Lautsprecher

Jamo Concert C109 im Test

Hat da jemand "Design-Lautsprecher" gesagt? Nein! Mit der Reduktion auf Optik und bauchige Form tut man dem neuen Jamo-Concert-Flaggschiff Unrecht. Sie besticht auch mit druckvollem entspanntem Klang.

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© Jamo

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EUR 890,00

Pro

  • im Mittelhochtonbereich sensationell entspannt
  • guter Bass
  • elegant

Contra

Gut

Die Standbox Jamo Concert C109 zeigt im Test nicht nur ihre akustische Qualitäten, sondern überzeugt auch durch elegantes Design: Dabei ist schon die bauchige Form nicht nur eine Idee des englischen Industrial Designers Kieron Dunk, der für die C 109 verantwortlich zeichnet.

Sie war ebenso Wunsch der Entwicklungsingenieure, die eine elegante Standbox mit erwachsenem Tiefbass anstrebten und zugleich die seitlichen Gehäusewände - die größten und damit tendenziell resonanzanfälligsten - möglichst verwindungssteif bauen und nebenbei stehende Wellen im Gehäuse verhindern wollten.

Innenschicht

© Jamo-concert

Der Mitteltöner profitiert vor allem von der gebackenen Sandwich- Membran. Ihre Innenschicht besteht aus einer Wabenkonstruktion, die ultimative Festigkeit bei geringstem Gewicht verheißt.

Entstanden ist besagte geschwungene Form, die wahlweise in Hochglanz-Weiß oder -Schwarz oder in mattiertem Walnuss-Furnier erhältlich ist. Sie gibt zwar keinen Männer-Basschassis Platz, aber immerhin drei Konustönern im 7-Zoll-Format (18 cm). Um die Grenzen des technisch Möglichen auszureizen, wählte man eine vollwertige Drei-Wege-Konstruktion, die einem Paar reinen Basstönern die Schwerarbeit überlässt.

Die beiden stimmen in puncto Abmessungen mit dem Mitteltöner überein; dafür ermöglichen sie mit schwererer, aber stärkerer Antriebseinheit und langhubiger Sicke höhere Pegel und deutlich besseren Tiefgang. So kann das rückwärtige, großzügig verrundete Reflexrohr mit 38 Hz extrem tief abgestimmt werden, was insgesamt auch dem Timing der Box zugutekommt.

Bauteil

© Jamo-Concert

Die sehr sauber aufgebaute Weiche verwendet im Signalweg nur höchstwertige Bauteile. Obwohl etliche Lastwiderstände die Pegel zwischen den Chassis angleichen und die Box eine tiefe Gesamtabstimmung aufweist, ist der Kennschall dennoch erfreulich hoch.

Der Mitteltöner sieht ähnlich aus, seine Schwingeinheit ist aber leichter und somit schneller. Um stehende Resonanzen im Innenbereich der Membran zu vermeiden, ist der Polkern durch einen Alu-Waveguide mit invers perforierter Kegelformabgeschlossen, der zugleich Wärme von der Schwingspule nach außen leiten soll. Oberhalb von 2500 Hz übergibt dann die klassisch mit Filtern zweiter Ordnung aufgebaute Weiche an den Hochtöner.

Die Ein-Zoll-Seidenkalotte mit Spezialbeschichtung und außergewöhnlich großer Sicke ist vor allem durch ihren Einbauort ein technischer Leckerbissen: Die gesamte Hochtönerkonstruktion ist akustisch per Moosgummidämpfer von der Schallwand und dem Rest des Gehäuses entkoppelt, Schwingungen können sich also hier nicht übertragen. Der sich nach außen sanft öffnende Waveguide konzentriert die Schallwellen insbesondere im Bereich von vier bis acht Kilohertz auf den Hörplatz, was Kantenreflexionen weitgehend ausblendet und scheppernde Hall- und Echoeffekte im Hörraum unterdrückt.

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Das war auch zunächst das hervorstechendste Merkmal in der ersten Hörtestrunde: Die Jamo klang im Mittelhochtonbereich sensationell entspannt, selbst durchaus kritische Aufnahmen wie Alanis Morrisettes Album "Unplugged" erschienen transparent und klar. Beeindruckend waren die Geschlossenheit und die wunderbar holografische Stimmplatzierung, die auch bei größeren Hörabständen erhalten blieben.

Der Bass fügte sich bei Leonard Bernsteins "West Side Story" flink, tief und satt ins Geschehen ein und machte einige Songs aus dem Musical-Klassiker sogar in der Orchesterversion tanzbar. Allenfalls Blechbläser-Attacken und treibendeSchlagzeugrhythmen nahm die Jamo ein wenig sanfter als gewohnt und vermittelte so mit ihrer herausragenden Transparenz ein wenig das Gefühl der Bedächtigkeit.

Schwingspule

© Jamo-Concert

Der 7-Zoll-Bass teilt sich den ultrastabilen Gusskorb und Magneten mit dem Mitteltöner. Der wesentlichste Unterschied ist die Schwingspule, die einen stärkeren Antrieb und größere Hübe ermöglicht.

Wenn sich die musikalische Energie aus unteren oder mittleren Regionen entwickelte, wurde die C 109 demgegenüber zum Energiebündel. Etwa bei Tschaikowskys Ouvertüre "1812" (von der stereoplay-CD "Natural Bass 1"), bei der Pauken- und Kanonendonner mit Prägnanz, Tiefgang und straffem Timing ein wahrhaft würdiges Schlachtengemälde pinselten und den Hörer ganz in die Geschichte hineinzogen - und zwar bis zum Ende.

Bis zum Ende hörten die Tester auch alle Tracks: Selbst nach Metallicas durchaus harter Attacke im Song "One" mit knüppelnden Bassdrum-Gewittern stellte sich nicht die geringste Hörermüdung ein. Selten waren entspannende Klangtransparenz und Hörspaß so harmonisch vereint - und so schön anzusehen.

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