Testbericht

Kopfhörer Sennheiser HD 800

Für den HD 800 (1000 Euro) wagte Sennheiser ein neues Konzept. Ob es sich bezahlt macht, klärt dieser Test.

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Kopfhörer Sennheiser HD 800

© Archiv

Kopfhörer Sennheiser HD 800

"Wir haben über die Jahre mit kontinuierlichen Verbesserungen die Qualität unserer Kopfhörer bis zum HD 650 steigern können. Nun aber war es an der Zeit, einen Neubeginn zu machen." Die Worte  von Sennheisers Entwicklungsleiter für Kopfhörer, Axel Grell, stellen klar, dass für den HD 800 neue Wege gesucht wurden. Das drückt sich auch im Preis aus, der mit 1000 Euro deutlich höher liegt als der aller bisherigen dynamischen Kopfhörer aus der Traditionsschmiede in Wedemark.

Kopfhörer Sennheiser HD 800

© Julian Bauer

Kontaksichere Stecker ermöglichen ein Auswechseln des Kabels.

Für eine deutliche Qualitätssteigerung benötigte man aber gegenüber den bisher verwendeten Treibern - wie etwa beim stereoplay Highlight HD 650 (7/04) - einen viel größeren. Denn für einen satten und vor allem tiefen Bass braucht auch ein Kopfhörer wie ein Lautsprecher Fläche. Zudem muss ein größerer Wandler, um den gleichen Schalldruck zu erzeugen, weniger Hub vollbringen, was naturgemäß zu geringeren Verzerrungen führt.

Die ersten Versuche mit mehr Fläche waren aber enttäuschend. Trotz einer hervorragenden doppelten Folie nahmen die Verzerrungen durch Partialschwingungen über die von Grell akzeptierten Maße zu. Das änderte sich schlagartig, als er das Prinzip des Ringradiators anwendete. Diese Wandlerart, die bisher nur bei Hochtönern zum Zuge kam, hat den Vorteil, an zwei Punkten - außen am Rand sowie innen - fixiert zu sein. Dadurch lässt sich die Schwingbewegung durch die 40-Millimeter-Spule besser kontrollieren, was Verzerrungen stark abnehmen ließ. So ist nun Sennheiser stolz, den mit 56 Millimeter größten bei dynamischen Kopfhörern eingesetzten Treiber zu besitzen.

Doch für Perfektionist Grell war der Wandler erst der Anfang. Schließlich wollte er mit dem HD 800 Grenzen beim Kopfhörerklang verschieben. Dazu gehört die berüchtigte Im-Kopf-Ortung. Deshalb optimierte er in vielen Versuchen die Position der Wandler, die nun leicht schräg vor den Ohren stehen, um so dem natürlichen Hören mit den bekannten Reflexionen direkt am Kopf nahe zu kommen.

Kopfhörer Sennheiser HD 800

© Julian Bauer

Der Treiber ist ein gigantischer 56-mm-Ringradiator mit zweilagiger Folie und starken Neodym- magneten.

Besonders störend sind eng am Ohr entstehende Resonanzen. Deshalb entschied sich Grell, keinen Korb aus Metall zu verwenden, sondern einen aus Kunststoff, der sich deutlich ruhiger verhält. Und selbst der Bügel ist dabei nicht unbeachtet geblieben: Er besteht aus zwei Lagen Federstahl, zwischen denen ein dämpfender Kunststoff sitzt.

Bei solcher Feinarbeit verwundert es nicht mehr, dass in der Muschel ein Gewebe aus Edelstahl als akustisches Filter dient. Es lässt sich extrem genau fertigen und besitzt damit konstante akustische Eigenschaften.

Dass mit 360 Gramm das Gewicht des Hörers etwas hoch ausfiel, machte sich beim Tragen nur sehr wenig bemerkbar, was an der guten Passform, dem eher geringen Anpressdruck und den angenehmen Polstern aus Alcantara liegt.

Im Hörtest wollten aber die Tester nicht nur deshalb den HD 800 nicht so schnell vom Kopf nehmen, denn schon bei den ersten Takten Musik nahm er sie mit feinen, sehr offenen Höhen und der für einen Kopfhörer erstaunlich räumlichen Wiedergabe für sich ein. So war der Vergleich zum HD 650 sehr schnell beendet. Der konnte mit gutem Tiefbass und sauberen Höhen noch ansatzweise mithalten, doch der HD 800 positionierte die Instrumente in orchestralen Tutti-Passagen auf einer viel weiteren Bühne. Zudem ließ er feine Geigenbogenstriche deutlich zarter vernehmen.

Kopfhörer Sennheiser HD 800

© Julian Bauer

Die Gaze aus Edelstahl dient an der Muschel als akustisches Filter.

Selbst der souveräne Grado GS 1000 (1/07) hatte seine liebe Mühe mit dem Neuling. Denn wieder ließ der HD 800 die Musiker großzügiger auseinanderrücken und konnte etwa bei Filippo Moscatellos "Darkroom Disco" (Pagliaccio/Mood Music CD 08) mehr Druck bei der Bassline aufbauen, dabei diese aber noch sauberer von der Bassdrum trennen und sogar ein wenig mehr Hochtoninformationen vermitteln.

So waren die Tester geneigt, einen Punkt mehr zu geben, was aber dann die Referenz Stax SR 404 Signature mit Versorgungsverstärker SRM 006 T II (9/06, 2180 Euro) durch etwas kraftvolleren Grundton und einen Hauch mehr Souveränität bei komplexen Passagen dann doch verhinderte - wenn auch denkbar knapp.

Dies schmälert den Stellenwert des neuen Sennheiser HD 800 in keinster Weise, weshalb die Tester ihm nicht nur aus tiefster Überzeugung ein stereoplay Highlight verliehen, sondern ihn auch zum Favoriten der Redaktion adelten.

Sennheiser HD 800

HerstellerSennheiser
Preis1000.00 €
Wertung53.0 Punkte
Testverfahren1.0

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