes Produkt ist so vielseitig, dass es schwerfällt, eine Bezeichnung dafür zu finden. Es kann mehr als ein normaler Netzwerkplayer, und ein Vorverstärker oder D/A-Wandler ist es erst recht nicht - auch wenn es Funktionen dieser Geräte beinhaltet. "Universal Music Controller" heißt nun halbwegs treffend die neue Gattung, der der M1 Clic gewissermaßen als Gründer angehört.

Musical Fidelity M1 Clic

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Drei Line-Eingänge für zusätzliche Quellen, vier Digitaleingänge inklusive USB, iPod-Digitalanschluss und zwei Ausgänge (geregelt und ungeregelt) reichen für die meisten Anlagen.

Funktionen

Was den M1 Clic von vielen ähnlichen Konzepten abhebt, ist nicht irgendein Killer-Feature, sondern die perfekte Mischung sinnvoller Funktionen. Der kleine Musical hat alles, was er als Herz einer modernen Anlage braucht. Und verkneift sich das, was man heute nicht mehr braucht, oder was aus technischen Gründen besser ausgelagert wird.

So findet sich im M1 Clic eine vollwertige Vorstufe mit drei analogen Eingängen, aber kein Leistungsverstärker. Das Argument ist logisch: ein Winz-Amp, der in das 22 Zentimeter schmale Gehäuse passt, wäre ein fauler Kompromiss für einen Hersteller, der seit den 70er Jahren vor allem für seine Verstärker berühmt ist. Ein größerer dagegen würde das ganze Gerät unnötig klobig und teuer - und es zudem für Besitzer etwa von Aktivboxen oder von bereits existierenden Endstufen unattraktiv machen.

Auch beim Radio fährt Michaelson eine klare Linie. "DAB hat sich nicht durchgesetzt" kommentiert der Brite den selbst in seiner Heimat (eigentlich einer Digitalradio-Hochburg) eher dahinkümmernden Steuer- und Gebührenfresser - und setzt stattdessen voll aufs Internet. Die Radio-Umsetzung im Clic ist dann auch erstklassig: Per Textsuche findet sie sekundenschnell jeden Sender in der Tausende Einträge umfassenden Sammlung des bewährten Dienstleisters vTuner.

Musical Fidelity M1 Clic

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AUDIOgramm

Wer lieber auf gut Glück in den Listen stöbert, freut sich über das wunderbar augenfreundliche Farb-TFT-Display, das lange Stationsnamen selbstverständlich in Laufschrift darstellt und beim Hören eines Senders auch dessen Logo und gegebenenfalls Metadaten zum aktuellen Programm anzeigt.

Ein am rückwärtigen USB-Port eingesteckter iPod beamt seine Menüstruktur auf den Bildschirm und erlaubt eine bequeme Navigation durch die auf ihm gespeicherten Alben. Vom aktuell laufenden zeigt der Musical Fidelity dann sogar das Cover an - man kann auch ohne derartige Eleganz leben, aber der Spaßfaktor des M1 Clic steigt durch solche netten Kleinigkeiten einfach ungemein.

UPnP-Server

Wie ausgereift der Netzwerk-Erstling des Londoner Unternehmens schon jetzt ist, wird aber vor allem beim Streaming von einem UPnP-Server augen- und ohrenfällig: Durchgehende Alben - "Dark Side Of The Moon", "La Traviata", DJ-Mixe, Konzept- und beliebige Liveplatten - laufen perfekt so, wie sie gedacht sind: durchgehend nämlich, ohne den kleinsten Rucker, Zucker oder Aussetzer zwischen den einzelnen Tracks.

Musical Fidelity M1 Clic

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Jitterspektrum: über S/PDIF und USB (abgebildet) noch besser als über Netzwerk. Sehr niedrige Gesamt-Werte (160-170ps) durch asymm. Abtastratenwandlung.
Musical Fidelity M1 Clic

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Analog In (unten) sehr breitbandig, via Netzwerk bei allen Samplingraten (44.1, 96, 192) sehr ausgewogen. Bandbreite auf ca. 35 kHz begrenzt.

Das ist - siehe T+A, Marantz, Denon und viele andere - leider immer noch nicht selbstverständlich. Ebensowenig die Wiedergabe von ultra-hochauflösenden Studio-Master-FLACs mit 176.4 oder 192kHz Abtastrate: Fast alle Spieler verweigern hier den Befehl - der Musical Fidelity dagegen spielt die Files unbeirrt ab.

Dass der Clic dann auch klanglich überzeugt, ahnt man nun fast schon. Obenrum frisch, präzise  und anspringend dynamisch, unten aber zum Glück mit wuchtigem Bass-Gegengewicht geerdet, spielt der Clic größer, breitbandiger, aber auch etwas gröber als der Linn Sneaky - direkt an der Endstufe reicht das für Gleichstand. Mit Festpegel am separaten Vorverstärker ist der dem Engländer einen kleinen, entscheidenden Schritt voraus.

Messlabor

Mit über 8 Volt Spannung und 100Ω Ausgangswiderstand treibt der Pre-Out des Clic jeden Aktivlautsprecher und jede Endstufe auch über längere Kabel. Mit gutem Störabstand (108dB), sehr geringem, harmonisch gestuftem Klirr und verschwindend geringem Jitter sind auch die restlichen Messwerte wie aus dem Bilderbuch. Einzige technische Auffälligkeit: Das Testgerät spielte keine wav-Dateien - ein Firmware-Update könnte diese Lücke aber bis Verkaufsbeginn im Januar geschlossen haben. Ein eigenes Steuer-App für den Clic gibt es nicht, PlugPlayer (3,99€) funktioniert aber gut (allerdings spielt der Clic dann nicht gapless).

Musical Fidelity M1 CLIC

HerstellerMusical Fidelity
Preis1600.00 €
Wertung105.0 Punkte
Testverfahren1.0

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