Testbericht

Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK

JBL baut mit dem LSR 4328 P ( 1675 Euro das Paar) einen preiswerten aktiven Studiomonitor mit Digitalentzerrung und vielen cleveren Features. Wie klingt so etwas?

  1. Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK
  2. Datenblatt
Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK

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Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK
Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK

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1) S/P-DIF- (Cinch) und AES/EBU- (XLR) Digitaleingänge. Die Ausgänge leiten das Signal an die nächste Box weiter. 2) Die RJ-45-Netzwerkanschlüsse fungieren zum Verbinden aller LSR-Lautsprecher mittels proprietärem JBL-HiQnet-Protokoll zur gemeinsamen Steuerung. 3) Die Vernetzung der LSR 4300 per HiQnet ist proprietär und hat nichts mit dem Netzwerk von Computern zu tun. Die Kommunikation mit dem Computer findet per USB-Schnittstelle statt. 4) Das Mäuseklavier aus Mikroschaltern dient der Adressierung des Lautsprechers im Netz und außerdem zum Zurücksetzen. 5) Analoge Musiksignale erreichen die LSR 4328 symmetrisch per XLR- oder Klinkenstecker. Die Empfindlichkeit lässt sich von -10 dB (HiFi) auf +4 dB umstellen (Studio). 6) Die kleine Klinkenbuchse nimmt die Signale des Messmikrofons entgegen und versorgt dieses gleichzeitig mit der notwendigen 15-Volt-Phantomspeisung.

Es gibt immer wieder interessante Überschneidungen zwischen der Welt der Musik-Produktion und -Reproduktion. Studiomonitore sind solch eine interessante Schnittmenge, und die stereoplay-Tests der vergangen Monate zeigten immer wieder, wieviel Klang die Studiowelt für wenig Geld auch im Wohnzimmer bieten kann. Mit dem JBL LSR 4328 kommt nun das erste Mal ein so genannter digitaler Studiomonitor in den Hörraum. Das bedeutet, dass die Box neben den analogen auch digitale Eingänge bietet und das Signal dann numerisch weiterverarbeitet.

Auf den ersten Blick sehen die Digitalmonitore aus wie analoge Geschwister der kleineren LSR 2328 (Heft 10/09), doch die schon die Verarbeitung und das Gewicht verraten aus der Nähe betrachtet die andere Klasse der 4328: gummierte, abgerundete Front, robusteres Gehäuse, seitliche Tragegriffe und vor allem die aufwendigere Elektronik. Neben dem symmetrischen Analogeingang in XLR- und Klinken-Ausführung prangen AES/EBU- sowie S/P-DIF-Digital-Ein- und -Ausgänge (zum Durchschleifen) an der Rückseite. Des weiteren finden sich zwei RJ-45-Buchsen für Netzwerkkabel, eine USB- und Mikrofon-Buchse und ein Mäuseklavier. Das Mini-Schaltpult dient zum Adressieren der Box im Netzwerk.

Das hier getestete Komplettpaket LSR 4328 P PAK beinhaltet ein Paar 4328 nebst Infrarot-Fernbedienung, Messmikrofon und Software. Diese kontrolliert und steuert das Set mittels Windows- oder Apple-Rechner über ein langes, ebenfalls beigefügtes USB-Kabel.

Auf der Front findet sich unter dem Basstreiber eine LED-Kette mit einer Reihe von Tasten zum Steuern und Konfigurieren des Monitors. Die Lämpchen und die Pegelanzeige lassen sich dimmen und abschalten, bis auf das auch im Standby dezent rot glimmende JBL-Logo. Alles lässt sich per Fronttasten steuern, bequemer geht es mit der Fernbedienung, übersichtlicher per Software.

Analog- & Digitaleingänge

Das klingt erst mal alles kompliziert, ist es aber in der Praxis nicht. Sie positionieren die LSR wie jeden Lautsprecher auch. Dann braucht er Strom, und Sie weisen per Mäuseklavier den Kanal zu, etwa L = linke Box. Dann kommt die Netzwerkleitung an die Boxen, bei mehreren Lautsprechern einfach ringförmig weiter verkabeln. 5 m Netzwerkkabel liegen jeder Box bei. Nun müssen Sie sich entscheiden, ob Sie analog oder digital zuspielen.

Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK

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Analog nutzen Sie am besten den XLR-Eingang mit umschaltbarer Empfindlichkeit. Digital braucht es eine Leitung zur ersten Box, AES/EBU oder Cinch, und dann ein zweites, gleiches Kabel von der ersten Box zur zweiten. Jede Box pflückt sich einen der beiden Kanäle aus dem PCM-Signal. Einschalten, gegebenenfalls den Eingang auf der Front umschalten, schon kommt Musik. Vorsicht: Bei digitaler Zuspielung muss die Lautstärke nun an den JBLs eingestellt werden, entweder über die Fronttasten oder die Fernbedienung. Mit der sollte man auf die linke Box zielen, denn diese dient als Master und steuert alle anderen per Netzwerkkabel. Auch Fronttasten jeder Box kontrollieren stets alle vernetzten Monitore. 

Übersichtliche Software

Lautsprecher JBL LSR 4328 P PAK

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Zum Stereo-PAK der LSR 4328 P gehören die handliche Fernbedienung und das hochwertige Mikrofon nebst Halterung. Sämtliche Lichter lassen sich dimmen und abschalten (außer dem JBL-Logo).

Doch die LSR 4328 kann noch mehr. Einmal vernetzt, können alle Lautsprecher - bis zu 7.1 - auf einmal eingemessen werden. Dazu positioniert man das zugehörende Messmikrofon am Hörplatz in Kopfhöhe und verkabelt es mit der linken Box. Per RMC-Taste oder Software startet das Messprogramm. Es gibt einem ein paar Sekunden zum Verlassen des Raumes für absolute Ruhe beim Messen.

Nach einigen Gleitsinusmessungen und einer Gedenksekunde hat die RMC (Room Mode Correction) die dominante Raummode gefunden, diese spiegelbildlich kompensiert, eventuelle  Pegelunterschiede (Balance) und Laufzeitdifferenzen zum Hörplatz justiert. Die Filter setzt RMC automatisch auf die dominante Mode zwischen 20 und 160 Hz mit 1/24-tel Oktave Präzision. Eine weitergehende Frequenzgangkorrektur wie bei Audyssey & Co findet nicht statt. Dazu dienen die manuell zu justierenden Hoch- und Tiefpass-Ortsfilter mit verschiebbarer Einsatzfrequenz. Diese stellen sich im Netzwerk global ein, individuell zu korrigierende Boxen darf man also nicht vernetzen. JBL erklärte zu dieser eher unpraktischen Lösung, dass man im Studio akustische Probleme eben akustisch löse und die Shelvingfilter eher der geschmacklichen oder globalen tonalen Balance dienten.

EQs im Netzwerk global

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Tipp - Bass satt: Der Subwoofer JBL LSR 4312 SP ergänzt die 4328 quasi ideal, lässt sich mit vernetzen, digital und analog ansteuern und übernimmt auch in 2.1-Setups das Bassmanagement.

Einmal eingerichtet, braucht man die JBLs nur noch ein- und auszuschalten und gegebenenfalls laut- und leisezudrehen. Der Lohn: ein völlig müheloser Klang. Für einen Studiomitor klingt die LSR 4328 sogar ausgesprochen gefällig und emotional. Sie verführt zu ausgedehntem, genüsslichem Hören und entwickelt stets einen wunderschönen musikalischen Fluss, der zum Mitwippen verführt. Der Gewebehochtöner löst auch harte Strukturen fein und unaufdringlich auf, ohne je harsch zu klingen, wie dies die Kollegen aus dem Metall-Lager gerne tun. Der Kunststoffkonus bietet der Endstufe offenbar wenig Widerstand, so leichtfüßig drückt er auch heftige Klavieranschläge oder Filmexplosionen in den Raum. Auch dies geschieht ohne Aggression - es sei denn, sie kommt bereits von der Aufnahme.

Im Studio stellen die JBL LSR 4328 mit entspannter, aber genauer Gangart sicher ein gutes Werkzeug dar, dabei sind sie sogar eher eine Schieblehre als ein Zollstock. Auch zu Hause laden sie mit ihrer Ausgewogenheit und faszinierenden Mischung aus Fein- und Grobdynamik zu langen, entspannten Hörsessions ein. Ob digital oder analog angesteuert, diese Lautsprecher klingen richtig angenehm und angenehm richtig.

JBL LSR 4328 P

HerstellerJBL
Preis1675.00 €
Wertung55.0 Punkte
Testverfahren1.0

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