Testbericht

Lautsprecher B&W 800 Diamond

Die B&W 800 Diamond (22000 Euro das Paar) ist der runderneuerte Klassiker mit verbesserten Chassis und dem vermutlich besten Hochtöner der Welt.

  1. Lautsprecher B&W 800 Diamond
  2. Technik im Detail
  3. Datenblatt
Lautsprecher B&W 800 Diamond

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Lautsprecher B&W 800 Diamond

Tatsächlich hat stereoplay sich einige Monate lang vor dem Test der neuen B&W 800 Diamond gedrückt. Was war passiert? Uns trieb die Sorge um, wir müssten an der Daseinsberechtigung einer Legende kratzen, die weltweit hoch geschätzt wird. Genau dieses Malheur war bei der Vorgeneration passiert, deren Vorstellung gut fünf Jahre zurückliegt. Damals war die kleinere 801 D in der Summe aller Eigenschaften fast besser als die teurere 800 D. Also zogen seinerzeit beide Boxen mit der gleichen Klangpunktzahl in die Rang-und-Namen-Liste ein. Bei einer Preisdifferenz von immerhin 4000 Euro.

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Der Diamanthochtöner liefert Bestwerte in allen Bereichen. Insgesamt vier Magnete (rot) sorgen für Antrieb.

Größere Tieftöner und Gehäuse

In der aktuellen Generation gibt es zwar keine 801 mehr, dafür aber eine 802, die beim Test im Mai 2010 nicht nur ihren direkten Vorgänger übertraf, sondern auch das Topmodell der Vorgeneration, die 800 D. An dieser Stelle mag unsere Scheu verständlich werden, denn es war von Anfang an klar, dass sich die kommende 800 Diamond bei einem Mehrpreis von 8000 Euro nur in drei Punkten signifikant von der 802 unterscheiden wird: größere Tieftöner, mehr Gehäusevolumen, anderer Sockel.

Wer sich mit Lautsprechern auskennt und die 802 Diamond hört (64 Klangpunkte), ohne mit der 800 vergleichen zu können, wird ähnliche Befürchtungen hegen wie wir. Denn das nunmehr zweitgrößte Modell der 800er Reihe tönt derart temperamentvoll und stressfrei, so transparent und lebensecht, dass man sich unwillkürlich fragt, wie ein Hersteller dieses Ergebnis toppen will, ohne grundlegend andere Geschütze aufzufahren. Zumal bereits die 802 mit allen Leckerbissen der Serie aufwarten kann: Der neue Diamanthochtöner ist ebenso an Bord wie der klanglich vorteilhafte Marlan-Kopf des Mitteltöners. Der praktisch eigenklangfreie Mineralwerkstoff liefert eine perfekte Basis für erstklassige Gehäuse.

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Über-alles-Perfektion

Die Königin hat die Nase vorn.

Bleibt die Frage: Kann die neue 800 Diamond wirklich mehr? Ja, wir können an dieser Stelle Entwarnung geben. Aber wie B&W das letztendlich geschafft hat, darüber lässt sich nach wie vor nur spekulieren.

Kennzeichen aller neuen Diamond-Lautsprecher ist eine für B&W völlig untypische, konstante Präzision über alle Frequenzbereiche. Wo es früher (vor allem bei den 800er-Modellen) im oberen Bass und im unteren Grundton gern einmal etwas wolkig und dröhnig zuging, herrscht heute strikter Durchzug. Das war schon auffällig bei der recht trocken agierenden 802, aber mehr noch bei der sehr schlank abgestimmten 804 (7/10, 61 Klangpunkte).

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Der wabenartige Matrix-Aufbau steigert die Klangneutralität.

Auch die 800 Diamond profitiert von diesem neuen Präzisions-Credo - legt aber noch einmal ein richtiges Pfund drauf. Ob nun ein paar Hertz tiefer oder ein bis zwei Dezibel lauter: Die Messwerte lassen nicht erkennen, wie viel mehr Erleben im Bassbereich stecken kann. Zu ahnen, dass das Kirchenschiff der Misa Criolla (Carreras/DG) doch noch ein ganzes Stückchen größer ist, als es die 802 vorzeichnen will. Zu spüren, dass die E-Bass-Gewitter a la Marcus Miller in "Panther" doch noch intensiver auf das Zwerchfell prasseln können. Und zu hören, dass die Stimme von Livingston Taylor ("Isn't She Lovely?") durch das Plus an Souveränität im Grundton noch um Einiges authentischer klingen kann. Aber insgesamt? Lohnen sich die 8000 Euro Mehrpreis?

Wie eineiige Zwillinge

Okay, anfangs haderten wir, denn im Mittelhochtonbereich sind die zwei Boxen wirklich kaum auseinanderzuhalten. Wenn die B&W-Entwickler hier eine Familien-Ähnlichkeit erreichen wollten, so gelang ihnen das trefflich. Aber unterm Strich ist die neue 800er eben doch eine andere Welt. Mit ihrer extremen Neutralität und Souveränität in allen Lagen distanziert sie nicht nur die kleine Schwester, sondern auch die meisten Lautsprecher ihrer Klasse. Selbst die neue Überflieger-Box von Isophon, die Berlina RC 7 (12/10), agierte in den Mitten womöglich klarer und feiner, doch der gesamtheitlichen Authentizität der B&W hatte auch sie wenig entgegenzusetzen. Die neue 800 Diamond hat sich die Krone der Familie und der Klasse redlich verdient.

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