Testbericht

Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

Ein finnischer Bassdipol verspricht eine größere Hörzone und weniger Bassdröhnen. Bildhübsch ist die Gradient Helsinki 1.5 (5900 Euro das Paar) obendrein.

  1. Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5
  2. Erfrischend anders
  3. Datenblatt
Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

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Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5
Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

© Julian Bauer

Als Schnittstelle dient ein profesioneller Speakon-Zugang mit Bi-Wiring-Option.

Herkömmliche Lautsprecherboxen mit geschlossenen oder reflexbedämpften Tieftonabteilungen und nach vorn strahlenden Mitteltönern dominieren den Markt so sehr, dass alternative Bauformen wie Rund- oder Dipolstrahler stückzahlmäßig eine völlig untergeordnete Rolle spielen. Dabei sind die sogenannten Direktstrahler keineswegs so unproblematisch, wie ihre Verfechter gerne behaupten. So ergibt die ausgeprägte Bündelung mittlerer und hoher Frequenzen zwangsläufig eine relativ kleine Hörzone, auch ist der Klang mehr als uns allen lieb sein kann abhängig von den Raumeigenschaften.

Zu den wenigen Herstellern, die dieser Dominanz mit erfrischend andersartigen Produkten begegnen, zählt die finnische Marke Gradient, hier vertreten mit einer bildschönen Klangskulptur namens Helsinki 1.5.

Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

© Julian Bauer

Seitlicher Schallaustritt der des Mitteltöners

Die gerade mal schreibtischhohe Skandinavierin ist mit drei konventionellen dynamischen Chassis bestückt, auch die passive Frequenzweiche mit Übergängen bei rund 300 und 2200 Hertz unterscheidet sich nicht grundlegend von der herkömmlicher Boxen.

Doch ein Gehäuse im engeren Sinne gibt es nicht, lediglich der Konus-Mitteltöner verfügt über ein kleines Volumen zur Kontrolle seiner rückwärtigen Schallanteile. Als Stütze und Bindeglied für die Chassis dient ein glasumrandetes Trägerelement aus Multiplexholz. Der darin fixierte Basstreiber (ein prachtvoller 12-Zöller) arbeitet nach beiden Seiten offen als Dipolstrahler, was eine Richtcharakteristik in der Form einer liegenden Acht ergibt.

Nennenswerter Schalldruck fließt dadurch nur zu den Seiten. Vorne wie hinten würde ohne Mithilfe des Hörraums Funkstille herrschen, denn die um 180 Grad zueinander phasenversetzten Schallanteile der Membranvorder- und -rückseite löschen sich in diesem Winkelbereich aus.

Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

© Julian Bauer

Glasträger der Gradient Helsinki 1.5

So entsteht bei tiefen Frequenzen eine Richtwirkung, die dem Anwender eine gezielte Bekämpfung von Raummoden gestattet. In der Praxis ist der Bass überall zu hören, die Begrenzungsflächen bewerkstelligen die Verteilung.

In den Mitten, wo herkömmliche Boxen den Schall nach vorne richten, setzen die Finnen auf eine nierenförmige Charakteristik, die einen breiten Winkelbereich abdeckt. Das kreisrunde Gehäuse der Mitteltonabteilung ist dazu im Inneren mit Fließwiderständen gefüllt, die einen Teil der gehäuseinternen Schallenergie seitlich austreten lassen. Beim Hochtöner sichert eine tellerförmige Schallführung die gewünschte Breitwinkligkeit.

Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

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Im Profil kommt die Mischung aus Glas und Multiplexholz besonders gut zur Geltung.

Damit verhält sich die Helsinki 1.5 in Sachen Aufstellung und Sitzposition anders als gewohnt: Drehen und Schieben verändert den Klangcharakter im Bass, kaum aber das Timbre der Mitten und Höhen oder gar die räumliche Abbildung.

Entsprechend unkompliziert gestaltete sich der Umgang. So war die Hörzone gefühlt mehr als doppelt so groß wie bei konventionellen Boxen. Allerdings ist die Finnin kein Wattverächter und will adäquat gefüttert sein, sprich möglichst nicht von Röhren der 20-Watt-Liga.

Entgegen weit verbreiteter Vorurteile erzeugte der Dipol-Tieftöner keinerlei Kargheit, es mangelte weder an Tiefe noch an Volumen. Charakterlich erschien der Bass etwas weicher und weniger druckvoll als bei konventionellen Boxen gleicher Preisklasse, auf jeden Fall aber gut eingebunden und ohne jedes Gefühl von Trägheit.

Lautsprecher Gradient Helsinki 1.5

© Julian Bauer

Multiplex-Träger der Gradient Helsinki 1.5

Über alle Frequenzbereiche hinweg war der Gradient eine ganzheitliche und unaufgeregte Spielweise zu eigen, was besonders bei kleinen Besetzungen eine gleichermaßen intime wie angenehme Club-Atmosphäre ergab, die aller Unaufgeregtheit zum Trotz mit beachtlicher Lebendigkeit daherkam. Dass es bei Gesang hie und da kleinere Unpässlichkeiten gab, dass die Helsinki der gern gehörten Jazzsängerin Sabina Sciubba einen kleinen kehligen Beiklang unterschob oder dass die Abbildung bei großen Orchestern bisweilen ein wenig zu ausladend geriet, verziehen die Tester der Skandinavierin gern, zumal das Ganze ausgesprochen luftig und nervenschonend daherkam.

Und das muss den Finnen so schön verpackt erst mal jemand nachmachen.

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