Testbericht

Lautsprecher Cabasse Artis Karissima

Mit der Karissima für 30000 Euro das Paar stellt Cabasse seiner La Sphere eine weit erschwinglichere Variante zur Seite. Den einzigartigen Dreiwege-Koaxialstrahler trägt auch die gar nicht mal so kleine Schwester.

  1. Lautsprecher Cabasse Artis Karissima
  2. Datenblatt
Cabasse Artis Karissima

© Archiv

Cabasse Artis Karissima
Cabasse Artis Karissima Fuß und Anschlussterminal

© Julian Bauer

Das erstklassige WBT-Terminal ist Bi-Wiring-fähig und verfügt über massive Brücken. Eine geschliffene Granit-Platte dient als formvoll-endeter Abschluss und Mündungsöffnung. Vier ohne Anheben der Box verstellbare Spikes sichern den Halt auch auf unebenen Böden.

Einer der weltbesten Schallstrahler der Welt kommt aus Frankreich und hört auf den klangvollen Namen La Sphere. Cabasse heißt der Hersteller der kugelförmigen, vollaktiven Superbox, die den Test im Januar 2007 mit dem höchstmöglichen Prädikat abschloss, das stereoplay zu vergeben hat: Boxenreferenz.Allein die Eckdaten sind umwerfend: Der mechanisch wie elektrisch komplexeste Schallwandler, der je entwickelt wurde, ist ein Vierwege-Koaxialsystem mit digitalen Frequenzweichen, extremer Frequenzbandbreite, gigantischen Schalldruckreserven und irrwitziger Klangpräzision. Ein Superlativ ist leider auch der Preis von120000 Euro, der den Käuferkreis naturgemäß überschaubar hält.

Mit gerade mal 30000 Euro ist die neue Karissima an La Sphere gemessen fast ein Schnäppchen. Andere Hersteller würden die 70 Kilo schwere, traumhaft gediegen verarbeitete und fast mannshohe Boxenskulptur eher als Aushängeschild definieren und darüber kein weiteres Modell wagen. Frei auf der Box thront eine etwa 30 Zentimeter große Kugel, die eins zu eins aus dem Flaggschiff übernommen wurde. Die Karissima ist eine reinrassige Passivbox, mit einem gänzlich anderen Bassbereich und einer deutlich wohnraumfreundlicheren Optik.

Bei La Sphere steckt ein 55 Zentimeter großer Riesenbass im hinteren Teil der Kugel, deren Außendurchmesser dadurch gewaltige 70 Zentimeter erreicht. Die Karissima lässt es bei einem 30er-Chassis in einem langgestreckten Standboxengehäuse bewenden, was optisch kein Nachteil ist, denn die Kombination aus kleinerer Kugel und konventioneller Bassbehausung sieht eigentlich sogar ansprechender aus.

Cabasse Artis Karissima Schnittbild

© Archiv

Der Dreiwege-Koax ist gänzlich kugelförmig und steht frei. Die Trennfrequenzen betragen 800 und 3500 Hertz (oben). Der darunter montierte 30-Zentimeter-Bass mit Honigwabenmembran ist bis 100 Hertz aktiv und sitzt ganz oben im Gehäuse. Zwei extrem steife Schalen aus druckverformtem Multiplexholz sorgen für höchste Resonanzarmut.Drei gleiche, relativ kleine Bassreflexrohre sitzen hinter Stoff im oberen Teil der Basskammer (Mitte). Ein viertes, deutlich größeres Rohr optimiert den Tiefbass und sorgt für eine intensive Raumanregung (Unten).

Aber der wahre Grund für den Einsatz einer nicht kugelförmigen Bassabteilung liegt in der Art der Ansteuerung: Ein passiv betriebener Tieftöner benötigt für eine akzeptable untere Grenzfrequenz ein erheblich größeres Volumen, was als Kugel kaum mehr wohnzimmerkompatibel machbar wäre.Zahlenmäßig hat La Sphere einen beträchtlichen Vorsprung: Ihr Basstreiber bietet mit fast vier Mal so großer Membranfläche bei Bedarf erheblich höhere Schalldruckreserven und klettert elektronisch entzerrt eine volle Oktave tiefer in den Frequenzkeller.Der Aufbau des Koax ist in jedem Fall einzigartig. Um die zentrale Hochtonkalotte sind zwei Mitteltöner gruppiert, beide mit ringförmigen Membranen und so geformt, dass aus allen Blickwinkeln die Kugelform erhalten bleibt, ohne Kanten und wechselseitige Schallführungen. Das Ideal der durchgängigen Punktschallquelle darf auch die Karissima für sich beanspruchen, denn der Basstreiber (siehe Skizze oben) sitzt sehr nah an der Kugel.

Die Art und Weise, wie die Karissima den Höraum bis in den hintersten Winkel ausleuchtete, war ein Erlebnis für sich. Begriffe wie räumliche Weite und Tiefe, die an sich fest mit Mehrkanalton assoziiert sind, schien die Cabasse neu zu erfinden, als wolle sie aller Welt zeigen, wie raumfüllend zwei Kanäle klingen können.Dazu brauchte es keine esoterischen Spezial-Aufnahmen; es genügten tausendfach bewährte Perlen der Pop-Geschichte. Wenn auf "The Wall" von Pink Floyd der Hubschrauber einschwebt, um das Schulfrust-Szenario in "We Don't Need No Education" dramaturgisch zu untermalen, dann ging der Blick instinktiv zur Decke: Nicht nur, weil die Karissima das Fluggerät so martialisch hämmern lassen konnte, sondern auch, weil der Geräuschteppich wie im echten Leben von oben kam.

Die zum Vergleich herangezogene, kaum halb so teure Thiel CS 3.7 (stereoplay 1/2008) konzentrierte ihre Raumdarstellung mehr auf den Bereich zwischen den Boxen und wirkte auch sonst in jeder Beziehung kompakter; andererseits tönte sie bei zivilen Pegeln homogener als die mehr um Eigenständigkeit und Attacke bemühte Cabasse, die immer dann auf und davon zog, wenn es richtig laut wurde.Tendenziell ähnlich endete das Duell mit der überragend detailgenauen Silver Flame von Lumen White aus Heft 11/2006. Auch hier offenbarte die Französin den spektakuläreren Raum und die ausladendere Tonalität, die Vergleichsbox hingegen den geschmeidigeren und feineren Ton. Wie auch immer Sie, lieber Leser, sich entscheiden: Mit der Karissima genießen Sie Kraft und Charakter in Reinkultur - mehr als bei jedem anderen Schallwandler dieser Preis- und Qualitätsklasse.

Cabasse Artis Karissima

HerstellerCabasse
Preis30000.00 €
Wertung63.0 Punkte
Testverfahren1.0

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