Testbericht

Kompaktlautsprecher Lindemann BL 10

Flüssiger Stickstoff und kugelfester Dämmstoff: Lindemanns kleine Birdland 10 (7000 Euro pro Paar) ist pures Hightech und großes Klangvergnügen.

  1. Kompaktlautsprecher Lindemann BL 10
  2. Datenblatt
Lindemann BL 10

© Julian Bauer

Lindemann BL 10

Lindemann BL 10

© Archiv

Zutaten nur vom Allerfeinsten: 6-Zoll-Tiefmitteltöner von Thiel, Blue-Master-Kondensator von ICW, kryogenisierte Mundorf-Spule.

Norbert Lindemann, Chef der gleichnamigen High-End-Manufaktur, hat in vielen Bereichen eine andere Herangehensweise an die perfekte Wiedergabe als seine Mitbewerber. Wo beispielsweise ein Alon Wolf von Magico bei seinen Lautsprechern auf Masse satt (siehe Test Magico Q5 ) setzt, vertraut der Münchener auf relativ leichte Gehäuse - so wie früher die BBC-Monitore aufgebaut waren. So hat er es bei seinen beiden Standboxen Swing! und Boogie! gemacht - und natürlich nun erst recht beim kleinsten Mitglied der Birdland-Serie.

Das Gehäuse der BL 10 hat eine relativ geringe Masse und ist dennoch extrem steif. Dafür sorgt ein Sandwich aus 9 mm Birkensperrholz, 4 mm Kork und wieder 9 mm Birkensperrholz. Außen ist zudem ein 2 Millimeter starkes, extrem robustes Linoleum aufgelegt; das weckt optisch intuitiv Interesse, wirkt wie festes Bitumen - und bringt die Wandstärke auf 24 Millimeter.

Die Idee dahinter: Je leichter und steifer ein Gehäuse, desto weniger Energie wird gebunkert. Lindemann: "Die Energie des Verstärkers soll doch 1:1 beim Hörer ankommen und nicht im Gehäuse gespeichert und zeitversetzt - in der Dröhnfrequenz des Gehäuses - wiedergegeben werden."

Lindemann BL 10

© Julian Bauer

Die eleganten Ständer, Holzfüßchen und Keramik-Kugeln gehören zum akustischen Konzept und sind im Preis inbegriffen.Mit schweren, stabilen Ständern spielte die BL 10 jedoch noch ein Stück wärmer, souveräner, präziser.

Durch die Lage Kork hat das äußere Gehäuse mit dem inneren keine feste Verbindung. Es "floatet", weshalb im Spielbetrieb außen auch recht wenig Vibrationen zu spüren sind. Im Innern liegt eine dünne Lage Twaron-Watte auf den Wänden: ein flauschiger Kunststoff, der gemeinhin für Schusswesten verwendet wird, hier aber mittlere und hohe Frequenzen im Gehäuse abfängt.

Besondere Steifigkeit erachtet Lindemann auch bei den Membranen der Chassis als sinnvoll. Die Magnesium-Kalotte von LPG erfüllt diesen Anspruch genauso gut wie der eigens für die BL 10 gefertigte 6-Zoll-Tiefmitteltöner mit harter Keramikmembran von Nobelanbieter Thiel .Den Einwand,  diese Keramikmembranen würden im oberen Übertragungsbereich so hart klirren, wischt er vom Tisch: "Thiel hat einen neuen Entwickler, Dirk Vaehsen. Die heutigen Chassis haben mit denen von vor fünf Jahren nichts mehr zu tun."

Bei der Weiche achtet Norbert Lindemann auf geringste Phasendrehung und - selbstverständlich - beste Bauteile. "Wir haben viele Vergleiche gemacht. Alle anderen Kondensatoren klangen gegenüber dem ICW irgendwie effektbeladen." Alle Spulen und Kondensatoren werden für zwei Tage kryogenisiert, das heißt: in flüssigem Stickstoff auf minus 196 Grad gekühlt. Durch die Temperatur zieht sich das Metall zusammen, das Gefüge ändert sich. Beim Auftauen lockern sich dann die Spannungen, die es vorher gab. Das mindert übrigens auch die Einspielzeit.

Lindemann BL 10

© stereoplay

Sehr ausgewogen mit tiefreichendem Bass, kleiner (unhörbarer) Peak bei 25 kHz; echte 8-Ohm-Box!
Lindemann BL 10

© stereoplay

Ab 95 dB Schalldruck stark steigender Klirr mit Kompression um 110 Hz

Messtechnisch hinterließ die kleine Lindemann BL 10 einen überwiegend guten Eindruck: Das Wasserfalldiagramm zeigt ein sehr schnell ausklingendes System, der Frequenzgang wirkt wie mit dem Lineal gezogen, und die untere Grenzfrequenz von 39 Hertz verdient für ein solches Böxchen mehr als Respekt. Allerdings ist der Wirkungsgrad mit 78,6 Dezibel (1 V/m) doch ganz schön bescheiden.

Das fiel aber im Hörtest gar nicht auf, weil uns die BL 10 mit ihrer atemberaubenden Offenheit und unaufdringlichen Transparenz quasi zum Zuhören zwang. Gleich ob Klassiker wie "Männer" von den Bläck Fööss oder das "Mawazine Part 1" der neuen Al Di Meola: Mit der BL 10 lebten die Aufnahmen geradezu auf. Alle Feinheiten, welche die Tonmeister versteckt hatten, kamen zum Vorschein. Die Instrumente standen plastisch und in der korrekten Größe wie auch in der Tiefe exakt gesetzt im Raum.

Selbst tiefere Männerstimmen wie die von Hans Theessink gab die kleine Lindemann absolut glaubwürdig und richtig wieder. Und  fragiler Ständer hin oder her - dieser Klein-Monitor zeigte, dass auch in den Bässen unterhalb von 200 Hertz enorme Feinheiten stecken.

Etwa eine Woche stand die Lindemann BL 10 zum Einspielen im Hörraum. Viele Besucher kamen und waren verzaubert: "Die klingt ja richtig gut." Genau so ist es. Wem der - zugegebenermaßen nicht sehr hohe -  Pegel reicht, der findet mit der BL 10 eine echte Traumbox.

Lindemann BL 10

HerstellerLindemann
Preis7000.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.0

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