Testbericht

Lautsprecher Martin Logan Purity

Dipolspezialist Martin Logan lanciert mit dem Purity einen vollaktiven Hybridstrahler zum Kampfpreis von 3700 Euro. Konventionelle Schwallwandler dürfen sich warm anziehen.

  1. Lautsprecher Martin Logan Purity
  2. Datenblatt
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© Archiv

Nur keine falsche Bescheidenheit: Bei Martin Logan, dem Weltmarktführer in Sachen Dipolstrahler, strotzen die Entwickler geradezu vor Selbstbewusstsein. Dürfen sie auch, denn der amerikanische Hersteller kassiert einen Testerfolg  nach dem anderen.Modelle wie Summit oder Vantage sind längst Legenden, dennoch kommen sie für manche Anwender nicht in Frage: Es liegt an den Abmessungen (mannshoch) und den Kosten, die bei den Topmodellen in fünfstellige Regionen vorstoßen. Beliebig verbilligen und verkleinern lassen sich Dipole sicher nicht; umso überraschender sind die Fortschritte, die die Amerikaner in jüngster Zeit erzielt haben.

Das neueste Produkt heißt Purity, eine Kampfansage an alle Hersteller konventioneller Schallstrahler. Seine Abmessungen (Breite nur 24 Zentimeter) sind ausgesprochen zivil und unterscheiden sich kaum von denen marktgängiger Standboxen wie etwa B&W 803 oder KEF 203.

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© Hersteller

Das Holzgehäuse beherbergt die komplette Elektronik samt Endverstärkern sowie (unter einer abnehmbaren Stoffabdeckung) zwei 17er-Tieftöner.

Der Preis von 3700 Euro erscheint am Anspruch gemessen fast wie ein Sonderangebot, wobei die eigentliche Überraschung noch gar nicht genannt wurde: Der Purity ist vollaktiv, elektronische Frequenzweichen und Endstufen (je 200 Watt) sind eingebaut. Dabei handelt es sich um hocheffiziente ICE-Power-Module (Schaltverstärker) in Lizenz von Bang & Olufsen.Zur Ansteuerung genügt eine Vorstufe oder eine Quelle mit regelbarem Ausgang, im krassesten Fall ein MP3-Spieler. Alternativ stehen Boxenklemmen zur Verfügung, sodass niemand seinen heißgeliebten Vollverstärker ausmustern muss.

Wie die meisten Logans ist der Purity ein Hybrid, sprich, der Dipol verantwortet "nur" den tonal und räumlich relevanten Bereich oberhalb etwa 400 Hertz. Darunter arbeiten zwei konventionelle 17-ZentimeterBasschassis mit Alu-Membranen und Bassreflexgehäusen.Kernelement des Purity ist ein beidseitig offener, elektrostatischer Flächenstrahler in einem extrem stabilen Metallrahmen. Als Membran fungiert eine durchsichtige Kunststofffolie, die zwischen gelochten Statoren im Takt der Musik schwingt.Durch die beidseitige Abstrahlung ist der  Wattbedarf gering, allerdings erfordern Flächenstrahler eine freiere Aufstellung: Je nach Raumgröße und Hörentfernung beträgt der Mindestabstand einen, nach hinten eher zwei Meter.

Die gekrümmte Form der Paneele sichert eine breite Hörzone, nur in der Vertikalen gibt es eine ausgeprägte Richtwirkung. Für stehende oder zu tief sitzende Hörer klingen Flächenstrahler daher prinzipbedingt dumpf, es sei denn, man neigt sie entsprechend.Zur Raumanpassung gibt es einen dreistufigen Bassschalter, ansonsten heißt es lediglich Netz und Quelle anstöpseln. Kalt dürfen die Wandler allerdings nicht sein, wie die Tester leidvoll erfahren mussten.

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© Julian Bauer

Alternativ zur Cinchbuchse sind große Klemmen für Boxenkabel vorhanden. Der kleine Schalter beeinflusst den Basspegel.

Unmittelbar nach dem Aufbau im Hörraum schien das Klangbild seltsam gedeckelt, ja beinahe trötig, keineswegs so wie von einem Elektrostaten gewohnt. Wie sich später herausstellte, hatten die Logans die Nacht zuvor in einem unbeheizten Lager verbracht und waren kurz nach dem Auspacken nur oberflächlich auf Raumtemperatur.

Im Laufe der folgenden Stunden änderte sich das peu a peu, am nächsten Tag dann zeigten die Purity, was sie wirklich auf dem schmalen Kasten haben. Ihre Cinch-Eingänge labten sich an Burmesters neuem CD-Player 069 (siehe Test ab Seite 38), der über eine zuschaltbare Lautstärkeregelung verfügt. Später probierten die Tester diverse andere Varianten mit Vor- und Endstufen im Signalweg, was jeweils marginale Unterschiede ergab, jedoch ohne eindeutig Rangfolge.

Im Spieler rotierte das Album "Act Of Faith" (SPV Records) des Gitarristen Chris Jagger, des jüngeren Bruders von Stones-Frontmann Mick. Und schon war sie da, die berühmt-berüchtigte Offenheit mit Gänsehautgarantie. Wunderbar dreidimensional staffelte der Purity die fünfköpfige Band, beim treibenden "Got Me Where You Want" konnten die Tester den Musikern förmlich auf die Finger sehen.Zur Überraschung mancher Skeptiker gelang der Übergang zwischen dem konventionellen  Basszweig und der Folie glatt und bruchlos, wobei sich sogar die leiseste der drei Bass-Einstellungen als völlig ausreichend erwies. Das trotzige "On The Road" tönte auch so sagenhaft rockig und großvolumig.

Der deutlich größere, passive Vista aus dem gleichen Stall (Test in Heft 6/2007) gab sich weniger tiefbassverliebt und setzte auch sonst andere Prioritäten. Er arbeitete Jaggers markige Gitarrenriffs markanter heraus und verlieh den begleitenden Drums mehr Glanz, kostet mit adäquaten Endstufen aber auch mindestens das Doppelte, oft sogar noch mehr.Andererseits lieferte der Purity die kompaktere, weniger überschwängliche Raumabbildung und dürfte damit umstiegswilligen Besitzern konventioneller Boxen durchaus entgegen kommen.

Herkömmliche Boxen der 5000-Euro-Klasse hatten der Schnelligkeit des Purity wenig entgegen zu setzen, wobei die Charaktere wegen der gänzlich anderen Art der Schallerzeugung nicht hundertprozentig vergleichbar sind. Rechnerisch ist die Sache dagegen eindeutig: 56 Klangpunkte, das ist für kostenbewusste Audiophile wie Weihnachten und Sylvester am gleichen Tag.

Martin Logan Purity

HerstellerMartin Logan
Preis3700.00 €
Wertung56.0 Punkte
Testverfahren1.0

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