Testbericht

Lautsprecher Ayon BlackBird

Sara K. schien über die Ayon BlackBird (17 000 Euro das Paar) besonders dicht an ihre Zuhörer heranzutreten und wirkte ungemein lebendig und gefühlvoll.

  1. Lautsprecher Ayon BlackBird
  2. Datenblatt
Lautsprecher Ayon BlackBird

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Lautsprecher Ayon BlackBird
Lautsprecher Ayon BlackBird

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Bis auf Boden und Deckel sind alle Wände mit einem Radius versehen, der versteifend wirkt. Tieftöner und Hornmund sind ungefähr gleichbreit.

Seit den Kindertagen der High Fidelity nutzen Boxenhersteller Schallführungen und Hornvorsätze, um die Bewegungen von Lautsprechermembranen wirkungsvoller an die Raumluft zu koppeln. Im Profibereich sind solche Kniffe längst an der Tagesordnung. Während marktübliche Hornlautsprecher in aller Regel getrennte Einzelsysteme verwenden, um große Übertragungsbereiche zu verarbeiten, setzt die österreichische High-End-Manufaktur Ayon bei der BlackBird auf ein koaxiales Zweiwegehorn. Der vom Hannoveraner Chassisspezialisten BMS stammende Doppel-Druckkammertreiber überdeckt so einen gigantischen Frequenzbereich von etwa 500 bis deutlich über 20_000 Hertz.

Trotz seiner Bandbreite von rund 6 Oktaven und horntypischer Genügsamkeit besitzt der Treiber ein kompaktes, näherungsweise punktförmiges akustisches Zentrum und konkurriert so messtechnisch (gutmütiges Rundstrahlverhalten) wie klanglich (exakte Ortbarkeit) mit audiophilen Kompaktboxen. Das Ganze bei röhrentauglich geringerem Wattbedarf und Schalldruckreserven jenseits von Gut und Böse.

Den Bassbereich weisen die Österreicher einem vom selben Hersteller stammenden 12-Zöller zu, der in konventioneller Bassreflexmanier und mit reichlich Gehäusevolumen im Nacken zur Sache geht. Ein Horn würde im Tiefbass wenig Sinn machen, seine Abmessungen wären schlicht nicht wohnraumtauglich und falls doch, so läge die untere Grenzfrequenz in einem Bereich, den jede anständige Kompaktbox mühelos unterbietet.

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1) Das Horn nutzen beide Schallquellen gemeinsam. 2) Der größere Magnetring ist für den Mitteltöner zuständig. 3) Der kleine am hinteren Ende treibt den Hochtöner.

Der Koax klingt extrem offen und dynamisch

So aber stemmt die BlackBird nach Herstellerangaben 35 Hertz, nach der strengen stereoplay-Labordefinition sogar stolze 29 Hertz bezogen auf -3 Dezibel. Im realen, reflexionsbehafteten Raum (siehe Messungen auf Seite 19) sind durch Raumeinflüsse noch tiefere Werte erreichbar.

Obwohl der Hornkoax von der Frequenzweiche auf das geringere Empfindlichkeitsniveau der Bassabteilung herabgebremst werden muss - andernfall würde die Box viel zu hell klingen -, entlockt die BlackBird einem lausigen Watt satte 88 Dezibel, während konventionelle Boxen im Schnitt bei 85 Dezibel verharren.

Was das für den Verstärker bedeutet, mag ein Beispiel verdeutlichen: 3 Dezibel mehr Empfindlichkeit sind gleichbedeutend mit einer Halbierung des Wattbedarfs. Außerdem ist die Impedanz der Ayon recht hochohmig, der Verlauf über die Frequenz abgesehen von einer Senke im Bass schwankungsarm.

So bietet die BlackBird gute Bedingungen für Röhrenverstärker, was insofern nicht überrascht, als der Hersteller solche Amps im Programm führt, die bei der klanglichen Abstimmung selbstredend zum Einsatz kamen.

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Ähnlich ambitioniert wie die Technik ist die Machart des Gehäuses. Außer Boden und Deckel sind alle Flächen stabilitätssteigernd gekrümmt; keine ganz unwichtige Maßnahme bei einer derart antriebstarken Box. Das Auge erfreut sich an lebhaft gemasertem Makassarfurnier (Ebenholz), das zusätzlich mit Klarlack veredelt wurde.

Wie schon die Duevel konnte die Ayon den Hörraum mühelos in einen Hexenkessel verwandeln. Erschöpfungszustände waren der Ayon so fremd wie dem Teufel das Weihwasser. Bei Aaron Coplands Gassenhauer "Fanfare For The Common Man", wo es mit Bläsern und Schlaginstrumenten gewaltig zur Sache geht, zuckten die blau illuminierten Leistungsanzeigen der McIntosh-Monos lässig dem Kilowattbereich entgegen, und die Ayon schien sich pudelwohl zu fühlen.

Die BlackBird deshalb auf ein Pegelmonster zu reduzieren, wäre dennoch ebenso falsch wie unfair, denn mit der passenden Software arbeitete der Hornzwitter hingebungsvoll filigran und glockenrein. Bei kompakten, weniger ausladenden Klangkörpern tönte die stämmige Konstruktion so ortungsgenau und lammfromm, wie man es sonst nur von edlen Kompaktboxen oder Dipolstrahlern kennt.

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Im eingebauten Zustand wird der schwere Horntreiber von einer Gehäuseversteifung gestützt.

Emotionen sind ihre große Stärke

Sara K., die Lieblingssängerin vieler Audiophiler, schien über die Ayon besonders dicht an ihre Zuhörer heranzutreten und wirkte ungemein lebendig und gefühlvoll.Klangfarblich wie auch in Sachen Timing am natürlichsten klang die Ayon mit Röhrenverstärkern wie dem hauseigenen Sunrise II (stereoplay 5/2006), der an der BlackBird nicht nur die homogeneren Mitten, sondern auch den strafferen, besser eingebundenen Bass brachte.

Die Geithain war es sodann, die die ins Schwärmen geratenen Tester wieder auf den Boden der Tatsachen holte und klar machte, dass die für sich so schönen Klangfarben der BlackBird bei aller Sympathie doch ein wenig geschönt waren.

Auch besaß die ungleich teurere Aktivbox die natürlichere, weniger nach vorn drängende Entfernungsdarstellung, ohne deshalb matter zu klingen. Dem Erfolg der Ayon wird dies kaum schaden, denn auf ihre Art spielt sie wunderbar direkt und hingebungsvoll.

Ayon BlackBird

HerstellerAyon
Preis17000.00 €
Wertung62.0 Punkte
Testverfahren1.0

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