Testbericht

Interview Achim Scherner Manager dts Professional Audio Europe

"Der dts-Core bei Blu-ray hat die doppelte Datenrate von DVD"

Achim Scherner Manager dts Professional Audio Europe

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Achim Scherner Manager dts Professional Audio Europe

stereoplay: Sind die HD-Formate denn eigentlich Pflicht bei Blu-ray-Playern?

Achim Scherner: Nein! Lediglich DTS Digital Surround, DTS Express für Secondary Audio, AC3 und natürlich PCM. Jegliche weitere Technologie ist immer optional, und es bleibt dem Hersteller überlassen, ob er diese in seinen Player implementieren möchte. Darüber hinaus muss ein Player mit einer HDMI-, einer optischen oder koaxialen Digital- sowie einer Stereo-Analog-Schnittstelle ausgestattet sein - Multikanal-Analog hingegen ist optional.

?: Im Gegensatz zu Dolby, wo parallel zu nicht datenreduziertem True HD herkömmliche Dolby-Digital-Tonspuren vorhanden sein müssen, erweitert DTS den Core mit Zusatzdaten hin zu DTS HD Master Audio. Woher kennt DTS die Informationen, die bei der Datenreduktion weggelassen worden sind? Anders ausgedrückt: Wie wird der DTS-Ton älterer Filme auf den neuesten HD-Stand gebracht?

!: DTS hat seit jeher mit Core plus Extension gearbeitet, so zum Beispiel bei der Einführung von DTS ES oder DTS 96/24. Der Vorteil ist, dass jeder, der einen DTS-Decoder in seinem System hat, immer was hören wird, selbst wenn der Decoder die Extension nicht unterstützt. Dann wird sie ignoriert und nur der Core decodiert. Die Summe aus dem Core und der Master Audio Extension bildet das verlustfreie PCM des Ausgangsmaterials ab, die Extension trägt also die Differenz aus dem Ausgangsmaterial und dem, was im Core encodiert ist.

Die Extension kann aber nicht einfach auf einen existierenden Datenstrom, der für eine DVD produziert wurde, aufgesetzt werden. Es ist in der Tat so, dass vor dem Authoring jeweils ein neuer Encode in Master Audio für die Blu-ray und eventuell ein weiterer Encode für DVD gemacht werden muss. Das liegt daran, dass sich bei dem Formatwechsel von DVD zu Blu-ray die Packetgröße für die Audio-Datenströme verändert hat. Selbst wenn man auf einer Blu-ray einen herkömmlichen DTS-Digital-Surround-Datenstrom unterbringen will, also quasi den gleichen wie auf einer DVD, muss man für beide Formate separat encodieren.

Das birgt letztlich aber Vorteile in sich, da viele Veröffentlichungen für die Blu-ray extra neu gemischt werden. Dabei wird vor allem von 5.1 zu 7.1 upgemixt, so geschehen unter anderem bei "Die Schwerter des Königs" oder "Die Reise der Pinguine" - um nur zwei Titel zu nennen. Viele weitere sind ebenfalls schon erhältlich oder in Vorbereitung.

Ein Encode geht relativ schnell, sehr viel schneller als Echtzeit. Diese Architektur des Datenstroms garantiert, dass er zu jedem DTS-Decoder, der seit 1996 verkauft wurde, kompatibel ist. Hat man einen AV-Receiver mit einem DTS-Decoder mit nur einem optischen Eingang, so wird der Core von Blu-rays mit 1,5 Megabit pro Sekunde übertragen und im Receiver decodiert. Das ist immerhin die doppelte Datenrate im Vergleich zu den meisten DVDs, die einen DTS-Digital-Surround-Strom tragen. Aus Platzgründen ist dort meist eine Datenrate von nur 754 kbps verwendet worden - also auch mit älterem Equipment habe ich bereits eine deutliche Qualitätssteigerung.

?: Nach welchen Vorschriften macht DTS einen Downmix von Mehrkanal zu Stereo?

!: Ein Downmix muss ja immer gemacht werden, da für Analog-Ausgänge nur Stereo Pflicht ist. DTS benutzt dafür Metadaten, mit denen die Mixverhältnisse im Datenstrom hinterlegt sind. Die Art des Downmixes kann vom Ingenieur, der für das Encoding zuständig ist, individuell angepasst werden. Wichtig ist, dass wir bei 7.1-Filmtonvorlagen immer zuerst einen Downmix von 7.1 zu 5.1 machen und in einem zweiten Schritt dann von 5.1 zu 2.0 downmixen. Damit werden alle denkbaren Setups optimal mit Audio bedient - sowohl der ältere AV-Receiver, der optisch über TosLink angesteuert wird, als auch der Stereo-Fernseher, der die Tondaten über HDMI oder analog stereo bekommt.

?: Woran liegt es, dass Sonys Playstation 3 die Daten nur als PCM und nicht als Stream ausgeben kann, obwohl sie ein Update für DTS HD Master Audio bekam?

!: Den DTS-HD-Stream kann der Player nur ausgeben, wenn er für 'Advanced Digital Out' zertifiziert ist. Dazu muss er eine HDMI-1.3-Schnittstelle haben. Nur dieser Standard ist in der Lage, Lossless-Audio-Datenströme zu übertragen - unabhängig vom Format. Bei der PS 3 wurde ein anderer Weg beschritten, nämlich den Stream intern zu decodieren und dann über HDMI als acht Kanäle PCM auszugeben - was HDMI von Anfang an beherrschte. Es gibt aber gute Gründe, die für ein Decoding im Player sprechen. Beispielsweise Interaktives Audio oder auch Secondary Audio für Anwendungen mit Ton von Bild-in-Bild. Dabei werden alle möglichen Datenströme wie Primary und Secondary Audio oder oft als MP3 codierte Button Sounds im Player decodiert und gemischt - in der bestmöglichen Qualität.

Gibt der Player aber den Bitstream aus, erhält der Receiver nur einen einzigen Audio Stream zum Decodieren, den eigentlichen Filmton. Die Button Sounds und Secondary Audio von den Vorspännen oder Hintergrundinfos fehlen.

?: Warum ist die maximal mögliche Ton-Datenrate bei DTS höher als bei Dolby?

!: DTS wurde eine höhere Datenrate auf Blu-Ray eingeräumt. Das liegt unter anderem daran, dass wir keinen zweiten Datenstrom unterbringen müssen. Daher können wir rein rechnerisch genauso viel Platz beanspruchen wie unkomprimiertes PCM. Da wir Audio aber auf etwa 50 Prozent komprimieren, wird der Master-Audio-Datenstrom immer kleiner sein als das unkomprimierte Ausgangsmaterial.

?: Warum braucht es zwei unkomprimierte, theoretisch gleichklingende Mehrkanalformate?

!: Letztlich sind es sogar drei Formate - Mehrkanal-PCM ist ja auch zugelassen. Dabei geht es nicht um die Audioqualität, die sollte ja bei "Lossless" Bit für Bit identisch sein. Sondern um die Effizienz des Transportformats. Wir streben nach einer Lösung, die jedem nur erdenklichen Set-up Rechnung trägt und gleichzeitig so komprimiert ist, dass sie Platz auf dem Medium spart und mehr Raum für eine bessere Bildqualität oder mehr Bonusmaterial lässt.

?: Neben "Master Audio" gibt es ja auch ein "High Resolution"-Format. Was ist der Unterschied?

!: Master Audio ist lossless mit variabler Bitrate. Die Core-Bitrate kann verringert werden. Sie wird normalerweise bei 1,5 mbps belassen. Bei Standard-Filmen liegt die maximale Bitrate durchschnittlich bei 5 bis 6 mbps - abhängig vom Ausgangsmaterial. Je komplexer es ist, umso höher wird die maximale Bitrate sein. High Resolution ist verlustbehaftet und arbeitet mit einer konstanten Bitrate. Sie reicht von 2 bis 6 mbps, was beim Encoding vorgewählt wird. Sie liegt also deutlich höher als die Core-Bitrate von 1,5 mbps von DTS-Digital-Surround.

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