Testbericht

Jiayu S3 Basic im Test

Das Jiayu S3 Basic bietet für nur 249 Euro eine Top-Ausstattung. Im Test zeigt sich, dass es mit dem HTC One M9, das fast dreimal so viel kostet, technisch durchaus mithalten kann. Ist der hohe Aufpreis fürs M9 also überhaupt gerechtfertigt?

  1. Jiayu S3 Basic im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Jiayu S3 Basic

© connect

Jiayu S3 Basic

Pro

  • solide Verarbeitung
  • Dual-SIM-Funktion
  • Akku wechselbar
  • starke Funkleistungen bei LTE

Contra

  • leuchtschwaches Display
  • Kamera mit mäßiger Bildqualität
  • veraltete Android-Version
  • Ausdauer nur im Mittelfeld

Fazit

Dass das HTC One M9 das bessere Smartphone ist, dürfte niemanden überraschen. Interessant ist aber, wie groß die Distanz zum Jiayu S3 Basic ist.
83,0%

Das S3 Basic ist das aktuelle Flaggschiff von Jiayu und zeigt im Test eine High-End-Ausstattung samt 64-Bit-Prozessor, Full-HD-Display, 13-Megapixel-Kamera und schnellem LTE-Funk . Dabei kostet es nur 249 Euro. Hinzu kommt die Dual-SIM-Funktion, die es möglich macht, Geld beim mobilen Surfen zu sparen.

Wie kann es sein, dass ein Smartphone, das technisch mit den ganz Großen mithalten kann, nur ein Drittel so viel kostet? Ist da was faul? Oder bezahlen wir seit Jahren viel zu viel für unsere elektronischen Assistenten?

Support in Deutschland

Es gibt Menschen, die dem chinesischen Smartphone-Hersteller Jiayu vorwerfen, die Top-Smartphones von Apple und Samsung schamlos abzukupfern. Und es gibt nicht wenige, die glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Unternehmen wegen widerrechtlicher Aneignung geistigen Eigentums verklagt wird - also wegen Diebstahls.

Jiayu stört sich daran nicht. Über eine Niederlassung in Kassel vertreibt die Firma ihre Telefone ganz legal in Deutschland, bietet telefonischen Kundenservice und technischen Support - für einen chinesischen Billighersteller alles andere als selbstverständlich.

Jiayu S3 und HTC One M9

© Jiayu, HTC

Größenvergleich: Links das Jiayu S3, rechts das HTC One M9

Hierzulande ist das Unternehmen noch kaum bekannt, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass monatlich zwischen Kiel und München gerade einmal 2000 Jiayu-Geräte über den (virtuellen) Ladentisch gehen. Auch international ist die Firma ein kleines Licht: 2014 verkaufte sie 300.000 Smartphones - eine winzige Zahl, wenn man bedenkt, dass Samsung oder Apple jeweils mehrere Hundert Millionen Geräte im Jahr absetzen.

Design und Verarbeitung

Das Design und damit verbunden Materialwahl und Haptik des Jiayu S3 mit der des HTC One M9 (Test) zu vergleichen, ist in etwa so, als würde man eine Maus neben einen Elefanten stellen und nach Gemeinsamkeiten suchen. Nirgendwo werden die Unterschiede zwischen Premium- und Billig-Smartphone so deutlich sichtbar wie hier - im Prinzip sieht und fühlt man jeden Euro.

Während das HTC One M9 in einem Unibody aus Aluminium steckt, dem man aufgrund der vielen Details den aufwendigen Designprozess deutlich ansieht, sitzt das Jiayu S3 Basic in einem Kunstoffgehäuse von der Stange, dem eine eigene Designsprache vollständig fehlt. Drückt man auf das Gehäuse, entstehen leichte Knarzgeräusche.

Davon abgesehen ist die Verarbeitung aber solide und gibt keinen Anlass zur Sorge. Auffallend: Weil der Bildschirm des Jiayu etwas größer ist als der des HTC und auch einen breiten Rand hat, fällt das Jiayu S3 Basic deutlich größer aus als das One M9 und ist einhändig nicht mehr gut zu bedienen.

Display

Mit 5,5 Zoll ist die Anzeige des Jiayu S3 Basic etwas größer als beim 5-Zöller One M9, aber ansonsten gibt es - zumindest mit Blick auf die technischen Eckdaten - kaum Unterschiede. In beiden Geräten kommt ein IPS-Panel zum Einsatz, das Full-HD-Auflösung bietet (1920 x 1080 Pixel). Ein direkter Vergleich zeigt aber, dass das HTC-Display heller leuchtet, ein Eindruck, der von den Messwerten bestätigt wird (HTC: 485 Candela; Jiayu: 369 Candela). Die Darstellungsqualität ist bei beiden Telefonen sehr gut.

Jiayu S3

© connect

Prozessor und Systemgeschwindigkeit

Beim Prozessor hat HTC ebenfalls die Nase vorn: Jiayu setzt auf den MT6752 von Mediatek, dessen acht Kerne mit 1,7 GHz takten, HTC dagegen auf Qualcomms Snapdragon 810, ebenfalls ein Achtkerner, der aber aufgrund der moderneren Prozessorarchitektur und der stärkeren Grafikeinheit nicht nur mehr leistet, sondern auch weniger Energie verbraucht. In puncto Arbeitsspeicher bietet wiederum HTC mehr: 3 Gigabyte RAM markieren die aktuelle Obergrenze bei Smartphones, während S3-Nutzer mit 2 GB auskommen müssen. Im Alltag machen sich diese Unterschiede allerdings nicht bemerkbar, die Bediengeschwindigkeit liegt in etwa gleich hoch.

Kamera

Das Jiayu S3 Basic ist mit einer 13-Megapixel-Kamera ausgestattet, die Bildqualität liegt auf dem Niveau eines guten Mittelklasse-Smartphones. Die Unterschiede im Vergleich zu einem Marken-Smartphone wie dem M9 fallen also sehr deutlich aus.

Dessen Kamera ist nicht nur lichtstärker, sie liefert auch eine natürlichere Farbdarstellung und reagiert ausgewogener auf schwierige Lichtsituationen, etwa bei starken Hell-Dunkel-Unterschieden im Bild. Auch bei Videoaufnahmen ist die Qualität der HTC-Kamera um Längen besser, von der höheren Auflösung (4K statt Full-HD) wollen wir hier gar nicht weiter sprechen.

Jiayu S3

© connect

Die Kamera-Optionen des Jiayu S3.

Mit anderen Worten: Das M9 bietet eine mit Abstand bessere Qualität und auch die übersichtlichere Bedienoberfläche mit deutlich mehr Optionen für den Fotografen. Ebenfalls wichtig: Während das M9 mit einer der besten Frontkameras ausgestattet ist, die der Markt derzeit kennt, liefert das Jiayu S3 Basic hier nur Standardware.

Software

Das Jiayu S3 wird mit einer veralteten Android-Version ausgeliefert: Android 4.4 läuft zwar noch auf zahlreichen Smartphones, die aktuelle Version 5 wurde aber bereits vor fast sechs Monaten veröffentlicht und ist eigentlich Pflicht für Smartphones, die jetzt in den Handel kommen.

Immerhin: Der Hersteller erklärte auf Nachfrage, dass für das Jiayu S3 Basic ein Update in den kommenden Monaten veröffentlicht werden solle. Über das System hat Jiayu eine schlichte Oberfläche gelegt, die stark an Huaweis Emotion UI erinnert. Die Bedienung gelingt intuitiv, aber besondere Funktionen oder Dienste gibt es nicht; überwiegend verlässt man sich auf das, was Android-Entwickler Google bereitstellt.

Jiayu S3

© connect

Die Android-Oberfläche des Jiayu S3

Ganz anders das M9: Auf dem Flaggschiff läuft die neueste Android-Version 5, dazu kommt HTCs Sense-Oberfläche, die vollgestopft ist mit Extras, unter anderem einer Theme-App, die es ermöglicht, die Optik bis in den letzten Winkel des Systems anzupassen. Klar, man kann vieles, das dem Jiayu S3 ab Werk fehlt, aus dem Play Store nachrüsten, aber einen Aspekt sollten Sparfüchse trotzdem nicht außer Acht lassen: HTC wird sein Flaggschiff für die nächsten anderthalb Jahre immer wieder mit Software-Updates versorgen - bei Jiayu ist das nur schwer vorstellbar.

Connectivity und Funkeigenschaften

Nicht ein einziges der in Deutschland verkauften Top-Smartphones ist Dual-SIM-fähig. Hier bietet das Jiayu S3 tatsächlich mehr als das One M9, zumal beide Micro-SIM-Steckplätze das gesamte Funkspektrum von GSM bis LTE beherrschen. Die Sende- und Empfangsqualität im LTE-Netz überzeugt, deutliche Schwächen zeigt das S3 dagegen im UMTS-Netz, hier ist die Leistung nur ausreichend. Da das One M9 auch nicht gerade mit herausragenden Funkeigenschaften glänzt, sehen wir hier aber keinen klaren Gewinner.

Den gibt es allerdings, wenn man sich die übrige Connectivity anschaut: Im Gegensatz zum günstigen Chinesen unterstützt das HTC M9 Infrarot, NFC und HDMI über USB MHL.

Ausdauer

Auch bei der Ausdauer hat das Jiayu S3 Basic das Nachsehen: Der Akku bietet mit 3100 mAh zwar die größere Kapazität (HTC: 2840 mAh), aber das heißt nicht, dass das Smartphone länger durchhält. Im connect-Nutzungsmix schafft es nur 6:21 Stunden, das M9 dagegen kommt auf 6:51 Stunden und bietet außerdem die deutlich längere Gesprächszeit. Der relativ sparsame Qualcomm-Chipsatz und die besser abgestimmte Software zahlen sich aus.

HTC bietet softwareseitig auch einen Akkusparmodus, der zwar viele Funktionen deaktiviert, aber dafür sorgt, dass man noch ein paar Stunden länger via E-Mail und Telefon erreichbar ist. Man muss aber auch dazu sagen, dass das M9 im Vergleich mit anderen Oberklasse-Smartphones kein Dauerläufer ist, es bewegt sich nur im Mittelfeld.

 

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Der Abstand zeigt, dass technische Eckdaten beim Smartphone-Kauf nicht die Haupkriterien sein sollten. Auf dem Papier kann das Jiayu S3 Basic ganz gut mit den Top-Modellen von Samsung, HTC und Co mithalten, aber wenn man genau hinschaut, werden die gravierenden Unterschiede deutlich, vor allem beim Design, bei der Kamera und der Software. Es lohnt sich also nach wie vor, mehr Geld für ein Markenprodukt auszugeben.

Das Jiayu S3 Basic ist deshalb kein schlechtes Smartphone, in der Liga um 250 Euro gehört es zu den besseren Modellen. Den Namen Jiayu muss man sich aber nicht merken - für einen langfristigen Erfolg fehlt dem Unternehmen nicht nur die Größe, sondern auch die eigenständige Forschung und Entwicklung.

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