Testbericht

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

Jede Diskussion über Grenzdynamik war bei den Genuin FS1 von Blumenhofer (35000 Euro das Paar) fehl am Platz, denn seine Lässigkeit sprach für sich und war, wie es so schön heißt, schlicht "outstanding".

  1. Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1
  2. Datenblatt
Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

© Archiv

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

Den meisten Boxenfans ist kaum bewusst, wie verschwenderisch gängige HiFi-Lautsprecher mit der Leistung umgehen. Warum auch sollten sie sich Gedanken machen, wo doch wattstarke Surroundreceiver immer billiger werden und mittlerweile selbst Kompaktboxen in Schalldruckbereiche vorstoßen, die viele Anwender nur selten auskosten.

Da die Luft vor einer Lautsprechermembran salopp gesprochen lieber ausweicht als mitzutanzen, verharrt der Wirkungsgrad gängiger Boxen meist unter 1 Prozent. Was energetisch einer Katastrophe gleichkommt und nur dann keine Probleme macht, solange Box und Verstärker klaglos mitspielen.

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

© Julian Bauer

Zwischen den Klemmen (Ausführung wählbar) sitzen Steckkontakte für die Impedanzkorrektur und die zweistufige Hochtonanpassung.

Glücklicherweise besitzt unser Gehör eine irrwitzig hohe Empfindlichkeit, sodass bereits Schallleistungen von wenigen Tausendstel Watt gewaltige Empfindungen auslösen. Faktisch spricht vieles dafür, dem Wirkungsgrad mehr Aufmerksamkeit zu schenken, denn eine höhere Ausbeute verspricht im Nebeneffekt solidere Schalldruckreserven, geringere Verzerrungen und erhöht die Freiheitsgrade in Sachen Verstärker.

Zur Zielgruppe wirkungsgradstarker Boxen zählt daher neben Hörern mit untypisch großen Räumen und Anhängern jedweder Form von Originaldynamik auch die wachsende Zahl derer, die ihr audiophiles Heil in wattschwachen, aber klangstarken Röhrenverstärkern suchen. Welche bekanntlich an Durchschnittsboxen ihr Klangpotential nur selten voll entfalten, weil sie fast ständig am Limit laufen.

Spezialisten wie der bayerische Beschallungsprofi Thomas Blumenhofer (siehe Interview) konstruieren daher spezielle Hochwirkungsgrad-Boxen mit einem bis zu zehnfach geringeren Wattbedarf.

Tüftler Blumenhofer, der seine Streiche südlich von Augsburg in der Idylle des bayerischen Voralpenlandes ausheckt, erreicht das Ziel HiFi-untypischer Genügsamkeit bei seinem Topmodell durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Im Bassbereich nutzt seine als Zweiwegesystem mit einer Trennfrequenz von 850 Hertz konzipierte Genuin FS 1 einen riesigen 16-Zoll-Treiber der japanischen Nobelschmiede TAD.

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

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Das sündhaft teure, elektrisch wie mechanisch irrwitzig hoch belastbare Konuschassis ist mit einem rechteckigen Bassreflextunnel gekoppelt und wird getragen von einer 5 Zentimeter starken Schallwand aus Multiplex, die nicht unwesentlich zum Gesamtgewicht von immerhin 80 Kilogramm beiträgt.

Die als Filter zweiter Ordnung ausgeführte Frequenzweiche ruht isoliert vom übrigen Gehäuse in einer bodennahen Kammer. Die Impedanz der Genuin FS 1 liegt nominell bei 8 Ohm (also eher hochohmig) und verläuft auffallend gutmütig. Für den Betrieb an besonders lastsensiblen Verstärkern ist eine zuschaltbare Impedanzkorrektur vorgesehen, die den Anstieg bei der Übernahmefrequenz glattbügelt, was an lastsensiblen Amps eine Klangverbesserung bringen kann, aber nicht muss.

Das in der hauseigenen Schreinerei individuell nach Kundenwunsch gefertigte Gehäuse ruht auf einem dreibeinigen Metallstativ, was eine höchst wirksame Entkopplung vom Fußboden ergibt. Immerhin 12 Jahre Garantie künden vom Vertrauen in eine Konstruktion, deren Impulsbelastbarkeit die Bayern auf 700 Watt beziffern.

Das Highlight der Box ist zweifelsohne das vom Meister selbst entworfene Horn für Mitten und Höhen, dessen tief im Inneren versteckter Treiber über eine gut 6 Zentimeter große Titanmembran verfügt, deren Schallbeitrag über eine ausgeklügelte Schallführung in den Raum fließt. Der Vorbau sorgt für eine drastisch verbesserte Kopplung, soll aber horntypische Resonanzen und Verfärbungen vermeiden.

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

© Julian Bauer

Tatsächlich unterscheiden sich Frequenzlinearität und auch Winkelverhalten nicht signifikant vom Verhalten klassischer HiFi-Boxen mit kleineren Schallquellen, gleichzeitig ist die Kompression um Welten geringer.

Wer es darauf anlegt, entlockt dem Prachtstück in 1 Meter Entfernung Schalldruckpegel über 120 Dezibel, gleichzeitig werden zivile 90 Dezibel (gehobene Zimmerlautstärke) so lässig erreicht, dass die zugehörigen Verzerrungsprodukte aus dem Diagramm nach unten herausfallen, weil sie unterhalb der relevanten Grenzen liegen.

Das für Hornverhältnisse ungewöhnlich breitbandige System ist auf dem größeren Gehäuse beweglich montiert und lässt sich über Stellschrauben relativ zum Basstreiber verschieben wie auch vertikal ausrichten, um unterschiedliche Hördistanzen zu berücksichtigen.

Ein Spannungsteiler in der Frequenzweiche reduziert die exorbitante Empfindlichkeit des Horns um rund 6 Dezibel auf das Niveau der gewiss nicht leisen Bassabteilung. Nebenbei sinkt dadurch die effektive Belastung für den Horntreiber auf derart geringe Werte, dass herkömmliche Hoch- oder Mitteltöner eigentlich blass vor Neid werden müssten.

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

© Julian Bauer

Dank ihrer moderaten Höhe wirken die Boxen in der Realität weniger wuchtig als auf Fotos. Die Lagerung auf drei Füßen erstickt jedes Gewackel im Ansatz. Das Finish (bis hin zu Klavierlack) bestimmt der Käufer.

Die Herkunft der Treiber-Bestandteile und Einzelheiten der Horngeometrie will Blumenhofer verständlicherweise nicht preisgeben, wobei die hornuntypische Linearität und das gutmütige Abstrahlverhalten auf jeden Fall schon mal höchste Anerkennung verdienen.

Im langjährig bewährten Hörraum der Tester standen schon diverse Referenzgeräte bereit, um den Hörnern auf den Zahn zu fühlen. Als Schnittstelle zu den Boxen und als Bezugselektronik für die Punktevergabe diente die testbewährte Thorens-Kombi, bestehend aus der Vorstufe TEP 3800 und den Monoblöcken TEM 3200 für insgesamt rund 34_000 Euro. Parallel dazu wurde mit anderen Verstärkern experimentiert, wobei sich das wirkungsgradstarke Horn als auffallend gutmütig erwies.

So war es für alle Beteiligten extrem reizvoll, mit der rund 500 Watt starken Thorens-Kombi in Kraftreserven zu schwelgen, die es in der gut 30-jährigen stereoplay-Geschichte so geschmeidig und homogen noch nie zu bestaunen gab. Der bei Highendern längst legendäre "Tuva Rap", den stereoplay-Leser vom Hörtest-Parcours der High-End-Messe 2007 kennen (siehe Heft-CD Mai 2007), tobte ohne erkennbare Kompression und pieksauber durch den Hörraum.

Selbst die Hornskeptiker in der Redaktion begannen lustvoll an der Lautstärke zu drehen. In diesem Stadium des Tests war jedweder Versuch eines Kollegengesprächs zum Scheitern verurteilt, denn stimmlich gegen die irrsinnig pegelfesten Hörner anzukommen war schlicht unmöglich.

Lautsprecher Blumenhofer Genuin FS1

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Obwohl Schallwandformat und Membranflächen deutlich vom Durchschnitt abweichen, ähnelt das Abstrahlverhalten dem konventioneller Boxen. Bässe breiten sich nahezu kugelförmig aus, Mitten und Höhen eher gerichtet. Boden- und Deckenreflexionen sind maßvoll vorhanden.

Jede Diskussion über Grenzdynamik war bei diesem System fehl am Platz, denn seine Lässigkeit sprach für sich und war, wie es so schön heißt, schlicht "outstanding".

Noch erstaunlicher aber war die Beobachtung, dass das unbändige Temperament nicht mit Nachteilen bei Räumlichkeit, Tonalität oder gar Timing erkauft wurde. In zarten Gefilden, auf der bereits erwähnten Heft-CD vertreten durch "Isn't She Lovely" mit Livingston Taylor, benahmen sich die mannhaften Tonmöbel wie die Unschuld vom Lande: luftig, filigran und strahlend hell, bei klarer Räumlichkeit. Ängste, der gewaltige Basstreiber würde Mitten und Grundton mit einem dauerhaften, nervigen Brummton unterlegen, erwiesen sich als völlig unbegründet.

Stellvertretend für die Riege der Röhrenvollverstärker fischten die Tester einen Cayin A 55 T (stereoplay 1/2006, 1650 Euro) aus dem Gerätelager, wodurch der Preis der treibenden Elektronik auf rund ein Zwanzigstel zusammenschmolz. Das Klangbild verlor hernach - kein Wunder bei dem Kostenunterschied - an Stabilität und auch Homogenität, doch rund 30 Watt pro Kanal genügten immer noch für herzhafte Pegel.

Die im Zusammenspiel mit den Thorens-Boliden eher störende, weil dort eindeutig timingschädliche Impedanzkorrektur, kam nun wie gerufen und verhalf dem Cayin zu röhrenuntypischer Straffheit und Stabilität, was seinen samtigen Charme umso deutlicher hervortreten ließ. Das Ganze mit einer Basskraft und Stringenz, die man für gewöhnlich einem so filigranen Amp niemals zutrauen würde.

Blumenhofer-Acoustics Genuin FS 1

HerstellerBlumenhofer-Acoustics
Preis35000.00 €
Wertung64.0 Punkte
Testverfahren1.0

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