Testbericht

Lautsprecher Infinity Prelude Fourty

Die dürren Jahre bei Infinity sind offensichtlich vorbei: Die Amerikaner präsentieren nach langer Abstinenz endlich wieder eine seriöse Kappa-Nachfolgerin: die Prelude Fourty für 9000 Euro das Paar.

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Lautsprecher Infinity Prelude Fourty

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Lautsprecher Infinity Prelude Fourty
Lautsprecher Infinity Prelude FourtyLautsprecher Infinity Prelude Fourty

© Julian Bauer

Kennzeichen Flachmembran: Vier MRS-Mitteltöner arbeiten pro Prelude 40. Jeder hat ein eigenes Gehäuse.

Kappa: Der Name stand lange Zeit für eine ganz besondere, beeindruckende Art amerikanischen Highends. Mächtige Lautsprecher, mehr breit als tief, bestückt mit großen Bässen und den legendären EMIM-Mittel- und EMIT-Hochtönern. Obwohl sie nicht wirklich hübsch waren, verkaufte Infinity im Deutschland der 80er und 90er Jahre Zehntausende dieser Monumente. Weil sie so gut klangen. Und weil Infinity die Preise immer weiter senkte.

Die Preise sind längst wieder stabil, aber jetzt hat  Infinity - sieht man von der bezaubernden Designlinie Cascade ab - nur noch langweilige Durchschnittsware im Programm. Die Verantwortlichen vollzogen einen radikalen, nur schwer verständlichen Bruch zur erfolgreichen Zeit. Wo ist heute Infinitys ambitionierter High-End-Lautsprecher, den die Fans wirklich ernst nehmen können?

Im stereoplay-Hörraum. Hier steht derzeit das europaweit erste Pärchen des neuen Infinity-Flaggschiffs Prelude Fourty. Und sie sieht gut aus. Selbst für kritische deutsche Augen ist ihr Korpus sauberst verarbeitet und wurde von den Entwicklern - im krassen Kontrast zu den früheren Modellen - extrem schlank gehalten. So schlank, dass die beiden 8-Zoll-Bässe auf die Seitenwände verbannt werden mussten. Da wäre eigentlich auch Platz für größere Chassis gewesen, oder?

Lautsprecher Infinity Prelude Fourty

© Julian Bauer

Das drückt: Pro Box sorgen zwei 20 Zentimeter-Tieftöner für ein sattes Bassfundament.

"Diese 8-Zöller können locker mit konventionellen 10- oder 12-Zoll-Bässen konkurrieren", kam die selbstbewusste Antwort aus den USA. Die Infinity-Entwickler arbeiten ja unter dem Harman-Dach mit denen von JBL und Revel. Und was aus diesen Labors kommt, ist per se technologisch ganz weit vorn.

Das gilt vor allem für den auffälligen MRS-Mitteltöner (Maximum Radial Surface), von dem sich gleich vier auf der schmalen Front tummeln: Die beiden oberen bearbeiten den Bereich von 100 bis 2000 Hertz, die beiden unteren hingegen sind nur zwischen 100 bis 400 Hertz aktiv und erhöhen hier die Bassfläche und somit die Belastbarkeit.

Lautsprecher Infinity Prelude Fourty

© Julian Bauer

Die beiden oberen MRS-Mitteltöner bilden gemeinsam mit der Keramik-Hochtonkalotte eine D'Appolito-Konfiguration.

Der MRS ist ein Paneel, dessen ovale Membran aus einer Aluminium-Keramik-Mischung besteht. Diese extrem leichte und sehr steife Flachmembran wird von zwei ovalen Schwingspulen, die wiederum im homogenen Kraftfeld zweier Neodym-Stabmagneten liegen, über die gesamte Fläche angetrieben. Die üblichen Klangverfälschungen durch Verformungen sollen dadurch entfallen; Membranresonanzen wollen die Entwickler sogar nach weit jenseits des Arbeitsbereichs geschoben haben.

Was das Messlabor bestätigen konnte. Im (nicht abgebildeten) Wasserfalldiagramm zeigt sich nur eine leichte Welligkeit bei 1000 Hertz. Viel auffälliger ist der geringe Schalldruck von nur 80,6 dB (2 Volt / 1 Meter). Das ist sehr leise und erfordert kräftige Verstärker jenseits von 100 Watt pro Kanal. Steht aber ausreichend Leistung zur Verfügung, kommt die Prelude auf passable 104 dB Maximalschalldruck - was die Theorie stützt, dass die MRS-Mitteltöner zwar leise, aber hoch belastbar sind.

Lautsprecher Infinity Prelude Fourty

© Julian Bauer

Aus Platzgründen sitzen die Tieftöner auf unterschiedlichen Höhen - sonst kämen sich ihre Magnete ins Gehege.

Und die wurde im Hörraum eindrucksvoll untermauert. Man konnte den Lautstärkeregler der Referenz-Vorstufe Thorens TEP 3800 fast auf Vollanschlag drehen - die Prelude Fourty spielte immer noch nicht ohrenbetäubend laut, aber eben auch kaum verzerrt. Sie ist die Meisterin der leiseren Töne. Bis zu mittleren Pegeln musizierte sie wunderbar zart, fein und offen - wie geschaffen für das neue Patricia-Barber-Album "The Cole Porter Mix" (die audiophile Jazz-CD, siehe Seite 98). Frau Barber, die so gern ins Mikro haucht, kam mit einer grandiosen Authenzität daher, inklusive der sehr echten Zisch- und S-Laute.  

Die wirklich gelungene Vorstellung rührte auch von dem gleichermaßen tiefen wie souveränen Bassfundament her. Satt und mit viel Nachdruck wuchteten die Prelude Fourty mühelos auch schwärzeste Elektrobässe wie in dem 80er-Jahre-Klassiker "War" (Frankie Goes To Hollywood) in den Hörraum. Gar nicht übel für eine so schlanke Säule...

Lautsprecher Infinity Prelude Fourty

© Tillmann Schreiber

1) Der Antrieb der MRS besteht aus langen Stabmagneten... 2) ...in deren Luftspalt ovale Schwingspulen die MRS-Membran fast über die gesamte Fläche antreiben. 3) Die Flachmembran selbst ist über mehrere Falze zusätzlich versteift.

Allerdings machte die Infinity nur bis zu mittleren Pegeln wirklich Laune; bei zunehmender Lautstärke wagte sich eine Klirrspitze um 350 Hertz hervor, was den Grundton - hörbar vor allem bei Männerstimmen - leicht silbern färbte.

Das aber tat der Begeisterung für die Prelude keinen Abbruch, denn sie kann etwas, das nur wenigen Boxen gegeben ist: die völlige Loslösung des Klangbilds von den Boxen. Man muss sich einmal ein so wunderschön sphärisches Meisterwerk wie "Broken Heart" von Wolfgang Puschnig ("Late Night Show"/Quinton) anhören. Sängerin Linda Sharrock und die Instrumente - vor allem das Vibraphon - standen wie in den Höraum modelliert; die Boxen hatten ganz offenkundig nichts mit der Musik zu tun - das ist große Kunst!

Mit den Infinitys früherer Tage hat die Prelude nur noch den Namen gemein. Die Prelude Fourty besitzt andere Stärken. Feingeister werden diesen neuen Stil bevorzugen. 

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