Testbericht

Lautsprecher Magico V 3

Magico baut die teuersten Lautsprecher der Welt. Doch es ist der vergleichsweise günstige V 3 für 28900 Euro das Paar, der uns mehr verzaubert als jeder andere Schallwandler zuvor...

  1. Lautsprecher Magico V 3
  2. Datenblatt
Magico V 3

© Archiv

Magico V 3
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© Julian Bauer

Das Gehäuse ist aus vielen Lagen Birkensperrholz aufgebaut, die später klarlackiert werden. Es gibt die V 3 daher nur in der Ausführung "Natur".

Der Mann kann blumig über Wein,  Jahrgang und Gewächs schwadronieren, die Vorzüge des Trüffels in der Salatsoße rühmen oder sich herrlich über diese oder jene Schrulle verschiedener Analoglaufwerke ergießen. Zu Boxen aber hat stereoplays Vorzeige-Highender Dalibor Beric ein distanziertes Verhältnis. Wenn Beric trotzdem von Lautsprechern schwärmt, dann ist Besonderes geschehen. "So eine natürliche Box habe ich noch nie gehört", beteuerte er nach seinem CES-Besuch. Die so Gelobte heißt V 3 und ist das neueste Werk von Magico, einem Hersteller, der in den USA derzeit für viel Furore sorgt.

Die Produktpalette von Magico war bislang einfach zu beschreiben: Zwischen der teuersten Kompaktbox der Welt (Mini II, 33_000 Euro) und der teuersten Standbox der Welt (Ultimate, 330_000 Euro) gibt es noch die M 6 für knappe 160_000 Euro. Und nun auch die V 3, die mit ihren 28_900 Euro unter Magico-Gesichtspunkten fast als Schnäppchen gelten muss. Allerdings versicherte mir Magico-Chef Alon Wolf bei seinem Redaktionsbesuch, dass seine Null-Kompromiss-Haltung auch für die "kleine" V 3 gelte. "Kein Detail ist klein genug, um es zu ignorieren", postulierte der sympathische Israeli.

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(1) Die Front ist eine extrem steife, präzis aus dem Vollen gefräste Alumium-Platte. (2) Alumium-Leisten verankern die Front im Birkengehäuse. (3) Zusätzliche Versteifungen vermindern mögliche Gehäuse-Schwingungen wirksam.

Und das sieht man der V 3 in jeder Faser an. Da gibt es keine scharfen Kanten, keine unregelmäßigen Spaltmaße, keine noch so kleine Schwäche beim Finish - ein traumhaft verarbeitetes Tonmöbel. Da wäre ein MDF- oder HDF-Gehäuse natürlich viel zu profan. "MDF ist hauptsächlich Kleber mit ein bisschen Holzstaub. Das können Sie so dick machen, wie Sie wollen, es wird nie die Stabilität von Birke oder Aluminium erreichen", erklärte Wolf seine Abneigung. Die V-3-Gehäuse bestehen aus dutzenden verleimten Birkenholzplatten, deren Mitte herausgesägt wurde - die effizienteste Methode, steinharte Gehäuse aufzubauen.

Doch selbst dieser Konstruktion unterstellt Perfektionist Wolf zu große Nachgiebigkeit, weshalb er die (leicht gewölbte) Front aus einem massiven Stück Aluminium fräsen lässt. Da sitzen die eingeschraubten Treiber auch nach Jahren noch bombenfest.

Überhaupt die Chassis. Im Hochton spielt der Revelator von Scan Speak, mithin das Beste, was der dänische Nobel-Zulieferer im Programm hat.  Tief- und Mitteltöner sind noch spezieller und werden direkt bei Magico gefertigt. Wo sonst findet man einen 17-Zentimeter-Tieftöner mit 75-Millimeter-Schwingspule?

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© Julian Bauer

Eines der Geheimnisse des Magico-Klangs steckt in den NanoTec-Membranen, die aus mehreren Lagen verwobener Glasfaser-Stränge bestehen und von einer Lage Rohacell gehalten werden. Dieser Mix ist extrem stabil.

Wolf verspricht sich davon einen noch besseren Antrieb und nimmt dabei wegen des höheren Gewichts einen bescheidenen Wirkungsgrad (82 Dezibel) in Kauf: Die V 3 verlangt Endstufen jenseits der 200 Watt! Auffällig sind auch die gewobenen NanoTec-Membranen. "Der Mitteltöner läuft bis 10_000 Hertz linear, und die Stabilität des Konus ist 100 Mal höher als übliche Membranen", sagt Wolf. "Das übliche PR-Gewäsch", denke ich. Doch der 75-KiloMann holt kalt lächelnd einen Mitteltonkonus (Gewicht: 7 Gramm) aus dem Koffer, stellt sich drauf, wippt... Und es passiert nichts! Die Leute, von denen das Material kommt, fertigen sonst Hubschrauber-Rotoren", verrät der Magico-Chef später. Ich bin beeindruckt.

Und noch ein bisschen mehr, als er mir die Weiche zeigt - komplett mit dem Feinsten des Hauses Mundorf bestückt "Wegen des schlechten Dollar-Kurses sind sie zwar extrem teuer für uns, aber klanglich führt kein Weg an den Bauteilen von Mundorf vorbei. Ich habe das Gefühl, sie speichern weniger Energie." Eine These, die ich seit den Selbstbau-Projekten (stereoplay 11/06) uneingeschränkt teile.

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© Julian Bauer

Die Frequenzweiche ist komplett mit den Edel-Bauteilen des Kölner Spezialisten Mundorf bestückt. Die klanglich beste Position der Caps & Co wurde berechnet.

So, wie ich schon nach kurzem Hören auch die Begeisterung des Kollegen Beric teile. Mit welcher Leichtigkeit die V 3 den absolut richtigen Ton einer Geige trifft (Saint-Saens: "Danse Macabre"; Decca), wie sie Stimmen in ihrer ganzen Natürlichkeit und Farbigkeit darstellt, das ist absolut einmalig. Dabei verschließt sich die V 3 der gängigen getrennten Betrachtung von Bass, Mitten und Höhen. Sie spielt völlig geschlossen, harmonisch. Alles ist zur Genüge da: präzise, luftig, transparent, vollmundig, erdig, satt - ganz so wie die zugespielte Musik; nichts sticht heraus.

Außer die Abbildung. Der Klang löst sich schon von den Boxen, wenn man nicht genau in der Mitte sitzt. Aber wehe, die V 3 ist perfekt aufgestellt und eingewinkelt, und Sie sitzen im Hot spot: Dann eröffnet sich ein grandioses Panorama. Die V 3 ist in der Lage, einzelne Instrumente - wenn gefordert - fast beliebig tief und in der Höhe an den exakt richtigen Platz zu stellen. Beim großartigen "Barrio" von Caceres (aus stereoplays Hybrid-SACD "Ultimate Tunes") modellierte sie Pauke, Bandeon und den raubeinigen Sänger zum Anfassen wirklichkeitsgetreu im Hörraum. Keine Frage: Nicht nur bei der Natürlichkeit, auch bei der Abbildung setzt die V3 neue Maßstäbe.

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© Julian Bauer

Die Chassis sind perfekt in die Alu-Front eingepasst. Da wackelt absolut nichts.

Und im Grunde auch bei der "gefühlten" Verzerrungsfreiheit. Wo andere Lautsprecher wie die Lumen White Silver Flame (11/06) leichte Härten zeigen und so durchaus etwas peppiger und impulsiver tönen, bleibt die Magico auch bei hohen Pegeln immer locker, geschmeidig und angenehm. Ein Charakterzug, der dem Kollegen Johannes Maier nur bedingt zusagte. "Mein Lautsprecher ist das nicht", grollte der Verstärkerspezialist - um ihm aber im gleichen Atemzug das größtmögliche aller Komplimente zu machen: "Er hat einfach keine Fehler."

Die V 3 wird für die meisten schlicht zu teuer, für Röhren-Anhänger zu leistungshungrig sein. Anhören aber sollte sie jeder HiFi-Fan einmal. Einfach so. Um zu erfahren, wie magisch High End heute sein kann. Fazit des Tests? Neue Referenz!

Magico V3

HerstellerMagico
Preis28900.00 €
Wertung66.0 Punkte
Testverfahren1.0

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