Testbericht

Lautsprecher Bang & Olufsen BeoLab 9

Mit einem neuen Aktivlautsprecher will Bang & Olufsen die HiFi-Szene aufmischen. Hinter der coolen Optik und den wohnraumfreundlichen Abmessungen des BeoLab 9 für 7250 Euro steckt jede Menge High Tech.

  1. Lautsprecher Bang & Olufsen BeoLab 9
  2. Datenblatt
Bang & Olufsen BeoLab 9

© Archiv

Bang & Olufsen BeoLab 9

Erfahrenen HiFi-Fans Aktivboxen schmackhaft machen zu wollen hieße Eulen nach Athen tragen. Die grundsätzlichen Vorzüge der räumlichen Verheiratung von Chassis und Elektronik im selben Gehäuse sind evident.

Elektronische Frequenzweichen auf der Vorverstärker-Ebene arbeiten wirksamer als passive Bauteile und erlauben Zusatzfunktionen wie einen elektronisch erweiterten Bassfrequenzgang in Kombination mit kleineren Gehäusen.

Bang & Olufsen BeoLab 9

© Julian Bauer

Der Hochtöner arbeitet in einer Schallführung aus Metall.

Ein weiteres wichtiges Feature aktiver Boxen sind Schutzschaltungen für einen gefahrlosen Betrieb an der Belastbarkeitsgrenze - ohne Verzerrungen und verbrannte Schwingspulen.

Professionelle Anwender, die passive Schallwandler längst aus ihren Räumen verbannt haben, belächeln gerne das Festhalten der HiFi-Szene an der guten alten Passivbox. Doch es gibt erfreuliche Ausnahmen, und zwar ausgerechnet bei Herstellern, denen mancher Enthusiast so etwas nie zutrauen würde.

Die dänische Edelmarke Bang & Olufsen beispielsweise baut schon seit geraumer Zeit ausschließlich Aktivboxen, mit eigenständigem Design und in Größen, die auch das kleinste Wohnzimmer nicht erdrücken.

Wieviel Platz sich damit im Extremfall sparen lässt, zeigen die kaum 3 Liter großen BeoLab 4 (stereoplay 2/2007), doch auch die brandneuen BeoLab 9 gerieten in Relation zu ihrer Leistung extrem kompakt. Die rundlichen Klangspender sind ganze 77 Zentimeter hoch, dennoch ist jedes Exemplar 700 Watt stark und mit drei ausgefeilten Chassis bestückt.Ein 10-Zoll-HochleistungsBass und ein halb so großer Mitteltonkonus verstecken sich unter einer Stoffhaube. Der Hochtöner (Foto unten) sitzt obenauf in einer mehrdimensionalen Schallführung aus Aluminium, die im Nebenjob als Blickfang fungiert.

Das auffällige Gebilde soll für eine gleichmäßigere Abstrahlung in einem großen Winkel sorgen, den Klangcharakter also weniger sitzplatzabhängig gestalten und zu einer besonders natürlichen Klangfärbung beitragen. Mehr dazu im Kasten unten.

Erwartungsvoll schweift der Blick der Tester auf die Elektronikabteilung, schließlich gelten die Dänen mit ihren (auch an viele andere Firmen gelieferten) Digitalverstärker-Modulen namens "ICE Power" als einer der führenden Protagonisten energie- und platzsparender Verstärker mit Schaltnetzteilen.

Bang & Olufsen BeoLab 9

© Julian Bauer

Die Signalversorgung erfolgt via 8-polige DIN-Buchsen. Die Raumanpassung (dreistufig) ist in einem kleinen Schalter versteckt.

ICE Power findet sich in der  Dreiwegebox BeoLab 9 allerdings nur im Bassbereich, dort mit immerhin 500 Watt Nennleistung, was enorme Dynamikreserven bis hinab zu 30 Hertz sicherstellt. Die weniger energieintensiven Mitten und Höhen überlassen die Dänen zwei konventionellen, je 100 Watt starken Hybridverstärkern - aus klanglichen Gründen, wie hinter vorgehaltener Hand zu hören war.

Wie bei Studiomonitoren längst üblich, besitzt die BeoLab 9 eine Ortsanpassung, die Bassaufblähungen bei wand- oder gar ecknaher Aufstellung entgegen wirkt. Der Schalter (dreistufig) sitzt auf der Rückseite im Anschlussfeld, das im Regelfall nicht zu sehen ist, weil es hinter einer formschönen, gerippten Abdeckung verschwindet. Die Signalversorgung übernehmen die bei B&O üblichen 8-poligen DIN-Buchsen, die den Anschluss einfach und verwechslungssicher gestalten.

Wer fremde Geräte anschließen möchte, findet im Zubehörkatalog von B&O Kabel mit den passenden Steckern, DIN am einen Ende, Cinch am anderen. In der Praxis kommen die Beolab 9 mit unterschiedlichsten Signalquellen zurecht, etwa einer der hauseigenen, preisgekrönten Designanlagen oder einem Flachbildschirm. Lediglich eine Lautstärkeregelung muss das Gerät besitzen und Ausgänge auf Vorverstärkerniveau.

An der stereoplay-Referenzvorstufe Lyra Connoisseur (Test 8/2005) und dem Referenz-CD-Player Naim Audio CD 555 (6/2006) mussten die Rundlinge zeigen, was in ihnen steckt. Schon der erste Eindruck war hervorragend: kraftvoll, präsent und ausgesprochen homogen, auch bei einer Sitzposition außerhalb des klassischen Stereodreiecks.

Bang & Olufsen BeoLab 9

© Hersteller

Die gerippte Rückseite dient unter anderem als Kühlkörper. Die textilen Abdeckungen sind in Blau, Schwarz, Dunkelgrau und dem hier gezeigten Rot zu haben.

Die räumliche Abbildung war etwas flächiger als gewohnt, aber keineswegs ungenau. Die kaum tischhohen Boxen staffelten deutlich in die Höhe, ein Indiz für die gelungene Abstimmung der elektronischen Frequenzweichen.

Apropos Größe: Die ebenfalls vollaktiven, jedoch wesentlich größeren TCI 2 A von T+A (Heft 11/2005) hatten manchmal Mühe, die Neulinge in gebührender Distanz zu halten, etwa beim Album "Star Tracks" des Tenorsaxofonisten Yuri Honing (Jazzinmotionrecords JIM 75043). Präsent und hochdifferenziert pfeilte das Blasinstrument aus den Rundlingen; die ständigen Wechsel zwischen laut und leise wirkten kontrastreich und doch mühelos. Die doppelt so teure T+A zeichnete den Raum genauer, die B&O konterte mit Reife und Rundheit.

Untenherum tönten die Rundlinge - das war die eigentliche Überraschung - ähnlich mannhaft und lebensecht wie die doppelt so teuren Vergleichsboxen, selbst die zeitweise energisch peitschende Perkussions-Begleitung brachte sie nicht aus der Spur.

Mit diesem Ergebnis wird klar, wohin die technologische Reise geht, wenn es um  Wohnraumfreundlichkeit, Anpassungsfähigkeit und Gestaltungsfreiheit geht: zu Aktivboxen wie den BeoLab 9. Ihre Dynamik und Basskraft in Relation zum umbauten Raum sind einzigartig.

Bang & Olufsen BeoLab 9

HerstellerBang & Olufsen
Preis7250.00 €
Wertung58.0 Punkte
Testverfahren1.0

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