Testbericht

Kompaktbox Focal Electra 1008 BE II

Die Kompaktbox Focal Electra 1008 BE II (3500 Euro das Paar) stellt derzeit den günstigsten Einstieg in die einzigartige und feingliedrige Hochton-Welt mit inversem Beryllium-Hochtöner dar.

  1. Kompaktbox Focal Electra 1008 BE II
  2. Unverzerrt laut
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Kompaktbox Focal Electra 1008 BE II

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Der passende Ständer sieht super aus und klingt vorzüglich. Allerdings kostet das Pärchen 1100 Euro.

Allein der Aufwand, um die kleinen Silberlinge zu produzieren: Im Focal-Stammwerk im französischen St. Etienne schuften mehrere Angestellte in Schutzanzügen in einem hermetisch abgeriegelten und konstant auf Temperatur gehaltenen Trockenraum.

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Die 27 Millimeter große Kalotte (2. von links) hat eine inverse Form und sollte wegen der Brüchigkeit des Beryllium die meiste Zeit (zum Hören abnehmen!) hinter Gitter bleiben. Das große Volumen (ganz rechts) senkt die Resonanzfrequenz auf unter 700 Hertz.

Feuchtigkeit und Staub sind hier fehl am Platz, wenn die 27 Millimeter großen Kalotten entstehen. Das Material gilt als extrem hart, anfällig und bei der Produktion hochgiftig. Deshalb ist der Aufwand so hoch, und deshalb sind Beryllium-Treiber auch so teuer.

Doch Focal hat die Produktion schon seit vielen Jahren sicher im Griff und schwört - wie auch JBL und TAD bei ihren großen Modellen - auf die akustischen Vorzüge des nicht nur enorm harten, sondern auch sehr leichten Materials.

Auch Focal setzt die Edelkalotte nur in den beiden großen Linien Utopia und Electra ein. Und wie bei den anderen Modellen der Electra-Serie steckt der Hochtöner der kleinen 1008 BE II in einem stabilen Metall-Frontstück, das passend zur gesamten Schallwand relativ stark gerundet ist.

Das sieht klasse aus. Aber um den 6,5-Zoll-Tiefmitteltöner ebenfalls unterzubringen, musste Focal einige Klimmzüge machen: nämlich die Schallwand tief ausfräsen. Das wiederum weist auf die doch stattliche Dicke der Behausung hin: Bis zu fünf Zentimeter ist das MDF der Front- und Seitenwände stark. Kein Wunder also, dass die Kleine 15 Kilo auf die Waage bringt. Front, Deckel, Boden und Rücken kommen in einem schwarzen Metallic-Lack daher. Die Seitenwände sind zu haben in Kirsche-ähnlichem "Champagne", dem rotbraunen "Basalt" oder im hochpolierten Schwarz ("Slate Grey") der Front.

Ganz schön laut, die Kleine

Auch im Messlabor konnte die 1008 BE II glänzen. Ihr Hochtöner - das war zu erwarten - spielte locker bis über die Messgrenze von 40 Kilohertz. Und ihre Effizienz von über 86,5 Dezibel wird von Kompaktboxen nur selten erreicht. Doppelt schön daran: Das Impedanzminium rutschte nicht unter 4 Ohm (im Hochton sogar konsequent 10 Ohm), sodass der geneigte Besitzer auch mit leistungsschwächeren Röhren nach Herzenslust experimentieren darf. 

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Der Bassreflex-Kanal der Electra 1008 BE II liegt hinten, weshalb ein Abstand zur Rückwand - nicht unter 20 cm - ratsam ist. Bei zu kräftigem Bass kann man die Effizienz des Kanals mittels beigepacktem Kunstgummi reduzieren.

Oder gar sollte. Mit der Ayon Spirit II (in der KT-120-Version) aus der Vormonatsausgabe weckte die kleine Electra spontan Erinnerungen an die große Standbox 1038 BE II, die in Heft 4/10 ein großes Testfeld an Mitbewerbern schnörkellos ablederte. Völlig mühelos entwirrte sie komplexe Hochtonstrukturen und ließ sich auch von mächtigen Kodo-Drums nicht ins Boxhorn jagen, sondern schmetterte sie ohne jeglichen Dröhn-Ballast, aber mit viel Durchschlagskraft in den Hörraum. Nicht übel für einen 17-Zentimeter-Tieftöner.

Aber da war noch mehr. Livingston Taylor tönte bei "Isn't She Lovely?" über die 1038 zwar noch aufgeräumter, aber mit der 1008 irgendwie warmherziger und schöner. Das galt erst recht im Vergleich mit der KEF Reference 201/2. Die Antrittsgeschwindigkeit, das kernige Zupacken und die enorme Abbildungsstabilität sind Bereiche, in denen die KEF kaum zu schlagen ist. Die Focal spielt etwas flüssiger und runder, zeigt aber ebenfalls jede Menge feinster Details. Mit der KEF schwangen die Harfensaiten von Friedemanns "Kleiner Zupfmusik" impulsiver, drahtiger; über die Focal kam sie ebenfalls extrem hoch aufgelöst, aber weniger gespannt - eher entspannt.

Es ist genau diese Mischung, mit der die 1008 BE II die Tester über Stunden im Hörraum fesselte. Sie legten mal diese, mal jene Platte auf.

Wir konnten einfach nicht genug bekommen, und es wurde einer jener Tage, an denen wir abends das Gefühl hatten, gar nicht gearbeitet zu haben.

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