Testbericht

Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

Das war überfällig: Nach 16 Jahren kommt nun die neue Contour-Serie - für Dynaudio so etwas wie die E-Klasse bei Mercedes. Im Mittelpunkt der Linie: die S 3.4 für 4500 Euro/Paar. Ein Exklusivtest.

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Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

© Archiv

Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

Sechzehn Jahre sind eine lange Zeit. Eine Ära? Eine halbe Generation? Ein Sechstel Jahrhundert? Für Lautsprecher jedenfalls reichlich lange. In Zeiten, in denen viele HiFi-Komponenten kaum noch auf eine (Produktions-)Halbwertzeit von sechs Monaten kommen, verweigerte Dynaudio-Chef Wilfried Ehrenholz mit fast schon Kohlschem Aussitzungs-Vermögen seiner Contour-Linie jede weitgehende Überarbeitung.

Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

© Julian Bauer

Feinste Chassis-Technik: Tiefmitteltöner mit strömungsgünstigen Stegen und hoch belastbarem Antrieb. Der Hochtöner hat eine neue Membranbeschichtung, die schon nach kurzem Einspiel vollen Klang bringen soll.

Bis jetzt. Nach langen 16 Jahren präsentiert Dynaudio endlich wieder eine neue Contour-Linie, die - da machen die Dänen keinen Hehl draus - wohl wichtigste Serie im Programm. Doch wer deshalb ein Feuerwerk neuer Ideen und Formen erwartete, wird enttäuscht. Der Lautsprecher ist brandneu, und trotzdem erscheint er uns wie ein seit langem bekannter Freund: Eine 28-Millimeter-Gewebekalotte im Hochtonbereich und zwei 17er-Tiefmitteltöner mit der Dynaudio-typischen MSP-Membran - alles verpackt in den bekannt schlicht-anmutigen, perfekt verarbeiteten Dynaudio-Gehäusen. Das soll nun der große Wurf sein?

Ja. Denn Fortschritt wird bei Dynaudio nicht plakatiert, er fließt dezent ein. Die Hochtonkalotte der S 3.4 beispielsweise hat mit den frühreren D-28-Hochtönern nur noch die Kalottengröße gemein. Sowohl der Antrieb als auch die Kalotte selbst wurden über die Jahre beständig verbessert; gleiches gilt für die Tiefmitteltöner, die sehr viel effizienter gerieten.

Doch vor allem mechanisch haben die Dänen viel gelernt und umgesetzt. Angefangen bei den einmalig stabilen Spikes, die die Contour-Standboxen von den großen Confidence-Modellen geerbt haben und die man über einen Inbus feinst justieren kann: Da wackelt nichts. Weiteres Beispiel: Frequenzweiche. Nicht nur, dass die Position der Spulen elektromagnetisch genau ausgemessen wird - überall, wo Unheil durch Mikrofonie (Vibrationen durch Schallwellen der Bässe) droht, sind die Bauteile durch Kleber ruhiggestellt.

Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

© Weichenstellung: Die verschiedenen Bauteile der Contour-Serie sind alle klanglich ermittelt. Das Design ist so ausgelegt, dass sich die Spulen der Weiche elektomagnetisch so wenig wie möglich beeinflussen.

Julian Bauer

Ruhe ist auch bei den Chassis erste Bürgerpflicht. Die beiden Tiefmitteltöner sind fest mit einer schweren, fünf Millimeter starken Metallplatte auf der Front verbunden. Damit verhindern die Dänen ungewollte Bewegung; normale Holzschallwände sind den immensen Beschleunigungskräften der Membranen oft gar nicht gewachsen. Die Metallplatte ist fest mit dem Gehäuse verschraubt - abgefedert über eine Dämpfungsschicht. So wird die ganze Box zusätzlich beruhigt.

Für den Esotec-Hochtöner wurde eine exakte Aussparung in die Metallplatte gefräst. Warum der Aufwand? Damit sich die Vibrationen der Bässe nicht über die Metallplatte auf den sensiblen Tweeter übertragen. Der  Hochtöner selbst sitzt relativ weit unten. Mit diesem (auch optisch markanten) Trick korrigiert Dynaudio-Entwickler Mark Thorup die Laufzeitunterschiede der Schwingspulen zueinander: Die des Tiefmitteltöners sitzt deutlich weiter hinten als die des Hochtöners.

Dank dieser Anordnung erreichen die Signale - bei einem Hörabstand von drei bis vier Metern - ungefähr zeitgleich das Ohr des Hörers. So pfiffig (und richtig) die Überlegung der Dänen auch ist: Sitzt der Hörer zu dicht an den Lautsprechern, wird das Klangbild ungewohnt niedrig abgebildet. Bei Hör-Abständen oberhalb zwei Metern löst sich dieses Phänomen allerdings schnell in Wohlgefallen auf.

Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

© Julian Bauer

Gegen Vibrationen sind die meisten Bauteile von Hand verklebt. Ein Aufwand, der sich lohnt.

Im stereoplay-Hörraum gingen wir auf etwas Abstand zur S 3.4 - und wurden mit einer Abbildung beglückt, die ihresgleichen sucht. Und das durchaus auch mit kleineren Verstärkern. Richtig lecker spielte die S 3.4 mit dem Ayre AX 7 X oder noch ein bisschen besser am PA 1530 von T+A oder A 6 von AVM.

Mit "kleinen" Röhren-Amps hingegen lief es weniger gut. So schön ein Octave V 40 oder ein 4040 von Lua (womöglich in der Jubilee-Version) auch klingen kann - im Verbund mit der neuen Dynaudio gerieten sie bei höheren Pegeln (im Leistung schluckenden, weil linearisierend bedämpften) stereoplay-Hörraum rasch in Grenzbereiche.

Dabei kann die S 3.4 recht laut, wie sie an der Referenzkette (Naim NAC 552 / Linn Klimax Solo) eindrucksvoll demonstrierte. Die kanadische Sängerin und Cellistin Jorane hat mit "Jorane" (stereoplay 5/03) ein exzellentes Werk abgeliefert. Dort erweckt sie ihr Cello zu unbändigem Leben, lässt die Saiten schnalzen, dass es eine Freude ist, und singt dazu in bester Tori-Amos-Marnier - klasse. Vor allem mit der Dynaudio. Die nämlich stellte das Cello punktgenau mit absolut realistischem Dynamikverhalten auf die Hörraumbühne; das Instrument ächzte wunderbar sonor, die Saiten schwangen wie physisch "anwesend", einfach echt nach. Auch die Stimme von Jorane kam so klar und fein, so unaufgeregt und ohne jegliche Artefakte - so lebendig.

Lautsprecher Dynaudio Contour S 3.4

© Julian Bauer

Der neue Esotec-Hochtöner ist nicht auf der Metallplatte der Front verankert, sondern passgenau eingelassen. So bleibt er von den Vibrationen der Bässe verschont.

Die letzte Box dieser Klasse, die uns derart bezauberte, war die KEF Reference 203 (Test 4/02); ein Vergleich drängte sich also auf. Aber da prallten Klang-Philosophien aufeinander. Die KEF klang zweifelsfrei aufregender, quirliger, plastischer und packender. Aber perlten die Töne aus der Dynaudio nicht doch noch etwas sauberer? Doch. Insgesamt strahlte die S 3.4 mehr Ruhe aus, ließ die Musik unaufdringlicher entstehen und lud zum längeren Verweilen in der Aufnahme ein.

Die S 3.4 ist sicher nicht ohne Fehler; ihr etwas rundlicher Bass dürfte Präzisions-Fanatiker nicht voll überzeugen. Aber sie kann etwas ganz Besonderes: Sie zeigt vom Musikgeschehen alles, ohne nur im Ansatz vordergründig zu wirken. Jede Form der Lästigkeit ist ihr fremd. Genauso wie Langeweile. Ein toller Schallwandler.

Dynaudio Contour S 3.4

HerstellerDynaudio
Preis4500.00 €
Wertung56.0 Punkte
Testverfahren1.0

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