Aktivbox

KS Digital KSD 2040 im Test

Dank Waveguide-Technologie soll sich der Klang der KSD 2040 einer Punktschallquelle annähern. Wir haben die Aktivbox getestet.

KS Digital KSD 2040

© J. Bauer, Archiv

KS Digital KSD 2040

Pro

  • ungemein detailreiche Wiedergabe
  • natürliche Bühnenabbildung
  • DSP-Funktionen

Contra

  • Klang in EQ-Mittelstellung
Vielversprechend

Mit der KSD-Serie packt die Saarbrücker Boxenschmiede KS Digital bewährte Profi- Technik in eine HiFi-optimierte Verpackung. Erst kürzlich stand der kleinste Ableger der Serie im Hörraum (KSD 2010 ) und heimste mit neutralem Klang und detailreicher Abbildung Lob und Anerkennung von den Testern ein.

Das nagelneue KSD-Flagschiff 2040 ist ein ganz anderes Kaliber

Bereits die Treiberbestückung des 114-Zentimeter-hohen 2,5-Wege-Turms verdeutlicht das: Die zwei unteren Chassis im 20-cm-Format übernehmen die tiefen Frequenzen bis 200Hz; sie nehmen dem Koax die Tiefton-Arbeit aber nicht ganz ab, unterstützen ihn lediglich dabei. Der Koax ist in seinem Arbeitsbereich also nach unten nicht begrenzt - KSD will so eine stimmigere tonale Balance erzielen. Der Carbonfaser-Konus im Koax misst ebenfalls imposante 20 Zentimeter und wird, wie auch die beiden Bass-Chassis, von starken Neodym-Magneten angespornt. In seiner geometrischen Mitte sitzt ein schon ab 1,4kHz einsetzender 25-mm-Tweeter mit Seidenkalotte, der die genau berechnete Form des ihn umgebenden Konus als schallführenden Waveguide nutzt. Dadurch sollen akustische Eigenschaften einer Quasi-Punktschallquelle entstehen, die zusammen mit der Anordnung der Chassis auf einer Ebene ein optimiertes Impulsverhalten und somit eine besonders detailreiche Tiefenstaffelung ermöglichen soll.

KS Digital KSD 2040

© J. Bauer, Archiv

Dank der vielen Erweiterungsmöglichkeiten kann man die KSD 2040 sehr gut auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Smarte DSP-Technik

Technisches Highlight der 2040 ist der aktive, DSP-gestützte Aufbau der Weiche. Dafür kommt die hauseigene "Firtec"-Technologie zum Einsatz: eine Kombination aus Systemfiltern und einer FIR-Differenzweiche. Letztere trennt die Wege mit einer frei einstellbaren Flankensteilheit. Dadurch soll eine bessere Impulsantwort der Chassis möglich sein, ohne die Entstehung von Phasenverzerrungen zu provozieren. Um den Klang auf akustisch schwierigere Räume einzustellen, befinden sich auf der Gehäuserückseite zwei Potis für die Regulierung von Bass und Hochton. Doch die Entwickler gingen noch einen Schritt weiter: Mit einem konventionellen Netzwerk-Kabel findet die KSD 2040 Anschluss an einen Computer. Dort bietet die optional erhältliche FIR-Control-Software (360?) umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten, um den Klang auf den Hörraum anzupassen: Die Frequenzkurve ist mittels drei parametrischer EQs editier-, abspeicherund wieder abrufbar. Die selben Einstellungen können auch per kabelgebundener Fernbedienung (RC-100, 810?) vorgenommen werden, die zudem einen praktischen Lautstärke-Drehknopf besitzt, der die digitale Pegelregelung der Box steuert.

KS Digital KSD 2040

© J. Bauer, Archiv

Bei einem Hörabstand von mehr als 4m gerade aufstellen. Bei kleinerem Abstand etwa 15 Grad anwinkeln.

Ein passender (diesmal im Preis enthaltener) IR-Sender steuert das kabelgebunde Modul. Somit kann das Kistchen samt Kabelsalat dezent auf dem HiFi-Rack verschwinden. Ein 96kHz und 24bit-fähiges DAC-Modul mit AES-Schnittstelle verwandelt die KSD 2040 auf Wunsch (für 500? pro Box) sogar in eine digitale eierlegende Wollmilchsau. Dafür muss die Quelle jedoch zwei AES-Ausgänge besitzen. Ist das nicht der Fall, hat KS Digital auch hier eine Antwort im aufpreispflichtigen Zubehörsortiment parat: Eine externe Box teilt das ankommende Digitalsignal in zwei AES-Kanäle auf. Außerdem konvertiert ein integrierter Formatwandler ankommende Bits und Bytes mittels Re-Clocking auf ein korrektes Spannungsniveau, um einen fehlerfreien Betrieb der Boxen zu garantieren. Somit dürfen auch spannungsärmere Toslink- oder S/PDIF-Signale die KSDs füttern.

KS Digital KSD 2040

© J. Bauer, Archiv

Die zwei Bässe im 20cm-Format spielen bis 200Hz und unterstützen den Koax lediglich im Bass. Die Übergangsfrequenz liegt bei 1,4kHz. Die Membranen der drei Chassis bestehen aus Carbon und werden von bärenstarken Neodym-Magneten angetrieben.

Wie ein fauchender V12

Zunächst stellten die Tester die zwei EQ-Potis auf Mittelstellung - und waren mit dem Klang der 2040 im AUDIO-Hörraum aber nicht ganz glücklich: Sie tönten vergleichsweise schüchtern im Bass und etwas frisch in den Höhen. Ein Griff auf die Rückseite brachte sofort Abhilfe. Als die Tester mit dem Klang zufrieden waren, standen dort der Hochton-Regler auf elf Uhr und sein Basspendant auf zwei Uhr. Merke: Es waren nur minimale Änderungen nötig - doch das Ergebnis war umso eklatanter. Denn nun spielten die KSD-Türme ausgewogen und reagierten auf die Dynamik eines Songs wie ein V12- Motor auf einer Tour auf einer kurvigen Küstenstraße: Zurückhaltend und filigran in langsamen Passagen, druckvoll aufbrausend, wenn man Stoff gab.

Als Dream-Theater-Drummer Mike Portnoy bei "Panic Attack" ("Octavarium") fulminant sein Schlagzeug bearbeitete, kamen auch gleich zwei andere Qualitäten der 2040 zum Vorschein: die natürliche Raumdarstellung und der immens detailreiche Hochton. Ähnlich wie ein japanischer Sushimeister, der mit präzise angesetzten Schnitten einen Kugelfisch zubereitet, brillierte die KSD 2040 mit einer ebenso beeindruckenden, akuraten Detailarbeit: Beim schon zig Mal gehörten Jazz-Klassiker "Take Five" von Dave Brubeck ("Takin' Off") fielen ständig neue Klangfarben und Akzente auf, die man so sauber und authentisch dargestellt noch nie wahrgenommen hatte. Etwa die Raumakustik während des Schlagzeug-Solos, bei dem man die Mikro- Aufstellung erkannte. Oder die Griffbrett-Geräusche des sonst dumpfklingenden Kontrabasses, der nun mehr Attacke besaß - alles Paradebeispiele für den exzellenten Hochton.

KS Digital KSD 2040

© J. Bauer, Archiv

Der Frequenzgang der KSD2040 zeigt auf Achse gemessen und mit dem Bass- und Hochton-Poti auf Mittelstellung eine Welligkeit im Mittel- und Hochton-Bereich (1). Starke Aktivität besonders um 1kHz im Wasserfalldiagramm (o. Abb.) Die untere Grenzfrequenz liegt bei 29Hz, die obere bei 24kHz (gemessen bei -3dB). Die Maximallautstärke beträgt 105dB, ab 95dB nimmt allerdings der Klirr schon deutlich zu (2).

Fazit

Man kann über DSPs denken, was man will, doch spätestens nachdem man den überwältigenden Detailreichtum der KSD 2040 erlebt und gehört hat, dürften alle "Aber"-Sätze - zumindest die KSD betreffend - verstummen. Wer will, kann die Boxen mit AE SEingängen aufrüsten und für die digitale Welt flott machen. Spätestens dann verwandelt sich die 2040 in eine smarte Komplettlösung: gut investierte 1000 Euro.

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