Testbericht

Lautsprecher Magico M 5

Die Magico M 5 (110000 Euro das Paar) ist so gut, dass sie die Maßstäbe neu definiert - und auf gemeine Weise süchtig macht.

  1. Lautsprecher Magico M 5
  2. Datenblatt
Lautsprecher Magico M 5

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Lautsprecher Magico M 5
Lautsprecher Magico M 5

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Der große Ringradiator von Scan Speak spielt bis über 40 kHz.

Dabei lassen die Rahmendaten erst einmal gar nichts Spektakuläres erkennen. Die M5 ist eine geschlossene Vierwege-Konstruktion von 1,34 Metern Höhe und bestückt mit zwei 9-Zoll-Tieftönern. Nichts Besonderes also. Doch schon das Gewicht macht stutzig: 165 Kilo. Hoppala, das sieht man der Amerikanerin gar nicht an. Aber die Kombination aus entkerntem Schichtholz, plus innerem Metallgerüst, plus sehr massiver (konkav geformter) Schallwand, bringt halt einiges auf die Waage.

Mehr noch als bei den früher getesteten Magico-Modellen V2 und V3, setzt Magico-Macher Alon Wolf hier sein Credo von der "absoluten Konsequenz" um. Eine M5 besteht aus mehr als 300 Teilen und wackeln oder resonieren darf hier gar nichts mehr. Die aufwendige Konstruktion und vor allem das Finish tragen viel zu dem stattlichen Verkaufspreis von 110000 Euro bei. "Bis du die Oberfläche so sauber hast, wirst du wahnsinnig", erzählte Wolf bei seinem letzten Redaktionsbesuch entnervt: "Schleifen, wässern, schleifen, wässern, schleifen, wässern ... bis der Lack endlich eine spiegelglatte Oberfläche ergibt. Das ist extrem teuer. Aber es gibt für mich keine Alternative."

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Der Gehäuseaufbau besteht aus hunderten von Birkenholz-Schichten.

Oder vielleicht doch? Seine neuesten Kreationen Q5 baut Wolf komplett aus Aluminium und auch bei der M5 sind ja bereits elementare Teile - Fuß Innenverstrebungen und Schallwand - aus dem unverwüstlichen Metall. Doch Holz hat für Wolf akustische Vorteile: "Das klingt natürlicher."

Selbstredend ist die Bestückung der M5 vom Feinsten: Die Tief- und Mitteltöner sind allesamt mit ultra-stabilen NanoTec-Membranen ausgestattet; das Material wird gemeinhin für Hubschrauber-Rotoren eingesetzt. Aus Qualitätsgründen fertigt Wolf die Treiber komplett im eigenen Haus. Nur den Hochtöner kauft er zu: Es ist der große Ringradiator von Scan Speak, der locker die Messgrenze sprengt und bis weit jenseits der 40 Kilohertz-Grenze spielt...

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Mittel- und Tiefton-Membranen bestehen aus dem extrem robusten NaoTec.

Überhaupt konnte die M5 im Messlabor überzeugen. Der Frequenzgang ist linearer kaum hinzubekommen, Verzerrungen im relevanten Mittenbereich kaum noch messbar. Wenn man überhaupt etwas bekritteln wollte, dann ihren sehr bescheidenen Wirkungsgrad von gerade einmal 82,7 Dezibel. Diese Leisetreterei ergibt sich aus dem Umstand, dass Wolf der sauberen Bässe wegen nur geschlossene Gehäusekonstruktionen akzeptiert. Und die haben normalerweise gegenüber den üblichen Bassreflex-Lösungen einige Dezibel weniger Wirkungsgrad. Dennoch kam die Magico bei den Maximalpegel-Messungen auf stattliche108 Dezibel - sie kann durchaus laut, wenn entsprechend kräftige Endstufen dranhängen.

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Die externen Alu-Arbeiten für Schallwand, Fuß und Innenverstrebungen wurden Wolf einfach zu teuer. 2009 kaufte er deshalb eine metallverarbeitende Fabrik - und produziert jetzt selbst.

stereoplays neue Referenz-Monos Ayre MX-R (Test: 3/10) machen an den 4 Ohm der M5 mehr als 600 Watt locker. Doch die waren nicht nötig, um zu zeigen, dass dieser Lautsprecher neutraler spielt, als jede andere Box im stereoplay-Hörraum zuvor. Es gibt nichts, das die Magico überzeichnet, nichts mit dem sie sofort gefallen will - weshalb sie auf Anhieb vielleicht etwas unspektakulär klingt. Das Spektakuläre kommt beim genauen Hinhören, wenn man sich einlässt und plötzlich feststellt, dass da viel mehr Informationen auf den Aufnahmen sind, als man vorher gehört hat. Wer seine Platten gut kennt und über eine M5 hört, wird verstehen, was ich meine: Auf einmal ist da eine Klangfarbenfülle und -Pracht, eine Genauigkeit im Ton und in den winzigen Dynamikabstufungen, eine perlende Leichtigkeit und Durchhörbarkeit im gesamten Wiedergabebereich, die nach meinem Kenntnisstand einzigartig ist.

Die Gitarre in Jack Johnsons "Breakdown" (In Between Dreams/Universal) klang nicht mehr wie eine gut aufgenommene Gitarre über eine gute Anlage im Hörraum; ich hatte viel mehr den Eindruck, das Ohr direkt am Gitarrenkorpus zu haben. stereoplays Verstärkerspezialist Hannes Maier prägte dafür den richtigen Begriff: "Die Energie stimmt", sagte er. Bei der M5 stimmt die Energie: Auch im Bass, der natürlich nicht annähernd die  Authorität einer Focal Grande Utopia EM (6/09) im Subbass-Bereich oder bei Livepegeln hat. Er kommt halt im richtigen Verhältnis: kräftig und satt, zugleich enorm facettenreich und sauber. 

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1) Die Treiber sitzen unverrückbar in der 60 Millimeter starken Schallwand verankert. 2) Das Gehäuse ist aus hunderten von Schichtholzplatten aufgebaut. 3) Zahllose Versteifungen aus Metall unterbinden jede Gehäuseregung. 4) Die Bodenplatte ist ebenfalls aus Alu und sorgt für stabilen Stand.

Mit ihrer Fähigkeit zur völlig freien (und damit auch nie nervenden) Transparenz, rückt die große Magico auch die Fähigkeiten der vorgeschalteten Elektronik wie mit einer Lupe betrachtet in ein neues Licht. Kleines Beispiel aus dem Testalltag: Die Unterschiede zwischen zwei zuvor an der - ja beileibe nicht schlechten - V3 sehr ähnlich eingestuften Phonostufen, waren mit der M5 plötzlich gewaltig, weil sie Betonungen und Phrasierungen viel deutlicher herausarbeitet.

Der Preis liegt mit 110000 Euro natürlich jenseits von Gut und Böse. Dennoch muss ich jedem ernsthaften Fan ans Herz legen, diesen einzigartigen Lautsprecher anzuhören. Als Maßstab quasi. Als das, was heute möglich ist.

Magico M5

HerstellerMagico
Preis110000.00 €
Wertung69.0 Punkte
Testverfahren1.0

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